Monday, April 23, 2007

Besuch

Heute kommt der erste Besuch und ich freue mich, gleich zum Washington Dulles International Airport zu fahren (26 Meilen/42km entfernt in Virginia), der auch für seine modernistische Architektur bekannt ist:


1958 vom finnischen Architekt Eero Saarinen entworfen

Leider fährt die ebenfalls für ihre monumentale Archtiektur bekannte Metro noch nicht bis zum Flughafen (das wird erst 2012 soweit sein). Immerhin wurde in Washington nach vielen Diskussionen Ende der 60er-Jahre mit dem U-Bahnbau begonnen, was die Innenstadt - im Gegensatz zu vielen anderen amerikanischen Städetn - vor dem Verkehrsinfarkt gerettet hat. Da es die U-Bahn der Hauptstadt ist, ist sie auch sehr aufwändig und edel gebaut, kein Vergleich mit der heruntergekommenen subway in New York, die dafür aber wesentlich mehr Charme hat.


Metro-Station innen und außen in Washington

und das gleiche in New York:




Pünktlich für den Besuch ist endlich der Sommer hier angekommen, der aber mit 30 Grad auch gleich richtig heiß ist.

das ist noch ein Überrest der Stürme der letzten Woche, gleich bei uns um die Ecke

Sonnenhungrig haben wir das Wochenende hauptsächlich in diesem urbanen Park, dem "Dupont Circle" verbracht, der dem angesagten Kneipenstadtteil um ihn herum auch seinen Namen gibt. Ein Badesee fehlt leider und die Freibäder macher erst im Juni auf!
während die einen Schlafen

spielen andere Schach

und treffen sich die Fahrradkuriere (!) zur gemeinsamen Pause

Unsere Hoffnung ist groß, dass in dieser Woche die Berichterstattung über den Ammoklauf in "Virginia Tech" endlich nachlässt. Aber selbst heute sind die Nachrichten voll mit Berichten, wie z.B. der Lehrbetrieb an der Uni wieder aufgenommen wird. Auch in DC gab es überall Zeichen der Anteilnahme, wie z.B. in dieser Kneipe, in der wir letzte Woche waren:

bei "Henry"

Besonders frustrierend: auch wenn die Demokraten eigentlich für strengere Waffengesetze sind, haben sie diese Woche geschwiegen: Sie haben Angst, die Präsidentschaftswahl wieder zu verlieren wie Al Gore im Jahr 2000, der auch mit deshalb verloren hat, weil er sich für strengere Gesetze ausgesprochen hat. Auch der demokratische Sieg bei den Kongresswahlen im letzte Herbst wurde wohl (mit) dadurch ermöglicht, dass in mehreren Staaten waffenfreundliche Demokraten kandidiert haben.

Das Thema Waffenkontrolle kam zwar in der letzte Woche in den Medien auch vor, spielte aber nur eine untergeordnete Rolle hinter seitenlangen Berichten, wie die ganze Nation trauert. Über die europäsichen Medien wurde geschimpft (schon bevor sie berichtet hatten), weil sie die Kritik an den lockeren Waffengesetze in den Vordergrund stellen. Hier gab es hingegen auch Stimmen, die sagen, es wäre besser, wenn die Studenten selbst Waffen auf dem Campus tragen können, um sich gegebenenfalls zu verteidigen...

Tuesday, April 17, 2007

Emancipation Day

Eigentlich sollte der gestrige Tag, der an die Befreiung der letzten 3.100 Sklaven unter Präsident Abraham Licoln 1862 erinntert, in DC ganz im Zeichen eines Voting Rigths Marches stehen
Rathaus von DC

Das District of Columbia (DC) wurde entsprechend der Verfassung 1791 gegründet, indem es aus den Staaten Maryland und Virginia "herausgeschnitten" wurde. Da es zu keinem Bundesstaat gehört, erhielten die Einwohner kein Wahlrecht und die Stadt wurde unter die Verwaltung des (nationalen) Kongresses gestellt. Immerhin dürfen die Washingtonians seit 1964 an den Präsidentschaftswahlen teilnehmen und seit 1968 gibt es auch einen Bürgermeister, der allerdings das Budget vom Kongreß genehmigen lassen muss. Im Repräsentantenhaus gibt es zwar eine Abgeordnete aus DC, die aber kein Stimmrecht hat. Im Senat hat DC keine Vertretung, weil es ja keinem Staat angehört. Aufgrund dieser antidemokratischen Ungerechtigkeit sehen alle Nummernschilder in Anlehung an den historischen Spruch so aus:



Diese Woche nun soll das Repräsentantenhaus ein Gesetz verabschieden, das die Wahl eines stimmberechtigten Repräsentanten ins "Haus" ermöglicht. Der Trick dabei: Weil DC aufgrund seiner überwiegend schwarzen Bevölkerung mehrheitlich demokratisch wählt, soll das mehrheitlich republikanische Utah einen weiteren Abgeordneten ins Repräsentantenhaus schicken dürfen. Doch trotz dieses Kompromisses wird das Gesetz wohl von Senat und Präsident gekippt werden.

Die gestrige Demo hatten nun unter zwei Ereignissen zu leiden. Zum einen gab es hier heftige Stürme (mit den entsprechenden Sturmwarnungen u.a im Wetterkanal, der 24 Std. nur Wetternachrichten sendet). Die Demo war deshalb wesentlich kürzer, so dass wir sie verpasst haben und nur die Bilder aus der Zeitung sehen konnten:



Als wir dann im Fernsehen etwas dazu sehen wollte, gab es aber nur noch Berichte über das Massaker an der Uni in Virginia. Und zwar in sämtlichen Programmen, ohne Unterbrechungen, obwohl es gar nicht so viel zu berichten gab.

Ganz passend war es da am gestrigen Abend zu einer Diskussionsveranstaltung der American University zu gehen zum Thema: "How America Covers Itself: American News from a Foreign Perspektive." Die interessantesten Teilnehmer (die Korrespondenten von BBC und AlJazeera) waren allerdings schon in Virginia... Und zuerst gab es eine Schweigeminute.

Wie die Medien konkret arbeiten konnte ich dann heute im Laufe des Tages verfolgen: Um 5 Uhr früh meldete sich afp-Berlin. Die Washington Post heute natürlich mit seitenweisen Berichten, allerdings kaum etwas zur Frage, wie es zu Ammokläufen kommt und welche Rolle dabei die Waffengesetze spielen. Sehr angenehm also, dass die morgigen Ausgaben von taz und SZ mit ihren jeweiligen Schwerpunkten zu diesen Fragen eben schon im internet zu lesen waren.

Monday, April 16, 2007

Eastern Market

Wähernd wir mit Neid die sommerlichen Temeperaturen in Deutschland verfolgen, ist es hier außergewöhnlich kalt geworden, es hat das ganze Wochenende durchgeregnet und für heute gibt es Sturmwarnungen.
Aber letzte Woche kam auch einmal die Sonne raus, so dass ich den Platz in meinem Stammcafé am Eastern Market einnehmen konnte:




im Hintergund sieht man die Markthalle des Eastern Market, die 1873 erbaut wurde und die letzte von ehemals vielen in DC ist, die um die Jahrhunderwende die Lebensmittelversorgung für die Stadt sicherstellten, aber schon in den 20er-Jahren der Konkurrenz der Supermärkte weichen mussten.
Glücklicherweise wurde der Eastern Market nicht abgerissen und in den 60er-Jahren wiederbelebt und heute kann man hier insbesondere am Wochenende frisches Obst und Gemüse direkt von Bauern einkaufen:






Und für Flohmarktfreunde gibts gleich gegenüber am Wochenende auch eine bunte Mischung aus gebrauchten Sachen und kitschigem amerikanischen Kunsthandwerk



Ein Zeichen dafür, dass ein Stadtteil sicher ist und einen gewissen sozialen Stadard hat, ist die Ansiedelung einer Safeway-Filiale. Solch eine gibt es bei uns zum Glück auch um die Ecke:



Erstaunlicherweise ist die Verbereitung von Billigsupermärkten alla Aldi, Lidl und Co. ein auf Deutschland begrenztes Phänomen. Lebensmittel sind hier ziemlich teuer. Etwas günstiger bekommt man sie in den großen Shopping-Malls vor den Toren der Städte, wo wir auch einmal pro Woche hinfahren. Aber bei Safeway kann man immerhin Bagels zum Früstück holen (wenn schon keine Schrippen von Kasper) und auch mitten in der Nacht noch alles, was man gerade dringend braucht.
Selbstverständlich bin ich auch schon Besitzer einer Safeway-Card, denn Sonderangebote sind hier das ein und alles, die Zeitungen sind voll mit Rabatt-Coupons und ich komme leicht in Versuchung wie Loriot gleich größere Mengen von "get one free" (if you buy one) zu kaufen...

Wednesday, April 11, 2007

New York

Eigentlich sollte ich erst noch mehr über DC schreiben, aber da wir über Ostern in New York waren, schreibe ich zunächst über die noch frischen Eindrücke.
Mit dem Zug sind die 226 Meilen (362 km) in 3 Stunden zu schaffen, da dies aber (auf der einzig intensiv und schnell befahrenen Bahnstrecke der USA) je nach Reisetag und -zug zwischen 67 und 199 $ für die einfache Fahrt kostet, haben wir uns für den Chinatown-to-Chinatown Bus für 35 $ hin- und zurück entschieden. Das dauert dann je nach dem wie gut man durch den Stau auf den bis zu 14-spurigen Autobahnen kommt 4-5 Stunden.

Als ich vor genau zehn Jahren zum letzten Mal in N.Y. war, gab es gerade große Proteste gegen den neu gewählten Bügermeister Rudolph Giulianie, der jetzt zu den aussichtsreichen republikanischen Präsidentschaftkandiaten gehört. Mit großer Härte, aber auch mit dem Glück des wirtschaftlichen Aufschwungs der 90er-Jahre in den USA, hat er New York von einer der gefährlichsten zu einer der sichersten Städte der USA gemacht, in der keine Armen mehr zu sehen sind. Dass diese nur in andere Gegenden vertrieben wurden, war vor kurzem in einem interessanten taz-Artikel zu lesen.

Auch das heruntergekommene Theater Distric um den Times Square hat er wieder zu einem leuchtenden Aushängeschild des Kapitalismus gemacht.
Broadway am Times Square

Wenn man Glück hat kann man hier kostenlos in die Late Nigt Show von David Lettermann kommen, deren Kopie in Deutschland als Harald Schmidt Show bekannt ist.


Richtig zu Ehren gekommen ist Giulianie aber durch sein "heldenhaftes" Verhalten am 11.September 2001. Man muss schon zugeben, die beiden Türme fehlen sehr beim vertrauten Bild Manhattens.
Lower Manhatten von der Staten Island Fähre aus gesehen

Ground Zero ist weiterhin eine große Baustelle, an deren Rändern mühsam versucht wird, der "Helden" zu gedenken.

Aber bald wird es mit dem Freedom Tower, der z.Zt. gebaut wird, ein noch höheres Gebäude geben.
Der Aufschwung der Stadt hat die Mietpreise ins unendliche steigen lassen und damit wird alles alternative Leben aus der Stadt verdrängt. Eines der wenigen netten Cafes, das ich auch schon vor 10 Jahren im East Village genossen habe, hat an diesem Wochenende seine Abschiedsparty gefeiert.
Alt Café in der Avenue A, Thompkins Square

Cafés lassen sich wg. der hohen Mieten nur noch mit Sturbucks-Preisen finanzieren. Und das Konzept geht auf: auch ich freue mich inzwischen, bei Starbucks einzukehren, weil es relativ gesehen eben doch die netteste und oft einzige Möglichkeit für einen gemütlichen Kaffee ist.


Direkt neben den schicken Stadtteilen existiert aber weiterhin Chinatown, das sich sogar immer mehr auf benachbarte Stadtteile ausdehnt. Schnell ist man hier in einer anderen Welt.

Und wo man billig einkehren kann und ungewohnte Speisen zu unglaublich günstigen Preisen kennenlernen kann, die selbst für mich an der Grenze des geschmacklich verträglichen waren. Die Schweinohren gehörten noch zu den leckeren Speisen...
Der Hackbraten täuscht, der schmeckt eklig


Auch von den vielen Juden, die einst in der Lower East Side lebten, ist nur noch das touristische, aber dennoch leckere und sehr originale Katz Delicatessen übrig geblieben.

Herr Katz im Gespräch mit den Gästen und vor der Fotowand, die ihn zusammen mit allen möglichen Stars zeigt.

Die Orthoxen Juden leben schon lange in Brooklyn, wo wir aber in einigen Straßen Williamsburgs fast nur schwarz gekleidete Männer, Frauen mit Perrücken und Kinderscharen gesehen haben.
Hier hat die handy-Kamera versagt: auf diesem Pessach-Jahrmarkt sind nur orthodoxe Juden zu sehen.


Gleich nebenan hat sich in Brooklyn die coolere Künstler- und Alternativszene niedergelassen. Aber auch hier ist sie schon so hip geworden, dass die Mieten das Manhatten-Niveau anstreben und die weniger wohlhabenden weiter ziehen lassen.


Die schwule Szene hat mir diesmal auch richtig Spaß gemacht, vielleicht auch weil sie insbesondere im Vergleich zu den Washingtoner Kneipen viel bunter, lebendíger und von interessanter aussehenden Menschen bevölkert ist. (Also von Berlin aus lieber erst nach Washinton kommen...)

Die Rückkehr nach DC war dann ein bischen so, wie wenn ich von Berlin nach Bremen (die Bremer mögen es mir verzeihen) komme: viel niedrigere Häuser, weniger Leute auf der Straße und viel ruhiger. Zum Ankommen in den USA aber sicher die bessere und einfacherere Stadt. Und New York ist ja nicht weit...

Friday, April 6, 2007

Der Anfang...

...ist gar nicht so einfach, denn ich muss erst meine blog(ck)ade überwinden. Aber vielleicht hilft mir das, die Welt der blogs zu verstehen. Bisher kann ich nicht nachvollziehen, wer diese tausende blogs schreibt, noch weniger, wer sie alle liest...

Dies ist der Blick aus meinem Fenster auf eine der wenigen Straßen, die einen Namen haben. Das Fenster hat aber auch zwei Probleme: Nachdem wir schon hochsommerliche Temperaturen von fast 30°C hatten, kam jetzt noch einmal eine Kältewelle mit Frost und Schnee. Und diese hübschen Fenster lassen leider viel kalte Luft durch ihre großen Ritzen. Die andere Frage: wie putzt man solche Fenster, die man beim Öffnen gegeneinander schiebt, von außen?


Mir wurde gesagt, Fotos seien gut im Blog. Hier also für diejenigen, die sie noch nicht gesehen haben, das Haus in dem wir wohnen und die Zimmer, in denen ich mich (z.Zt.) hauptsächlich aufhalte:

wir wohnen ober rechts




Wie man die Fotos nebeneinander anordnet oder daneben schreibt habe ich leider noch nicht rausbekommen...