Tuesday, June 30, 2009

40 Jahre Stonewall

Dieses Jahr gibt es ja einige 40ste Geburtstage zu feiern, einen ganz besonderen von diesen haben wir am Wochenende in New York bereits begangen.

Schon einen ganzen Monat lang gab es viele Veranstaltungen wie dieses Ausstellung in der berühmten New York City Libary, zu deren rießigen Archiv auch eine sehr nette und interessante Sammlung von Dokumenten der Homobewegung in den 60er und 70er Jahre zählt. Der Höhepunkt war aber natürlich die die große Gay Pride Parade vom Central Park über die 5th Avenue in die Christoper Street im (Greenwich) Village.

Besonders rührend natürlich die echten Veteranen, die auch damals schon dabei waren, sei's bei den Unruhen in und vor dem Stonewall In oder in einer der wichtigen Gruppen, die sich daraufhin gründeten und die Gesellschaft für uns so nachhaltig veränderten.

Ansonsten eine rießige Parade, die weniger durch große Wagen mit lauter Musik geprägt war, als vielmehr durch eine unglaubliche Vielzahl unterschiedlichster Gruppen.

Anfangs dachte ich, dass das Thema Gay Mariage, das die öffentliche Diskussion über Schwule und Lesben in den USA so dominiert, auch im Mittelpunkt dieser Parade stehen würde.

Aber erfreulicherweise gab es doch ein sehr breites Spektrum von Themen bis hin zu wirklich linken Gruppen und Forderungen.

Auch die Politiker konnten sich natürlcih die Chance nicht entgehen lassen, Stimmung zu machen. New Yorks Bürgermeister Mike Bloomberg, der versucht eine normalerweise nicht übliche dritte Amtszeit zu bekommen und Chuck Schumer, einer der wichtigeren Senatoren im US Senat.

Was ich am Anfang ziemlich nervig fand, stellte sich mit der Zeit als faszinierende logistische Leistung heraus: Um die Parade durch das gesamte Downtown Manhatten ziehen lassen zu können, fand sie quasi bei laufendem Verkehr statt. Sobald es eine kleine Lücke im Zug gabe, durften Autos, Busse und Fussgänger durchgehen.

Was aber auch den Effekt hatte, dass sich die Parade über acht Stunden hinzog und es teilweise auch nicht so einfach war, sich fortzubewegen.

Auch ohne Alokohl hatten wir ziemlich viel Spaß

Trotzdem konnten wir uns es nicht nehmen lassen, den vielen Vorbildern zu folgen und - ganz stolz - Getränke in den üblichen brown bags zu uns zu nehmen.

Die Freude bei uns dummen Deutschen mitten auf der Straße währte allerdings nicht lang. Schon nach kurzem kam ein Polizist, der denjenigen von uns ohne Ausweis festnehmen wollte und von uns anderen $25 Strafgebühr haben wollte. Vielleicht auch weil zwei sehr nette Amerikanerinnen sich bei ihm für uns einsetzen, lies er uns dann aber mit einer Verwarnung ziehen, die gewirkt hat. Etwas schockiert zogen wir dortin weiter, wo dem Alokohl keine Grenzen gesetzt waren.

Wednesday, June 24, 2009

Als Fahrrad- und Bahnfahrer im Autoland

Viele meiner Erfahrungen hier kann man wahrscheinlich auch in Deutschland machen. Als ich in der letzten Woche den Besuch vom Flughafen abholen wollte, streifte mich beim Ausparken ein schneller Wagen, der trotz eines lauten Knalls aber nicht anhalten wollte. Obwohl nichts zu sehen war, fühlte sich das Lenken komisch an und das Auto musste abgeschleppt werden.

Das (zunächst) sehr gute Call-Center der aus der Werbung so bekannten Versicherungsgesellschaft GEICO war sehr freundlich und bot mir entweder einen Reparaturtermin in einer nahe gelegen Werkstatt in einer Woche an oder einen am nächsten Tag, allerdings im armen, schwarzen und etwas gefährlichen Stadtteil Annacostia. Ich entschied mich für die schnelle Variante, was sich aber als unerträgliches Warten und vielfaches Telefonieren mit immer weniger hilfsbereiten Call-Centern herausstellte. Das einzige was ich erfuhr war, dass es möglicherweise ein Totalschaden sei. Irgendwann gab es dann auch Bilder im Internet vom Auto, ohne dass sich weiter etwas getan hätte.

Ich könnte noch viele Details erzählen, aber nach zwei Wochen konnte ich endlich das Auto wieder abholen nur komischerweise hatte sich mein Eigenanteil von $200 auf $500 erhöht, weil die Versicherung einfach meinen Unfallbericht geändert hatte: Angeblich hatte auf einmal ein Fahrrad den Unfall verursacht. Zum Beweis gab es neue Fotos im Internet, auf denen ich endlich die Nagellackfarbe meiner Betreuerin Stacy und ihre Essgewohnheiten erkennen konnte.

Nun kam also der interessanteste Teil, endlich einmal wieder in den Schwarzen-Stadtteil zu fahren, von dem einem sonst abgeraten wird.

An manchen Ecken etwas unheimlich, aber die Atmosphäre bei Murphy's Autoshop war dann sehr nett, besonders als ich die ganzen Kunden mit Obama T-Shirts sah, die ich leider nicht fotografieren konnte.

Und nachdem ich der Versicherung den Polizeibericht gefaxt habe, schicken sie mir jetzt angeblich auch einen Scheck. Aber die Vorstellung, dass die USA ein tolles Service-Land sei, ist damit noch einmal wiederlegt worden.
Noch unangenehmer war aber die Erfahrung, wie eingeschränkt man in diesem Land ohne Auto ist. Eigentlich hatten wir mit dem Besuch Ausflüge ins Umland vor, die so nicht möglich waren. Nicht einmal ein Konzertbesuch in einem Vorort, der nicht an der Metro liegt, war möglich. Ganz zu Schweigen von unseren vielen Urlaubsfahrten, die ohne Auto so nicht möglich wären.
So ging ich zum Trost zu einer Veranstaltung zur Förderung des Fahrradfahrens in den USA. Diese fand allerdings im Goethe-Institut statt, zwar auch mit amerikanischen, aber recht wenigen TeilnehmerInnen.

Monday, June 22, 2009

Mir ist nichts passiert


Während es der Unfall bei der Washingtoner Metro schon auf Spiegel-Online geschafft hat, sind wir hier von nationalen und internationalen Nachrichten abgeschnitten: Alle Sender bringen nur noch Berichte über den Unfall, natürlich ohne neue Informationen zu haben. Mir ist aber nichts passiert. Abgesehen davon, dass meine Arbeitsstelle auf der anderen Seite der Stadt liegt, habe ich diese Woche frei. Und zum Documentary Film-Festival im American Film Institute in Silver Spring, das an der betroffenen Strecke liegt, bin ich trotz ursprünglicher Planung nicht gefahren.

Sunday, June 14, 2009

Capital Pride

Ein sehr nettes CSD Wochenende liegt hinter uns. Angefangen mit der schon traditionellen Filmvorführung im traumhaften Park der Cornflakes Erbin, bei der das Wetter dieses Mal endlich wieder mitgespielt hat.

Damm kam die gute Lage unserer Wohnung so richtig zum Einsatz und wir konnten den Nachmittag über die Vorbereitungen des Umzugs verfolgen.

So bekamen wir auch durch Zufall eine alternative Queer-Demo mit, der ich so kurzentschlossen folgende konnte.

Am Dupont Circle löste sich der kleine Truppe aber schlecht organisiert schnell auf, ohne noch eine politische Botschaft loszuwerden. Ich traute mich auch nicht, die Anführerin auf die Aussage ihres Bayern München T-Shirts anzusprechen...

Dann endlich der Umzug mit Klassikern wie den Dykes on Bikes und den Cowboys aus unserer ehemaligen Nachbarschaft.

Unsere größte Freude aber war, in diesem Jahr endlich auf unserem Privatgrundstück auch den CSD-üblichen Sekt trinken zu können. Natürlich nur brav hinterm Zaun.

Und das hat uns auch neue Freundschaften mit unseren Nachbarn schließen lassen, wobei ich mich notgedrungen mit einem der Nachbarn besonders anfreunden durfte. Hier noch etwas gelangweilt, was sich änderte, als er von mir einen der ergatterten Schaumstoffbälle von Mariage Equality bekam.