
Doch meine Begeisterung schlug schnell wieder in Verwunderung um, warum so viele Deutsche so auf Obama abfahren. Denn seine Rede war ja für den US-Wahlkampf gedacht und da konnte man schon raushören, dass er eben nicht nur Ami ist, sondern seinen Wahlkampf auch in der Mitte führt. Insbesondere was die Konfliktlösung durch militärische Mittel angeht, sind von ihm nur begrenzt kritsiche Worte zu hören. So stellt sich für mich wieder vermehrt die Frage, ob ich Obama's Wahlkampf unterstützen oder ihm gar zujubeln darf.
Glücklicherweise bin ich inzwischen (endlich) zum Leser der linken Wochenzeitung "The Nation" geworden, die vielleicht ein bischen mit der taz in Deutschland vergleichbar ist.

Und auch The Nation, die sich für ein schnelles Ende des Irak-Kriegs ausspricht, hat Probleme mit Obamas Position. Doch sie schreibt in einem Kommentar, dass als erster Schritt für einen Politikwechsel die Wahl Obamas notwendig ist, begleitet aber von innerparteilichen und außerparlamentarischen Diskussionen und Forderungen, den Krieg zu beenden. Das ist zumindest ein Weg, wie man mit dem schwierigen amerikanischen Zweiparteiensystem umgehen kann.
Während der wirklich gut organsierte und vom Glück verfolgte (wieviel so schöne Sonnenabende gibt es in Berlin?) Obama jeden Tag tolle Bilder von seiner Auslandstournee fürs Fernsehen produziert, wirkt sein Gegner eher peinlich, vielleicht auch gerade, weil die US-Medien bemüht sind, ihn in diesen Tagen auch zu Wort und Bild kommen zu lassen. Immerhin hatte McCain für heute die (originelle) Idee, in einem deutschen Restaurant zu essen und in einigen Berlins in der USA einen (Anti-Obama)Werbespot laufen zu lassen.
Und trotz aller Obama-Begeisterung muss man sich doch Sorge machen, dass die Stimmung bis zum November noch kippen kann und der derzeitige nationale Umfrage-Vorsprung von 6% noch aufzuholen ist. In einigen der entscheidenden "Swing-States" hat McCain Obama wohl schon aufgeholt. Und wenn Bush zweimal gewählt werden konnte, kann McCain erst Recht gewählt werden...