Wednesday, April 16, 2008

Emancipation Day II

Auch der Blog ins zweite Jahr gekommen und ich habe letztes Jahr schon über den Emancipation Day berichtet, der an die Aufhebung der Sklaverei in DC 1861 erinnert. Bei traumhaftem Sommerwetter war ich heute bei einer Gedenkveranstaltung im ehemaligen Haus Frederick Douglass', einem berühmten African American, der im 19. Jahrhundert unter anderem für die Abschaffung der Sklaverei kämpfte. Und mit sehr schönem Blick im heutigen Problemstadtteil Anacostia lebte.

Großes Thema ist heute auch der Jahrestag des Massakers auf dem Campus der Virginia Tech University in Blacksburg, dem mit vielen Berichten und in verschiedenster Weise gedacht wird.

Das beherrschende Thema aber, über das wie ich hörte auch in Deutschland groß berichtet wird, ist der Papstbesuch. Ich habe mir das Anschauen des Papamobils vor dem Weißen Haus erspart. Aber im nagelneuen, vor zwei Wochen eröffneten Baseball- Stadion ganz in unserer Nähe wird seit 5 Tagen für die morgige Messe umgebaut.

Bush wird an der Messe nicht teilnehmen, um die Sicherheitsvorkehrungen nicht noch aufwändiger zu machen. Die Medien sind voll mit Berichten über die (Minderheit der) Katholiken und ihr (kritisches) Verhältnis zum Papst und auch die demokratischen Präsidentschaftskandidaten haben am Sonntag Abend bei CNN über ihren Glauben berichten dürfen.
Der eigentliche Feiertag für mich aber ist das Ende der tax season. Das Büro ist heute geschlossen und ich geniese einen Tag wie vor der Arbeit im Steuerbüro mit Frühstück im Nachbarschaftsdiner in Capitol Hill und Zeitungslektüre auf dem Quasi-Balkon.

ALLE US-Bürger müssen am 15. April ihre Steuererklärung fürs Vorjahr abgeben, was recht früh ist und dazu führt, dass die Zeit für die Zusammenstellung der Erklärung sehr knapp ist. Mann kann zwar eine 6-monatige Extension beantragen, muss aber trotzdem bis zum 15. April seine Steuern bezahlen. Auch in den USA gibt den direkten Abzug von Steuern durch den Arbeitgeber und den deutschen Lohnsteuerkarten vergleichbare "W2"-Formulare. Aber die Regelungen für dieses Einbahlten scheinen wesentlich lockerer zu sein, so dass viele Leute trotzdem Steuern nachzahlen müssen. Für verspätete Zahlungen scheint es hohe Strafen zu geben, zumindest haben alle davor große Angst. Da für die Abgabe der Steuererklärung das Datum des Poststempels entscheidend ist, haben die Postämter in den USA am 15. April bis 24 Uhr geöffnet, es gibt lange Schlangen und noch heute fand ich vor der Public Library diese Kiste für SteuerzahlerInnen in Not:

Da alle am 15. April abgeben müssen, ist es eine kollektive Betroffenheit und diesem Tag wird in den Medien viel Aufmerksamkeit gewidmet, sowohl was den Stress der Abgabe angeht aber auch Diskussionen über das Steuersystem. Und John McCain hat den Tag gestern genutzt, um sein ökonomisches Wahlprogramm vorzustellen, das niedrige Steuern vorsieht. Und das obwohl schon heute 40% der Bundessteuern für Militärausgaben benötigt werden.
Bereits kurz nach 6 p.m. öffnete Braxton gestern die Champangnerflaschen und man kann sich die entspannte Stimmung auf der sonnigen Dachterasse des Büros vorstellen. Zur Verabschiedung fielen sich alle um den Hals, ich wurde gewarnt, dass ich eine bereits geöffnete, noch fast volle Flasche zwar mitnehmen kann, aber damit sehr aufpassen solle in der Metro. Und wir schwulen Kollegen zogen dann auch noch in die einschlägigen Kneipen weiter. Heute morgen dann noch Erinnerungen an den Abend, aber vor allem ein befreites Gefühl.