Wednesday, January 20, 2010

Amerikanische Realität

Meine ersten zwei Jahre in den USA waren zwar noch von Bush, Irak-Krieg & Co. geprägt, aber die Hoffnung auf einen Wahlsieg der Demokraten und der nach zwischenzeitlichen Zitterpartien tatsächliche Wahlsieg Obamas haben das Gefühl zu diesem Land doch sehr positiv beeinflusst. Und Obama als vertrauensvollen Präsidenten zu sehen ist bei allem Frust auch weiterhin eine große Veränderung.

Dass die Umsetzung von Veränderungen schwierig sein würde, war vorher schon klar. Wie frustrierend das politische System der USA ist und welch furchtbare Vorstellungen ein Großteil der Bürger hat, war mir aber in dem im vergangenen Jahr erlebten Ausmaß vorher nicht klar. Ein weiterer Höhepunkt dieser zunehmenden Frustration über das System und die Leute war der gestrige Wahlausgang in Massachusetts. Aus Ungeduld und Frust haben die sonst links wählenden Neuengländer mal eben mit großer Mehrheit den konservativen Kandidaten gewählt. Einer der wichtigen Punkte seiner gestrigen Siegerrede (natürlich live verfolgt) war, dass seine Töchter noch zu haben sind und eine ja schon von American Idol (America sucht den Superstar) bekannt sei, wo sie Semi-Finalistin war. Das passt gut zu seinem Foto in der Cosmopolitan...

Aber wahrscheinlich muss auch Obama in seinem zweiten Jahr mehr in der amerikansichen Realität ankommen. Der große Change wird wahrscheinlich nicht in den längst überfälligen "linken" Reformen erfolgen können, sondern tatsächlich mehr darin, Kompromisse in der Mitte der Gesellschaft zu finden. Ein großes Thema in seinem Wahlkampf war, die Art wie Politik in Washington gemacht wird zu verändern und das Land zusammenzubringen. Da gibts natürlich auch viel zu tun und vielleicht gibts ja nebenbei noch ein paar andere gute Veränderungen.

Monday, January 18, 2010

heydi

Das Erdbeben in Haiti (das auf Amerikanisch heydi ausgesprochen wird) ist ja schlimm, aber für die amerikanischen Medien natürlich auch ein gefundenes Fressen. Sofort wurden alle Chef-NachrichtensprecherInnen, also die Tom Buhrows und Marietta Slomkas des US-Fernsehens nach Haiti geflogen und berichten seit Tagen mit einer unglaublichen persönlichen Betroffenheit direkt vor Ort.

Das überschreitet manchmal schon die Grenze des Erträglichen und man kann nur hoffen, dass die unzähligen Reporter nicht echten Hilfskräften die wenigen Reisemöglichkeiten weggenommen haben.
Außerdem ist interessant, mit welcher Selbstverständlichkeit bzw. Stolz die alles beherrschende Rolle der USA bei den Rettungsaktionen gesehen wird, die Präsidenten natürlich als die Retter an erster Stelle. Da darf sogar der junge (alt gewordene) W. Bush von seiner Katastrophen-Erfahrungen (Kathrina...) berichten.

Schnell wird das Erdbeben auch als Chance gesehen, Haiti nun richtig aufbauen zu können, ohne Haitis Entwicklung und Abhängigkeit von den USA etwas kritisch zu betrachten. "We will rebuild stronger then ever before" - Das kennt man noch von 9/11.

Friday, January 15, 2010

Deutschland III

Die meist erzählte Geschichte meiner diesjährigen Deutschlandreise spielte sich ja noch in Washington ab, hier nun ein paar Bilder dazu.
Während der 7 Std. im still stehenden Flugzeug wurde fließig Schnee geräumt und Ameisensäure zur Enteisung verteilt.

Aber danach gings auch nicht besser weiter. Eine von vielen Schlangen und dann ein gemütliches Zimmer mit kaputter Heizung.

Mein Versuch, einen Spaziergang zu machen, war nicht so erfolgreich. Man sieht übrigens auch jetzt 4 Wochen später immer noch Schneeberge in der Stadt, obwohl es seither nicht mehr geschneit hat und auch wärmer war. Leider konnte ich nicht zu meinen in den USA bisher noch nicht benutzen Langlaufski in DC Downtown.

Die mehrmaligen Shuttle-Fahrten zum Flughafen waren jedes Mal ein Abenteuer.

Das häufige und ausführliche Schlange stehen hatte auch Vorteile: Ich habe ganze Bücher gelesen und fühlte mich wohl in meiner "Gruppenreise". Und es wurde in der zweiten Nacht mit einer eigenen Suite belohnt.

In der Shopping Mall fühlte ich mich eher wie in Osteuropa. Und dass Läden schließen gibt es in den USA sonst nur an zwei Tagen im Jahr (Thanksgiving und am 1. Weihnachtstag).

Gutes Krisenmanagement unseres Kapitäns hat sicher so einige von größeren Protesten abgehalten und so kam ich dann doch irgendwann im Ländle an (immerhin mit der Hälfte meines Gepäcks).

Wie gut, dass man in Deutschland Bahn fährt (auf mehrfachen Wunsch werde ich versuchen, mehr Bahnbilder unterzubringen), auch wenn meine früh gebuchten Spartickets zeitlich nicht alle einzuhalten waren. Aber so konnte es gleich nach Bremen und Leer weitergehen, wo anders als sonst viel mehr Schnee als in Süddeutschland lag.

Schade, dass die amerikansichen Freunde diesen schönen Weihnachtsmarkt nicht erleben konnten... Dann gings aber auch schon wieder zurück in den Süden.

Ein Vorteil der Spartickets: Man fährt auch wieder die alten, langsamen Strecken und hat Zeit für den Speisewagen.

Familien-Weihnachten ohne Musizieren geht natürlich nicht. Leider hat mich niemand beim ersten Flötespielen seit 30 Jahren fotografiert.

Die traditionellen Fotos von der "Oberausstraße" und die Begeisterung vom immer noch wachsenden Karlsruher Streckennetz (Hier überholt in Bretten Hbf der Eilzug nach Heilbronn während auf den Gegenzug aus Bretten-Gölshausen gewartet werden muss)

Vor dem Fussballspiel wollten die Neffen unbedingt in die Mannschaft der Onkels.

Aber während des Spiels wurden wir dann verlassen und fühlten uns eher wieder wie im Schul-Sportunterricht.

Bei der Feuerzangenbowle habe ich leider keinen Refill bekommen.

Vom Nürtinger Bahnhof war ich ziemlich begeistert.

Im Ländle nichts von Abschied von der Schiene: Die S-Bahn fährt seit Dezember bis Kirchheim(Teck)!

Wer kann die Zugspitze auf dem nächsten Foto erkennen (immerhin aus dem Zug heraus mit handy aufgenommen, der Blick war also super)?

Gut, wenn die Neffen und Nichten sich schon dafür interessieren, ob wir wohl mit einer neuen U-Bahn fahren werden. (Leider war's ne alte.)

Toll was es in Amerika für Tiere gibt! Aber die große Attraktion war das frisch geborene Elefantenbaby, das so viel kleiner war als erwartet.

Zurück in Karlsruhe große Straßenbahntunnel-Diskussion.

Die Heimatstadt hat ja auch einige wichtige Orte zu bieten.

Nur komisch, dass wir zur Einkehr dann bei Subway landeten und ich mich auch vom Publikum her zu Hause fühlte.

Hier musste man früher in den Bus umsteigen, um ins badische Grötzingen zu kommen, das fast mit dem würtembergischen mithalten kann.

Das Silvester-Lichtermeer über der Rheinebene war wirklich beeindruckend.

Auch in Westdeutschland gibt's Bahnhöfe, auf denen man sich wie im Osten oder der USA vorkommt.

Haus- und Gartenbesichtigung mit tollen Spielsachen der Kinder.

Schon fast fertig, die neue Wohnkultur. Und ein Besuch des Kölner Ground Zero durfte auch nicht fehlen.

Auch aus Berlin gibt es Bahnbilder: Die neue Tram M10 zum Nordbahnhof und natürlich die KanzlerIn-U-Bahn. Das Geld für diese schicke U-Bahn wäre an anderen Stellen wesentlich besser eingesetzt. Ganz zu schweigen von den S-Bahnproblem: Langes Warten und überfüllte Bahnen auch im neuen Jahr.

Die (vorläufige?) Endstation musste extra umbenannt werden aber ich muss zugeben, dass der Ausstieg am Barndenburger Tor doch gelungen ist.

Ganz neue Perspektiven wo früher der Palast der Republik stand, er scheint aber schon vermisst zu werden.

Mal wieder am Prenzlauer Berg zu wohnen war auch eine gute und interessante Abwechslung. Die Kinderwagen erinnerten allerdings eher an das jüdisch-orthodoxe Brooklyn.

Aber auch im (gentrifizierten?) Graefekiez scheint alles in Ordnung zu sein.

Neben vielen netten Treffen mit taz'lern konnte ich nun auch endlich das bekannte Kunstwerk betrachten, über das es so unterschiedliche Meinungen gibt. Sehr intressant, diese Diskussion zu erleben. Aber immerhin bringt es die Touristen vom Checkpoint Charly noch ein paar Schritte weiter zum taz-Gebäude.

Auch sonst gab's Kunst: Am Rande der Rio Reiser Ausstellung im Schwulen Museum und das neue Neue Museum, das neben tollen Ausstellungsstücken auch eine interessante Architektur zu bieten hat, über die es sich zu diskutieren lohnt.

Dann wieder zurück zu British Airways, die meinen Flug von Berlin als einzigen an diesem Tag in Tegel gestrichen hatten. Aber im Terminal 5 in Heathrow fühle ich mich schon ganz zu Hause. Diesmal sollte ich aber wirklich meinen Freiflug einfordern.

Und dann gab's tatsächlich schärfere Kontrollen für USA-Flüge: Vor dem Einsteigen wurden alle noch einmal kontrolliert und am ganzen Körper abgetastet (nur 3 Std. Verspätung...).

Was diesemal anders war beim Deutschlandbesuch: Das Ende der Washington Zeit spätestens Ende September 2011 hat die Rückkehr nach Deutschland und Berlin in eine ganz andere, nahe Perspektive gerückt.