Saturday, May 8, 2010

Mal wieder Urlaub

Meine in diesem Jahr gearbeiteten Stunden würden nach deutschen Arbeitsbedingungen schon bis Ende Juni reichen, so dass ich mit gutem Gewissen morgen in einen dreiwöchigen Urlaub starten kann, leider ohne die ursprünglich geplante Begleitung. Zunächst geht's mit dem Bus nach New York, dessen $1 Tickets leider nicht von Amtrak zu schlagen sind. Einigen Besuchern ist der Abfahrtsort ja schon bekannt.

Dabei ist auch sonst viel los: So viel wie seit der Griechenland-Krise war Angela Merkel hier noch nie in den Medien. Bis auf den Einsturz der Aktien-Kurse in dieser Woche war das Thema aber hier nie unter den Top-Meldungen. Und der Tenor war auch eher etwas herabblickend auf die nicht funtionierende Europäische Union. Kritische Stimmen zu Zusammenhängen mit den US-Fiananzmarkt-Problemen konnte ich nicht finden.

Auch die Wahl in Großbritannien war hier kein so großes Thema. Interessant waren aber die Vergleiche zu den Problemen der Mehrheitswahlsysteme. Auch hier spielt im Wahlkampf zu den Kongresswahlen im November, insbesondere bei den Primaries die Auswirkungen einer dritten Partei eine Rolle. Die konservativen Tea-Party Kandidaten, die zwar normalerweise als Republikaner antreten, verändern in vielen Wahlkreisen die Situation.

In Florida tritt der gemäßigte republikanische Kanditat nun als Unabhängiger an. In New York gewann im letzten Jahr ein Demokrat nur, weil zunächst zwei republikanische Kandiaten gegen ihn angetreten waren. Interessant aber der Kommentar der Washington Post heute morgen: Clegg soll lieber Cameron unterstützen als mit Brown das Wahlsystem zu verändern. Dass die Sitzverteilung im britischen Parlament nicht der Stimmenverteilung der WählerInnen enstpricht, konnte ich hier nirgendwo lesen.

Und dann gibts ja noch viele andere aktuelle und brisante Themen. Das Öl an der Golfküste ist schon fast etwas in den Hintergrund getreten, obwohl die Umweltsituation dramatisch ist und es noch keine Lösung gibt. Um potentiellen Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, ist Obama gleich hingeflogen und hat BP die Schuld gegeben. Ob das ausreicht?

Der verhinderte Anschlag in New York hat natürlich wieder zu vielen Forderungen geführt, den Überwachungsstaat auszudehnen und rechtsstaatliche Grundsätze bei Terroristen aufzuheben. Aber es gab auch andere Stimmen: z.B. die Frage wie absurd es ist, dass verdächtige Menschen zwar nicht fliegen dürfen, aber ohne Probleme Waffen kaufen können.

Und dann gibts noch das heftige Einwanderungsgesetz in Arizona (darf ich da im Sommer aus moralischen Gründen noch den Grand Canyon anschauen?), den nächsten Kampf um die (Aus-) Wahl einer obersten Richterin... Auch wenn ich nicht immer mit seiner Politik übereinstimme, muss ich doch sagen, dass Obama das alles ziemlich cool managed.

Und zum Glück gibts jetzt auch wieder mehr Zeit für Kultur. So nutzen wir wieder vermehrt die kostenlosen Tickets, die ich netterweise immer für das renomierte Kennedey-Center bekomme. Die Programmauswahl ist leider immer etwas Romatik-lastig, aber es ist ja auch mal ganz nett, eine Opern-Diva zu hören.

Endlich habe ich es diese Woche auch mal wieder zu einem Vortrag im Holocaust-Mueseum geschafft: Die Vorstellung einer neuen Studie über den angeblichen Mythos des Schweigens über den Holocaust in der Zeit von 1945-62. Sehr interessant, wenn auch nicht unumstritten. Ähnliche Forschung scheint es auch in Israel zu geben, wo das Schweigen der Überlebenden und ihrer Umwelt ja auch immer ein großes Thema war.

Nett das Gespräch beim anschließenden Empfang mit einer ehemaligen "Kollegin". Die Aufarbeitung der Akten vom International Tracing Service des Roten Kreuzes in Arolsen (bei der ich anfangs mitgearbeitet habe) scheint wesentlich langsamer voranzugehen, als gedacht. Und die Enttäuschung, dass sich nur ein Teil der Akten mit Juden beschäftig scheint groß zu sein...
Heute dann gerade noch rechtzeitig vor der Abreise eine tolle Show:

Auch DC gehört zu den vielen US-Städten, die erfreulicherweise wieder Straßenbahnen einführen wollen. Allerdings kleine Missplanung: Die Straßenbahnen sind schon da, die erste Strecke aber nicht vor 2012 fertig. Aber so konnte man einen der in Tschechien gebauten Wagen schonmal besichtigen.
Immer wieder witzig, wie in den USA in allen noch so modernen Fahrzeugen die gelben Schnüre, an denen man früher zog, um einen Halt zu wünschen, nur leicht in moderne Formen umgewandelt werden.

Der große Streitpunkt, der aber noch nicht enstchieden ist: Ein Gesetz aus dem 19. Jahrhundert besagt, dass Straßenbahnen in DC nicht mit Oberleitung fahren dürfen, weil diese das Staddtbild verschandeln. Bei den neuen Wagen sieht's allerdings so aus, als sei die Entscheidung schon gefallen.