Thursday, December 18, 2008

Bis bald

Wie immer gäbe es viel mehr zu berichten, als meine Zeit und Energie es erlauben. Zum Beispiel über die sich intensivierende Wirtschaftskrise, aber auch über die Facebookkultur, der ich mich nicht mehr entziehen kann. Aber da ich morgen abend nach der Arbeit ins Flugzeug steige, wird das Erzählen mit den meisten hoffentlich bald mündlich sein. Deshlab hier nur noch ein paar Bilder zu meinen üblichen Themen.
Meine Lieblingsbeschäftigung abends nach der Arbeit: Shoppen in der Pentagon-City Mall um alle Wünsche aus Deutschland erfüllen zu können.

Das überall (auch multikuturell) hell erleuchtete Washington

Die Abschaffung der so hübschen, altmodischen Transfertickets (ich unterstütze die Abschaffung trotz großer Proteste in den Leserbriefspalten)

Hier nun doch Wirtschaftskrise: Den Double-Cheesburger gibt es neuerdings nicht mehr als Dollarmenue. Bestes Beispiel aber für den Ökonomieunterricht: Es gibt ihn auch weiterhin für $1, wenn man ihn als McDouble bestellt, wer's nicht merkt, muss eben mehr zahlen (wie heisst dieses kapitalistische Phänomen doch gleich?)

Während die meisten Teile der USA im Schnee- und Eischoas versinken (man muss dazu sagen, dass dasgrößte Chaos dadurch entsteht, dass die USA fast sämtliche Stromleitungen über der Erde haben, so dass jeder kleine Wettereinbruch gleich dramatische Folgen hat), saßen wir am Montag abend bei fast 20 Grad draußen. Am Sonntag und Dienstag war es allerdings auch winterlich kalt. Von den vielen Fotos darf nur dieses gezeigt werden.

Und jetzt zum Lieblingsthema und auch zur Pause. Mein nächster Bericht wird wohl erst zur Amtseinführung geschrieben werden, denn ich komme nur zwei Tage vor ihr zurück nach DC.

Saturday, December 13, 2008

Advent in DC

Auch in Washinghton gibt es bei Safeway die üblichen Schokoladenadventskalender, aber die besten kommen doch Deutschland.

Und der Inhalt hat mich so angeregt, dass ich seit Jahren endlich mal wieder gebacken habe, wobei das Motiv gar nicht so einfach war.

Obwohl auch hier alles seit Wochen weihnachtlich geschmückt ist, gibt es komischerweise in den Supermärkten kein Weihnachtsgebäck, Lebkucken oder sonstige Weihnachtssüßigkeiten.
Zum Shoppen muss man natürlich in die Malls der Vororte fahren, immer wieder interessante Erfahrungen, in welch hässlichen Gegenden die meisten Amis wohnen. Vom berühmten Spielzeugladen "Toys r us" waren wir dann aber sehr enttäuscht, zwar Masse, aber keine Qualität.

Großes Thema ist hier natürlich auch der mangelhafte Konsum im Weihnachtsgeschäft, wie gut, dass es da noch andere Anlässe gibt, für die man sich vorbereiten muss.

Und im Gegensatz zu sonstigen Wahlkämpfen, bei denen nach der Wahl die Werbeprodukte der Kandidaten nicht mehr verkauft werden können, hat diesmal die Produktion nach dem historischen Wahlsieg erst richtig angefangen. Aber ob jemand McCain/Pailin (wenn auch) vergünstigt noch kaufen will oder ob das nur der Beruhigung der republikanisch orientierten Touristen vom Land dient?

Sonst ist das Weihnachtsprogramm hier aber wie in Deutschland, überall finden Weihnachsfeiern statt und die Musikgruppen machen ihre Weihnachsaufführungen, die hauptsächlich von Freunden und Verwandten besucht werden. So waren wir letzte Woche schon bei einer (etwas komischen) Tanzaufführung und werden morgen das Weihnachtsoratorium hören, gesungen vom Chor der deutschen Schule, der von einem (plötzlich auftauchenden) Verwandten dirigiert wird.
Und dann kommt hoffentlich bald tatsächlich Change und es wäre ja schön, wenn er auch in diesem Bereich kommt.

Saturday, December 6, 2008

Transition und Inauguration

Genauso perfekt wie Obama seine Wahlkampange durchgeführt hat, hat er auch seine sogenannte "transition" bis zur Amtseinführung am 20. Januar in Angriff genommen und hat mit seinen bisherigen Nominierungen bis weit in konservative Kreise hinein nur positive Kritik bekommen. Einer der Höhepunkte davon war sicherlich die Nominierung Hillary's, die viele Erinnerungen an den Wahlkampf weckte (und nochmal zeigte, dass es beim Wahlkampf um Kampf ging und nicht um Politik).

Ich finde eine schöne Lösung für Hillary, auch wenn es die letzte Station ihrer politischen Karriere bedeutet. Sie hat sich wohl dafür entschieden, weil sie im streng nach Senioritätsprinzip organisierten Senat erst nach vielen Jahren Hoffnung auf einen bedeutenden Posten gehabt hätte. Und eine weitere Präsidentschaftskandidatur ist nun wohl ausgeschlossen.
Seinem Wahlversprechen alle AmerikanerInnen einzubinden treu ist Obamas(bisheriges) Team sehr in der politischen Mitte angesiedelte, was mich immer wieder betonen lässt, dass von Obama keine links-liberale Politik zu erwarten ist. Aber vielleicht bringt sein effektiver Arbeitsstil wenigsten die Lösung für lange vernachlässigte Probleme. Und auch ein anderes Versprechen versucht er einzulösen: In den nächsten Wochen werden alle BürgerInnen eingeladen, eigene Vorstellungen einzubringen. Ich bin gespannt, wie das funktionieren wird.

Interessant ist aber finde ich, dass die Postenvergabe bisher tatsächlich viele Bevölkerungsgruppen stärker berücksichtigt, als das in der Vergangenheit der Fall war: 46% Frauen, 18% Schwarze (Anteil in der Bevölkerungen 14%)... Wir nun gar eine offene Lesbe Erziehungsministerin?
Neben der Diskussion um die politischen Nominierungen und die Auswahl des Hundes, den die Obamakinder Sascha und Malia als Wahlgeschenk bekommen werden, ist die Inaugurationsfeier am 20. Januar das große Thema, insbesondere natürlich hier in Washington.

Mit alle historischen Rekorde brechenden erwarteten Teilnehmerzahlen zwischen ein und fünf Millionen, sind hier natürliche viele Vorbereitungen zu treffen. Wir überlegen noch, ob wir unsere Wohnung für diese Woche vermieten sollen und bei Freunden unterkommen können, denn die Preise pro Nacht liegen derzeit bei $500. Auch wegen des zu erwartenden Verkehrchoas wird unser Büro am 20. Januar wohl geschlossen bleiben, so dass ich den historischen Tag richtig miterleben kann. Und um richtig feiern zu können ist für diese Januarwoche sogar die Sperrstunde in den Kneipen aufgehoben. Wenn das nicht mal historisch ist, wo sich gerade gestern der Tag der Aufhebung der Prohibition zum 75. mal jährte.

Thursday, November 27, 2008

Oh, wie schön ist Panama

Wie der kleine Bär und der kleine Tiger sind wir wieder zufrieden zu Hause (und vor dem nächsten Urlaub werde ich mich im Blog abmelden!). Wir waren zwar nicht auf der Suche nach dem Land unserer Träume, sondern haben den günstigsten Flug in ein warmes Land genommen, um uns vom Wahl(kampf)stress zu erholen. Aber wir waren mehr als zufrieden, denn Panama ist mehr als der Kanal, der für das Land aber natürlich eine herausragende (vor allem wirtschaftliche) Bedeutung hat und bis 2014 auch noch weiter ausgebaut werden soll, um dem zunehmenden internationalen Verkehr mit immer größeren Schiffen gerecht zu werden.

Und für den ersten Urlaub seit zwei Jahre außerhalb der USA hätte das Land nicht besser gewählt sein können, war (und ist) seine Geschichte doch eng mit der der Vereinigten Staaten verbunden. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts fuhren viele (US-) Amerikaner von der Ostküste der USA nach Panama, überquerten dort den Isthmus (80 km) und fuhren auf der Pazifikseite mit dem Schiff an die Westküste, weil es noch keine transamerikanische Eisenbahn gab. Die erste war die 1855 fertiggestellte Panama Railway, die auch heute wieder einer US-amerikanischen Eisenbahngesellschaft gehört. Der berühmte Kanal wurde erst 1914 von den US-Amerikanern fertig gestellt (größtes Bauwerk der Weltgeschichte) und die Zone um ihn herum gehörte bis zum 31.12.1999 auch noch den USA. In ihr wurde John McCain geboren, dessen Vater dort als Soldat stationiert war.
Das direkt an die Kanalzone angrenzende Panama-City profitiert nicht nur vom intensiven Handel und den Service-Leistungen rund um den Kanal, sondern ist auch das wichtigste Finanzzentrum Lateinamerikas und sieht deshalb anders aus, als wir es erwartet hätten.

Aber glücklicherweise gibt es auch eine kleine, koloniale Altstadt, die zwar sehr heruntergekommen ist, dadurch aber einen besonderen Charme hat und uns vermuten lies, dass es in Havanna ähnlich aussehen könnte.

Wir waren allerdings froh, viele Polizisten auf den Straßen zu sehen, denn die Kriminalitätsrate muss in Panama-City sehr hoch sein, was sicherlich auch mit der Armut des größten Teils der Bevölkerung zusammenhängt. Panama ist einer der Welt-Spitzenreiter was soziale Ungleichheit angeht. Und so sind die touristischen Gegenden (im Gegensatz zum Nachbarland Costa-Rica fängt der Tourismus in Panama erfreulicherweise erst langsam an) eher in den Strand- und Inselregionen der Karribik und Pazifikküste, die wir mit dem super funktionierenden Kleinbussystem erreichen konnten. Ein immer interessanter Einblick in die Gesellschaft (viele Schüler, einmal ein Hahn neben mir...)

Und dann unglaublich schöne Strände und nette kleine Orte mit sehr schöner und entspannter Strandatmosphäre (wobei ich die karribische Entspanntheit beim Service manchmal doch etwas zu lagsam fand...)

Bisher konnte ich die Begeisterung fürs Schnorcheln nicht nachvollziehen, aber nach diesem Urlaub kann ich dies nun nachvollziehen. Neben unsähligen Fischen in den tollsten Farben haben wir vor allem unglaublich tolle Korallen gesehen, sowohl von den Formen als auch von den Farben teiweise fast künstlich aussehend (leider hatten wir keine Unterwasserkaméra). Dramatisch leider aber auch hier die Folgen der Erwärmung und Verschmutzung der Meere.

Aber auch die anderen Tiere haben uns sehr beeindruckt. Die Whale und Delphine, die wir im Sommer in Alaska gesehen haben, waren nun hier, wir haben sogar eine Wasserschildkröte gesehen, besonders toll aber waren die Einsiedlerkrebse.

Neben den Bilderbuchsstränden waren auch die Berge mit Regenwald ein Highlight der Reise. Den 3500 m hohen Vulkan Baru haben wir leider nicht bestiegen, dafür aber einen tollen Höhenweg (fast wie beim GTA) mit Gepäck von einem Tal ins nächste gemacht.

Wir hatten ja schon Regenwald an der US-Westküste erlebt, aber hier in den Tropen war er nun noch viel üppiger und auch wenn wir die vielen bunten Vögel, die es dort gibt, nicht gesehen haben, so war es doch unglaublich, so viele, große, grüne un bunte Pflanzen zu sehen.

Aber der dafür notwendige Regen hat auch seinen Preis: An vielen Tagen war es so wie angekündigt, dass es nur einmal kürzer, dafür aber sehr intensiv geregnet hat. An vielen anderen Tagen hat es aber über Stunden, fast etwas beunruhigend viel geregnet. Aber mit Schirm ausgerüstet war das zu ertreagen, zumal es weiterhin warm ist und irgendwann die Sonne weider rauskommt.

Wir sind ja einiges an Luftfeuchtigkeit aus DC gewöhnt, aber kein Vergleich mit den Tropen. Unsere Klamotten waren immer feucht und klebrig, auch wenn gerade frisch gewaschen und trockneten erst hier wieder. Und ich habe noch nie so viel Wäsche auf den Leinen gesehen, wie in Panama.

Auch wenn nur noch 6% der Panamesen Ureinwohner sind, haben einige Stämme es geschafft, autonome Regionen einzurichten, in denen sie teilweise noch sehr urspünglich leben. Auch wenn wir nicht in die ganz entlegenen Regionen gefahren sind, haben wir doch an vielen Stellen Indianer in sehr traditionellem Lebensstil gesehen.

Gleichzeitig sind sie auch stark mit der modernen Welt konfrontiert. Als Erwerbsmöglichkeit sicher positiv, werden sie auf den Bananen- und Kaffeplantagen ausgebeutet und der Kaffee, den wir mitgebracht haben ist eindeutig nicht fair gehandelt.

Ein anderes Problem, das man an vielen Stellen in seinem Ausmaß nur erahnen kann, ist die weiter fortschreitende Abholzung der Regenwälder. Zunächst noch als Gemüseanbauflächen nutzbar, sieht man an vielen Stellen nur noch Rinder weiden.


Um wieder auf das Verhältnis Panama-USA zurück zu kommen: Nicht nur die Währung in Panama ist der Dollar, sondern die USA haben ihren Einfluss auf Panama immer mehr oder weniger direkt ausgeübt. Der letzte große Eingriff war 1989 der Sturtz Noriegas, eines der vielen panamesischen Diktatoren. Beim militärischen Angriff auf Panama-City und andere Teile des Landes wurden nicht nur viele Gebäude zertsört, sondern auch über 2000 Zivilisten getötet. (In den Ruinen, wie in der gesamten Altstadt Panama-Citys wurde der neuste James Bond gedreht)

Aber die aktuellste Invasion von US-Amerikanern sind die Retirement-Siedlungen, die um Panama-City herum, an den Küsten und vor allem in den Bergen entstehen und die durch viele steuerliche Vergünstigungen gefördert werden. Und so wirkt Panama an manchen Stellen wie Miami.