Monday, June 11, 2007

Gay Pride

Wir waren schon vorgewarnt, dass der CSD in Washington nicht so toll wäre, so dass wir mit dem Umzug am Samstag doch ganz zufrieden waren. Er hat finde ich ganz schön einige gesellschaftlichen Unterschiede gezeigt, auch wenn er insgesamt vertraut ähnlich war. Die richtig großen Wagen und die laute Musik zum Mittanzen fehlten allerdings.

Der Umzug fing (nach dem obligatorischen Start durch die lesbischen Motorradfahrerinnen) mit einer Unzahl Politiker an, angeführt von unserem Bürgermeister (hellblaues Hemd und Galtze, lieber heterosexuell und gutaussehend als homosexuell und ...)

gefolgt von unzähligen Bezirkspolitikern, die auch für ihre kleinen Wahlkämpfe einen (auch finanziell) großen Aufwand betreiben müssen

Und als bisher einzige Präsidentschaftskandidatin auch Hillary, allerdings nur vertreten durch ein schlechtes Double

Die nächste große Gruppe war ein sehr langer Block lesbischer und schwuler Familien

Einen der größten Applause bekamen und die Vertreter der Eltern und Freunde lesbischer und schwuler Kinder. Familie geht hier über alles.

Doch dann kam der größte und nicht enden wollende Teil des Umzuges: Unzählige religöse Gruppen mit Bischöfen u.ä.

Und dann noch einige amerikanische Gruppen: Cowboys gab's hier auch schon vor Brokeback Mountain

Das (schwule)Fitnessstudio "Results" mit dem größten Wages des Umzugs

und die besonders netten Fahrradkuriere, bei denen wir aber davon ausgehen, dass sie nach alter (schwuler!) These "die attraktivsten Männer sind heterosexuell" nur aus Solidarität dabei waren.


Beim Straßenfest gab's dann noch ein paar typisch amerikansiche Gruppen. Ich glaube, dass es hier mehr Hunde als Kinder gibt und geliebt sind sie mindestens genauso, nicht nur bei den Homosexuellen

Abtreibung ist (auch gerade im Wahlkampf) eines der großen "sozialen" Themen:

Der rießige Immobilienmarkt muss sich natürlich auch intensiv um die kaufkräftige Klientel kümmern:

Und die gewinnsüchtigen Amis schrecken nicht davor zurück, sich in lange Schlangen zu stellen, um bei solchen Verlosungen einen Lolli zu gewinnen:

Aber auch solche netten Stände von den homosexuellen Gartenfreunden gab es:

Wir haben uns amüsiert, hier mit vom Bürgermeister zugeworfenen Kette und Alkoholkontrollstreifen am Arm

Aber dieses Schild hat uns ganz schön auch wieder den Weg nach Hause gezeigt.

Alkohol

Um Vermutungen entgegenzuwirken, ich würde hier nicht auf meine Kosten kommen, hier ein paar Zeilen zum Thema Alkohol, das hier wesentlich strenger gehandhabt wird als in Deutschland. Was ja prinzipiell nicht verkehrt sein muss, wenn man das große und unterdrücke gesellschaftliche Problem des Alkoholismus bedenk. Aber die Frage ist trotzdem, wie man zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol kommt.
Man muss natürlich auch nicht gleich diese These vertreten:

Alkohol auf der Straße zu trinken ist (bekantlich) verboten, man kennt die Geschichten von in andere Gefäße umgefüllte oder in braunen Tüten versteckten Getränken. Auch beim am Wochenende stattgefundenen CSD wurde vorher von den OrganiosatorInnen gewarnt, dass man festgenommen würde, wenn man gegen dieses Gesetz verstößt. So fehlten uns doch sehr die üblichen Sektflaschen und wir waren auch auf keiner Privatparty am Straßenrand geladen, die sich auf ihrem Privatgrundstück so zu helfen wußten:

Umso erstaunter waren wir, dass es dann abends in der hiesigen Hauptkneipe J.R.'s sogar Bier im Freien gab, allerdings musste man dazu erst durch eine Ausweiskontrolle:

Beim gestrigen Straßenfest war dies allerdings schon etwas komischer. Es gab nur zwei kleine eingezäunte Bereiche, in denen man Bier und "liquors" trinken durften, in denen der Alkohol aber so rationiert war, dass diese Käfige eigentlich nur aus Schlangen bestanden.

Und so richtig Stimmung wollte beim Kontakt zum Bühnenprogramm nur durch den Zaun auch nicht aufkommen.

Ein anderes Problem: Die Lizenzvergabe für Alkoholausschank ist sehr reglementiert. Bei dem heißen Wetter sind die Abende hier das Schönste, aber mein geliebtes draußen sitzen schwierig. Denn die netten Cafés mit Außenflächen haben keine Ausschanklizenzen und fast alle anderen Außensitzgelegenheiten sind Restaurants (wobei wir beim Thema Essen zu allen Tages- und Nachtzeiten wären...).

Und doch komme ich ausreichen zu meinem Lieblingsgetränk:

Wodka Cranberry, wenn auch nicht im aus dem Roses bekannten Mischungsverhältnis.

Mit den Alkoholgesetzen ist hier übrigens nicht zu Spaßen. Letzte Woche musste eine Frau aus Virginia für 27 Monate ins Gefängnis, weil sie an ihre minderjährigen Kinder Alkohol ausgegeben hatte. Die Hauptsorge ist allerdings, dass die Jugendlichen alkoholisiert Auto fahren, denn das darf man natürlich minderjährig und ohne Auto kann man hier ja auch nichts machen...