Friday, July 20, 2007

screen on the green

und damit es auch noch was zum Anschauen gibt, hier noch ein aktueller Bericht zu den Freilichtkinos.

Ich hatte Anfangs beklagt, dass es diese hier nicht gibt, natürlich etwas verwöhnt aus Berlin, wo man jeden abend zwischen fünf oder mehr Kinos wählen kann, in denen man in Liegestühlen liegend die Filme aus dem letzten Jahr sehen kann, die man im Kino verpasst hat.

Aber auch hier haben wir im Sommer nun viele Möglichkeiten im freien Filme zu sehen, allerdings meist ältere Filme, was für meine Filmallgemeinbildung teilweise ganz hilfreich war und ist. Und das fast immer bei freiem Eintritt. Und nicht immer unter Alkoholverbot.

Dokumentation eines Neil Young-Konzertes in der neuen, "privaten" Fußgängerzone im Vortort Silver Spring


Hier läuft eine wöchentliche Reihe von Western mit Clint Eastwood. Wir freuen uns schon auf die James Bond Reihe im nächsten Jahr...


Bevor hier Casablanca auf einem klapprigen Filmvorführgerät wie man es aus der Schulzeit kennt gezeigt wurde, durfte die Bauchtanzgruppe des "gehobenen" Vororts in Virginia noch auftreten


Hier lief Woody Allen's "Annie Hall", der 4 Oscars bekommen hat:

wie günstig, dass der Eistee die Farbe eines anderen Getränkes hat...


Und dies mit Abstand die schönste Filmvorführung, organisiert von der Filmgruppe des schwul-lesbischen Filmfestivals in einem traumhaften Park: Bettgeflüster

mit entsprechendem Rahmenprogramm

ITS

Die lange Pause in meinem Blog ist unter anderem dadurch entstanden, dass mich das Holocaust-Museum gebeten hatte, möglichst in Vollzeit an der Übersetzung des 20.000 Titel umfassenden Katalogs des International Tracing Service (ITS) aus Bad Arlosen zu arbeiten. Gestern abend nun habe ich den letzten Titel übersetzt und freue mich auf ruhigere Tage, an die ich mich ja schon so gewöhnt hatte.

Es war eine sehr interessante Erfahrung einen Einblick in diese umfassendste Sammlung von Dokumenten über die Verfolgung und Ermordung von 17 Millionen Menschen zu erhalten. Da die Aufgabe des schon 1943 begonnen Suchdienstes des Roten Kreuzes ist und war, Auskunft über den Verbleib der Opfer des Nationalsozialismus, aber z.B. auch über mögliche Rentenansprücke zu geben, wurde versucht, alle nur möglichen Listen und Dokumente zu erhalten, was auch sehr umfassend gelungen ist. Neben Belegungslisten der KZs, Listen über Zwangsarbeiter gibt es auch viele Listen aus DP(displaced persons)-Lagern, in denen die Holocaustüberlebenden bis in die 50er-Jahre auf ihre Ausreise in eine neue Heimat warteten mussten. Aber auch viele Unterlagen von Meldeämtern aus der zweiten Hälfte der 40er-Jahre, mit denen versucht wurde, den Aufenthalt von Ausländern und deren Rückführung nach 45 nachzuvollziehen. Oder Gräberlisten, die die Heinrich Böll-Stiftung in den 90er Jahren zusammengestellt hat, um das Schicksal einzelner Opfer nachzuvollziehen. Beeindruckend, dass bis in die 90er-Jahre neue Daten hinzukamen, insbesondere aus osteuropäischen Archiven, die bis dahin nicht zugänglich waren.
Für mich ein hochinteressanter Überblick sowohl über das umfassende Verfolgungs- und Vernichtungssystem (z.B. unzählige mir bekannte aber auch unbekannte Orte, in denen Zwangsarbeiter beschäftigt waren), aber auch über die bis heute andauernde Suche nach Informationen über das Schicksal von Angehörigen.

Das Holocaust-Museum hat seit zehn Jahren für die Freigabe dieser Daten gekämpft, die bisher nur für formalisierte Suchanfragen, nicht aber für historische Forschung oder das eigene Nachvollziehen von Schicksalswegen zugänglich waren. Nun ist eine Freigabe in Sicht. Bisher gibt es nur den o.g. Katalog, Ende des Jahres sollen dann alle Unterlagen übergeben werden. Neben Fragen zur digitalen Verwertbarkeit der Daten (nur 5% sind maschinenlesbar) gibt es viele Diskussionen um den Datenschutz, der hier wesentlich lockerer ist als in Deutschland, dessen Einhaltung aber mit zur Freigabe der Daten gehört. Von Opfergruppen der noch ca. 120.000 im hohen Alter in den USA lebenden Holocaustüberlebenden wird Druck auf das Museum ausgeübt, die Daten umgehend freizugeben, weil die Zeit verständlicherweise davon läuft. Auch wenn viele Daten bereits bekannt sind, geht man davon aus, dass es auch viele neue Informationen über das Schicksal von Opfern geben wird, insbesondere auch aus der Zeit nach 45.

Das Holocaust-Mueseum bereitet sich aber bereits strukturell auf einen großen Anstrum von Anfragen vor. Dafür stehen allerdings (zum Glück/leider) viele Freiwillige zur Verfügung, so dass meine Hoffnung, einen richtigen Arbeitsplatz zu bekommen, gering sind...