
Morgen jährt sich zum 40. Mal der Tag der Ermordung Martin Luther Kings. Wie dem Blog wahrscheinlich anzumerken ist, beschäftigt mich das Thema Rassendiskriminierung stark und spielt durch die guten Chancen Barack Obamas erster schwarzer Päsident zu werden, eine gewisse Rolle in der derzeitigen politischen Diskussion. Dabei ist interessant, dass die alte Frage, die auch in den 50er und 60er Jahren eine große Rolle in der Bürgerrechtsbewegung spielte nach wie vor aktuell ist: Ist eine Veränderung durch radikale und provokative Forderungen zu erzielen oder durch den Gang durch die Institutionen? Dass Obama überhaupt Chancen hat, liegt sicher an seinem Versuch, die Frage der Rassendiskriminierung nicht zu intensiv und im Vordergrund zu diskutieren. Und doch kann es gut sein, dass seine Wahl daran scheitern wird, dass zu viele Weiße auch weiterhin nicht bereit sind, einen schwarzen Kandidaten zu wählen (allerdings noch mehr Männer nicht bereit sind, eine Frau zu wählen...).

Was ich erst hier in den USA gelernt habe: Die Ermordung Kings war auch deshalb in den USA so einschneidend, weil in über 100 amerikanischen Städten im Anschluss an die Ermordung Unruhen ausbrachen, deren Folgen bis zum heutigen Tage ihre Spuren in den Städten hinterlassen haben. Hier ein Foto des brennenden Washingtons am 5. April 1968. Die ohnehin seit den 30er Jahre massive Abwanderung aus den Innenstädten in die Vororte wurde dadurch nocheinmal verstärkt und die Innenstädte verkamen immer mehr. Erst in den 80er und 90er Jahren begann man, die Innenstädte wieder richtig aufzubauen. Die Washingtoner U-Street ist dafür ein Vorzeigeprojekt, das es schon ins ZEIT-Magazin geschafft hat:

Auch unsere Hauptgeschäftsstrasse in Capitol Hill, die 8. Straße wurde 1968 völlig zerstört, hat sich aber ebenfalls in den letzten Jahren unter großen Anstrengungen wieder gut entwickelt. In der auch zu Capitol Hill gehörenden H Street sieht es aber noch anders aus:

Auf den Blog-Fotos wahrscheinlich nur schwer zu erkennen: Diese Strasse und Gegend ist völlig heruntergekommen, man sieht noch die Spuren der 68er Unruhen und man hat fast ein bischen Angst, dorthin zu gehen. Aber gleichzeitig wird auch hier versucht, Stadtentwicklung zu betreiben, coole Läden und Kneipen siedeln sich dort nach und nach an und man kann die Gentrifizierung bestens beobachten. Mit dem Effekt, dass die Mieten ansteigen, und die dort bisher lebende arme, überwiegend schwarze Bevölkerung in die Vororte ziehen muss...
Aber wir freuen uns natürlich, unsere Sonntage in den neuen Cafes zu verbringen: