Auch der Muttertag ist hier natürlich völlig vom Commerz bestimmt, seit über einer Woche überschlugen sich die Werbespots mit tollen Geschenkideen für die Mütter und beim Einkaufen wurde einem schon Anfang der Woche Happy Mother's Day gewünscht. Auch wenn man gestern vor lauter Muttertagsdeko bei Safeway die Produkte kaum sah: Die Wirtschaftskrise hat sich - wie in vielen anderen Bereichen auch, was noch ausführlicher zu bereichten sein wird - bemerkbar gemacht und die Umsätze zum diesjährigen Tag sind gesunken.
Komisch, dass sich in die Herren bei den sonntäglichen Pressesendungen,
die wir immer gerne schauen (auch wenn in den letzten Wochen nichts neues mehr gesagt wurde) auch gegenseitig Happy Mother's Day wünschten. Da klang es bei einer anderen Mutter doch passender: Chelsea hatte mir einen Link zu ihrem Muttertagsgruss geschickt, kurz darauf gefolgt von einer email des stolzen Vaters. (Leider möchte Blogspot Chelsea's link nicht laden. Bitte deshalb den link kopieren und ausprobieren. Es lohnt sich!)
http://www.hillaryclinton.com/feature/mothersday/?sc=1846&utm_source=1846&utm_medium=e
Aber diese Woche hat sich die politische Diskussion tatsächlich verändert. In den letzten Wochen wurde schon viel diskutiert, wann Hillary endlich aus dem Rennen steigen wird, weil ihr Chancen verschwindend gering sind. Seit ihrem schlechten Abschneiden in Indiana und North Carolina am Dienstag und seit Obama nun auch bei der Zahl der Superdelegierten führt wird jetzt nur noch diskutiert, wie ihr ein würdevoller Abgang ermöglicht werden kann. Der Vizepräsidentin-Posten scheint sehr unwahrscheinlich, würde er doch nicht zu Obama's "Change"-Wahlkampf passen und ich kann mir auch schwer vorstellen, dass die Clintons in die Vizepräsidenten-Villa einziehen wollen (die schräg gegenüber ihres Washingtoner Hauses liegt und eigentlich viel schöner als das weiße Haus ist...). Als Zeichen der Anerkennung könne Obama aber z.B. eine Frau als "running-mate" wählen (die Governeurin von Kansas würde sich hier anbieten). Die andere Frage die diskutiert wird: Hillary musste ihrer Kampagne bisher 20 Millionen Dollar aus iherem Privatvermögen leihen (was bei 110 Millionen Einkommen der Clintons seit Verlassen des Weißen Hauses wohl nicht so schmerzt), weil Obama so viel mehr Geld akquiriert hat. Beide haben bisher jeweils weit mehr als 100 Millionen Dollar ausgegeben, um sich gegenseitig zu bekämpfen. Soll Obama ihr das Geld aus seiner vollen Kasse erstatten?
Weiterhin gibt es viele Stimmen, die sagen, dass dieser lange Vorwahlkampf die Demokratie stärkt, weil viel mehr Leute an den Abstimmungen teilnehmen. Aber ist das ein so wichtiges Element der Demokratie?
Wovon wir auf jeden Fall profitieren: Jeder Staat, in dem Vorwahlen stattfinden wird vor und nach dem Wahltag genaustens auf seine demographische Struktur untersucht und vorgestellt, weil man daran schon ablesen kann, wie das Ergebnis sein wird.
Und so haben wir Dank der vielen Karten, Schaubilder etc. die meisten Staaten schon recht gut kennengelernt. Morgen ist nun West-Virginia dran, das sich 1863 vom restlichen, Sklaverei betreibenden Virginia, das mit Richmond auch die Hauptstadt der Südstaaten stellte, abgetrennt hat. Keine 100 Meilen von der Bundes-Hauptstadt entfernt, ist der in und hinter den Appalachen gelegene Staat einer der ärmsten der USA. Ehemals stark industrialisiert, heute vom heftig umstrittenen Kohle-Tagebau dominiert wird die überwiegend weiße "blue-collor"-Bevölkerung für Hillary stimmen, manche Umfragen sagen sogar 60% voraus.
Und um zurück zum Muttertag zu kommen: Ann Marie Jarvis, die den Muttertag vor 100 Jahren ins Leben rief, lebte in Grafton, West Virginia in diesem Haus. Passenderweise regnet es auf dem Werbefoto (!) genauso wie heute in DC...

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