Nach der kleinen Wahlkampfpause während der olympischen Spiele ging es Ende August wieder richtig los mit den beiden "National Conventions", deren Bilder einem ja auch aus den letzten Wahlkämfen vertraut waren.
Im Gegensatz zu Parteitagen deutscher Parteien geht es hier aber nicht um politische Debatten sondern lediglich um eine Show aus patriotischen Videos und Reden, deren Timing sich nach der Fernsehprimetime richtet. Auch das bekommt man ja in Deutschland mit, dass aber das Fernsehen in diesen zwei Wochen hier eigentlich über nichts anderes berichtet, viele Sender jeden Tag vier Stunden lang live senden und es anscheinend eine Regel gibt, dass Unterstützer der jeweils anderen Partei nicht zu Wort kommen (selbst bei der sonst recht seriösen NewsHour) war dann doch sehr schockierend.
Das einzig neue (neben undendlicher Analysen welche Rede nun besser vorgetragen, ob die Clintons sich deutlich für Obama ausgesprochen haben, welche Familie auf der Bühne natürlicher gewirkt hat...) war die Bekanntgabe der VizepräsidentschaftskandidatInnen. Und netterweise haben wir mit beiden eine spezielle Verbindung.
Joe Biden, der ja auch im Vorwahlkampf der Demokraten kandidiert hatte, ist uns nicht nur aus unzähligen Fernsehdebatten vertraut, sondern auch weil er ein großer Bahnfahrer ist. Kein Bericht in den ersten Tagen nach der Bekanntgabe ließ aus, dass er seit 35 Jahren täglich mit Amtrak von DC ins 120 Meilen entfernte Wilmington nach Hause fährt und angeblich jeden Schaffner persönlich kennt. So ist zu hoffen, dass er sich als Vizepräsident für den dringend notwendigen Ausbau des US-Bahnverkehrs einsetzen wird.

Alaska war schon vor ein paar Wochen im Gespräch als einer der beiden Senatoren aus Alaska wegen Korruption angeklagt wurde. Bei unserer Reise im Frühsommer hatten wir auch schon über die "tolle" Gouverneurin Sarah Palin gescherzt, weil es schon damals (allerdings unwahrscheinliche) Gerüchte gab, dass sie Vizepräsidentschaftskandidatin werden könnte. Jetzt ist sie es und wir erfreuen uns der vielen Medienberichte über Alaska, sind schon durch ihr Dorf gefahren und kennen ihre Governeursvilla, die sie kaum nutzt, weil ihr die Hauptstadt Juneau zu abgelegen ist. (Hier der Sitzungssaal des parlamentarischen Finanzausschuss in Alaska und Wahlwerbung des republikanischen Repräsentantenhausabgeordneten)
Erschreckend wie durch ihre Nominierung John McCain einen unglaublichen Auftrieb bekommen hat und Obama nicht weiß, wie er darauf reagieren soll. Ich finde er könnte anerkennen, dass es ein historischer Fortschritt ist, dass eine Frau als Vizepräsidentin kandidiert und dass es keine Frage ist, auch als Mutter von 5 Kindern Vizepräsidentin zu sein. Und dann könnte er auf ihre erz-konservativen Positionen und auf ihre mangelnde (Inter)nationale Politikerfahrung eingehen. Ihr einziges Interview, das sie bisher gegeben hat und das auf dem Sender ABC in drei Teilen über zwei Tage verteilt ausgestrahlt wurde (unser Freizeitprogramm war also eingeschränkt), zeigte beides sehr deutlich. Zu vielen Fragen wusste sie keine richtige Antwort und versuchte nur auswendig gelernte Sätze unterzubringen auch wenn sie manchmal nicht ganz passten. Wie schrecklich die Vorstellung, dass sie auch in den nächsten Wochen von unzähligen McCain-Beratern noch entsprechend bearbeitet wird. Und wie absurd, dass genau das, was bei den Leuten so gut ankommt, ihre Natürlichkeit, als "Hockey-Mom" "eine von uns" zu sein, im Wahlkampf nur funktioniert, wenn es kampagnentauglich gemacht ist. Und auch dass man hier Präsident wird, wenn man eine gute Kampagne macht, nicht wenn man qualifiziert ist (was übrigens auch für Obama gelten könnte...) Aber Sarah Pailin ist hier DAS Thema, wie wir heute am Eastern Market auf der Straße und im Cafe an den Nachbartischen überall mithören konnten.









