Irritierend allerdings, dass man sich seit Wochen bei jeder Verabschiedung Happy Holidays wünscht. Das mag aber vielleicht ein Hinweis darauf sein, dass die Feiertage der anderen Religionen hier mehr in der Öffentlichkeit auftauchen. So entzündet der Präsident nicht nur den National Christmas Tree sondern auch einen Chanukkah-Leuchter (hier der auf dem Marktplatz in Sans Francisco)
Und um Weihnachten und die Weihnachtszeit nicht von den Weißen dominieren zu lassen, wurde 1966 von und für die African Americans Kwanzaa eingeführt, ein Fest das in der letzten Dezemberwoche mit verschiedenen Aktionen an das Erbe der Schwarzen in den USA erinnert. Leider werde ich es verpassen, aber Briefmarken konnten man schon zu allen Festen kaufen.
Aber wie fast immer ist hier alles von Gegensätzen bestimmt. Bei den Festtagen scheint man sich etwas mehr um Multikulturalität zu bemühen, im Präsidentschaftswahlkampf sieht das schon wieder anders aus: Es wurde schon versucht, Barack Obama wegen seiner angeblichen muslimischen Vorfahren zu diskreditieren und Mike Huckubee, der Rising Star der Republikaner ist deshalb so erfolgreich, weil er ein konservativer Evangelikaler ist und sich ganz bewusst von seinem Hauptrivalen Mitt Romney und dessen Religion (er ist Mormone) abgrenzt.
Den Beginn der richtig heißen Phase der Vorwahlen am 3. Januar (in Iowa) werde ich leider verpassen, weil ich heute nachmittag für drei Wochen zu meinem ersten Deutschlandbesuch abfliege.
Aber so sehr ich Spaß am Verfolgen dieses Wahlkampfes habe, es wird mit der Zeit immer langweiliger, alles wiederholt sich und die politischen Fragen, die nie besonders im Mittelpunkt standen, treten noch weiter in die Bedeutungslosigkeit zurück zu Gunsten irgendwelcher persönlichen und tatktischen Fragen. Und das wird sicher noch schlimmer im neuen Jahr.
Ich verlasse mein zu Hause Washington mit einem sehr guten Gefühl, denn es liegen sehr ereignisreiche und schöne zehn Monate hinter mir, in denen ich unglaublich viel erlebt habe, ein halbes Jahr Auszeit geniesen konnte und jetzt durch mein Praktikum auch einen kleinen Einstieg ins Arbeitsleben habe. Zu diesem Wohlfühlen trägt nicht nur meine glückliche Beziehung sondern auch die vielen Kontakte mit den Freunden in Deutschland, die Anteilnahme an meinem Leben hier und die Versorgung mit guter Schokolade, taz-Produkten, Fishermen's friends usw. bei.
Vielen Dank und Happy Holidays!