Manche Dinge sind im Deutschland-USA Vergleich ja schwer zu verstehen. Während es Klamotten hier zu unglaublich günstigen Preisen gibt, sind Lebensmittel wesentlich teurer. Bei unserem Deutschlandaufenthalt waren wir beim Einkaufen jedesmal völlig überrascht, wie billig es ist. In den USA hingegen muss man schon froh sein, in der Innenstadt überhaupt einen Supermarkt zu finden und etwas günstiger einkaufen kann man dort nur, wenn man vorher fleißig (Super-) Coupons aus der Zeitung ausgeschnitten hat. Haben wir Anfangs noch über die Leute an der Kasse gelästert, die aufwendig ihre Gutscheine durchsuchen, machen wir das inzwischen selbst. Aber heute sind wir noch einen Schritt weitergegangen: In der Wirtschaftskrise ist WalMart eines der wenigen Unternehmen, das(zudem kräftige) Gewinne verzeichnen kann. Und wir haben herausgefunden, dass es in einem (eher ärmeren, Schwarzen/Latino)Vorort Washingtons inzwischen auch einen Aldi gibt.
Und da fühlten wir uns sowohl optisch als auch was die Preise angeht gleich zu Hause.
Die Produkte hingegen waren sowohl von den Marken als auch von ihrer Art eher amerikanisch, leider keine gute deutsche Schokolade und leider auch nicht wie (leise) erhofft günstige Qualitätsweine, weil in den Supermärkten in den USA kein Alokohol verkauft werden darf bzw. eine Alokohlizenz schwerer zu bekommen ist. Dann gab es aber zum Glück doch noch ein paar vertraute Produkte.
Dass Brot aus Deutschland etwas besonderes ist, war uns bewusst, auch wenn wir als Süddeutsche eher an anderen Brotsorten interessiert waren. Dass der Kaffe als guter deutscher angepriesen wurde überraschte allerdings, ich vergaß leider zu prüfen, ob es sich vielleicht um eine der deutschen Marken mit gutem Namen handelt.
Zwei Gründe, warum Aldi auch in den USA Waren günstiger anbieten kann als andere, konnten wir dann aber schnell erkennen. Während einem in den normalen US-Supermärkten alles in Tüten eingepackt wird, was immer ewig dauert, und man sich die Tüten auch zum Auto tragen lassen kann, gab es hier nicht die üblichen Schlangen an den Kassen. Und auch die Arbeitsplätze der Einkaufswageneinsammler auf den Parkplätzen spart sicht Aldi.
Um mit gutem Gewissen von unserem Autoausflug zurück zu kommen, haben wir dann noch einen Abstecher in den benachbarten Ort Greenbelt gemacht, einer Gartenstadtsiedlung die 1937 während der letzten großen Wirtschaftskrise im Rahmen des New Deals unter F.D. Roosevelt gabaut wurde.
Sehr nette 30er-Jahre Architektur, ein winziges engagiertes Museum und ein in den USA so selten anzutreffenden Konzept einer grünen Stadt, in der man alles zu Fuß oder mit dem Fahrrad erledigen kann und schon damals an Unterführungen für Fahrradfahren gedacht hat. (Heute wird allerdings auch dort hauptsächlich Auto gefahren)
Das nette Ortszentrum hat heute schwer gegen die Shopping Malls mit ihren Mgeakinos anzukämpfen, aber anscheinend gibt es noch Leute, die versuchen den kooperativen Gedanken aufrecht zu erhalten und im letzten Jahr hat das historische Kino ein "Utopia"-Filmfest veranstaltet mit Filmen über idealistsche Siedlungs- und Wohnprojekte.
Und bei aller Kritik, die staatliche Eingriffe in die Wirtschaft auch jetzt wieder erfahren, scheint diese Geschichte hier prositiv gesehen zu werden.
Mögen Obamas Investitionen ähnliche langanhaltende Witkung haben...