Monday, February 23, 2009

Mit High-Speed aus der Wirtschaftskrise

In letzter Minute konnte Obama in sein Konjunkturpaket auch noch eine Finanzspritze in Höhe von 8 Mrd. Dollar für High-Speed Eisenbahnbau in den USA packen und auch in seiner gestrigen Ansprache vor dem Kongress (die wir natürlich mit vor- und nachbereitender Berichterstattung intensiv verfolgt haben und in der er m.E. den für die Amis wichtigen nationalistischen mutmachenden Ton getroffen hat) durfte ein Hinweis auf die Förderung von "Transit" im Stimuluspaket nicht fehlen. Die Frage ist nur, was genau damit finanziert werden soll. Als erstes wird immer eine Magnetbahn von Las Vegas nach Disneyland südlich von Los Angeles genannt.

Aber ich glaube kaum, dass diese 430 km lange Strecke gebaut wird, zu der es schon erstaunlich viel Planung gibt, wie ich dem Internet entehmen konnte.
Dass das US-(Personen)Eisenbahnwesen eine Finanzspritze gebrauchen kann, ist keine Frage. Fahren in Deutschland täglich 5 Millionen Menschen mit der Bahn, ist Amtrak, die amerikanische Eisenbahngesellschaft, stolz, dass im gesamten letzten Jahr 25 Millionen Menschen mit dem Zug fuhren. Die einzig ernst zu nehmende Strecke mit Taktverker ist die von Waschington, DC nach New York bzw. weiter nach Boston, wo die Züge immerhin eine Durschnittsgeschwindigkeit von 134 km/h erreichen und auf einem kurzen (nur 56km langen) Stück sogar die Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h erreichen. Der moderne Acela hat es auch geschafft, dass das Verhältnis von Zug zu Flug Verkehr auf der 360 km langen Strecken (2:45 h) immerhin 62:38 ist.

Andere ernstzunehmende Strecken gibt es außer an der Westküste um Los Angeles und Seattle herum und in der Umgebung von Chicago eigentlich nicht. In vielen Städten gibt es inzwischen zwar Vorortzügem, aber die fahren nur an Werktagen und nur morgens in die Städte rein und abends wieder raus.

Die große Frage wird nun also sein, wo man die 8 Mrd. am sinnvollsten einsetzt und da gibt es zwei Meinungen dazu. Entweder man versucht das Bahnfahren landesweit schneller und attraktiver zu machen oder man baut die bestehende Strecke DC-NY zu einer richtigen Hichgeschwindigkeitsstrecke aus, um endlich mit der Welt mithalten zu können. Ich bin für die erste Variante, befürchte aber, dass eher die zweite Umgesetzt wird. Allerdings reichen die 8 Mrd sowieso nirgendwo hin. Wenn Hochgeschwindigkeitsstrecke, dann sollte man aber m.E. die Strecke San Francisco - Los Angeles bauen, für die es schon relativ gute Planungen gibt, wo es auch genügend Leute gibt, die damit fahren könnten (in Californien leben 36 Millionen der 300 Millionen US-AmerikanerInnen) und für deren Finanzierung sich die CalifornierInnen am 4. November in einer Volksabstimmung auch schon ausgesprochen haben.


Aber leider wird das Problem auch mit den 8 Mrd High-Speed Geldern daselbe sein, wie für die meisten anderen (sehr sinnvollen) Infrastrukturprojekte des Konjunkturpakets: Eigentlcih müsste der Bau sofort beginnen, um eine postive Auswirkung auf Arbeitsplätze und Wirtschtsbelebung zu haben, aber die Planung wird sicher erstmal ein paar Jahre dauern. Ob Obama also rechtzeitig Erfolg haben wird?

Thursday, February 12, 2009

Lincoln


In Deutschland ist am gestrigen 12. Februar wahrscheinlich mehr über den 200. Geburtstag Darwins geschrieben worden, aber witzigerweise ist genau am selben Tag und im selben Jahr auch Abraham Licoln geboren, der mit George Washington und Franklin Delano Rooselvelt (FDR) zu den wichtigsten Präsidenten der USA zählt. Washington-Besuchern hauptsächlich durch das Lincoln Memorial bekannt, von dem aus man den schönen Blick auf die Mall bis zum Kapitol hat.

Und vor dem sich alle gerne fotografieren lassen, wobei bei den Amis die Verehrung ihres 16. Präsidenten sicher eine größere Rolle spielt als bei den ausländischen Touristen.

Die Wahl Abraham Lincolns, der sich gegen die Ausbreitung der Sklaverei in die Nordstaaten ausgepsrochen hatte, im November 1860 zum Präsidenten führte zum Ausbruch des Amerikanischen Bügerkriegs 1861 noch vor dessen Amtseinführung. Nach Abschaffung der Sklaverei durch die Emanzipationserklärung Lincoln 1862 und brutalen Kämpfen mit 620.000 Toten endete der Bürgerkrieg im 9. April 1865. Lincoln wurde am 14. April im Ford-Theater in Washington ermordert. Dass die Abschaffung der Sklaverei ein bedeutender Schritt in der Geschichte der USA war, kann man leicht nachvollziehen. (hier die schon gezeigte Statue im Lincoln Park in Capitol Hill, unserer ehemaligen Wohngegend)

Auch noch einleuchtend ist die große Leistung Lincolns, das Auseinanderbrechen der Union aus Nord- und Südstaaten vehindert zu haben. Unverständlicher ist für uns allerdings immer wieder, dass der Civil War bis zum heutigen Tag eine unglaubliche Bedeutung in der amerikanischen Gesellschaft spielt, ständig darüber gesprochen, geschrieben und Dokumentationen über ihn gezeigt werden. Und bei unseren Ausflügen in die Umgebung sieht man eine Bürgerkriegs-Gedenkstätte nach der anderen, die wir bisher haben links liegen lassen, was sich daran zeigt, dass ich kein einziges Foto in meiner großen Sammlung gefunden habe. Aber Text und Bilder müssen irgendwann noch folgen.

Seit seinem historischen Sieg wird Obama gerne in einem Atemzug mit Lincoln genannt. Auch Lincoln kam auch aus (Springfield) Illinois, Obama sieht ihn als sein großes Vorbild und hat seinen Amtseid auf Lincolns Bibel geleistet und eines seiner großen Ziele ist ebenfalls, dass Land und die verschiednen Lager zusammenzubringen und zu einigen. Wie schwierig das ist, hat sich schon in den ersten Wochen seiner Amtszeit gezeigt, in denen Obama es nicht gelungen ist, eine große parlamentarische Mehrheit für seinen Wirschaftsplan zu finden. Vielleicht ist sein Vorbild doch etwas zu groß...

Was uns am Rande der vielen Berichterstattung sehr amüsiert hat: Es gibt eine Theorie mit recht ernsthafter Forschung, dass Lincoln schwul war oder zumindest homosexuelle Beziehungen hatte.

Friday, February 6, 2009

tax season

Steuern spielen in meinem Leben nun schon seit einiger Zeit eine größere Rolle, aber diese Woche waren sie auch sonst ein wichtiges Thema in der öffentlichen Diskussion. Zunächst beginnt am 1. Februar die US tax season, weil bis zum 31.1. alle Arbeitgeber ihre den deutschen Lohnsteuerkarten vergleichbaren "W-2" Formen verschickt haben müssen und bis zum 15. April alle US-Bürger ihre Steuererklärung (Form 1040) abgegeben haben müssen. Man kann eine Verlängerung beantragen, muss aber bis zum 15. April seine Steuern bezahlt haben, was bedeutet, dass man bis dahin zumindest grob die Steuerlast kalkuliert haben muss. Da man Freibeträge hier u.a. relativ willkürlich in die W-2s eintragen kann, man Zinsen, Dividenden und Gewinne aus Aktienverkäufen ab dem ersten cent versteuern muss und Hypothekenzinsen für Häuser oder Eigentumswohnungen, die hier eigentlich jedeR hat, von der Steuer absetzen kann, ist das ganze recht kompliziert und der Zeitraum ja recht knapp, so dass die Medien z.Zt. von Steuerberatungsangeboten überschwemmt sind.

Das andere große Steuerthema dieser Woche aber war natürlich der Rücktritt der zwei nominierten Obama-Kabinettsmitglieder und die Diskussion über den neuen Finanzminister(!), der seine Steuerschulden von $43.000 nicht dann zurückzahlte, als er es merkte, sondern erst als er nominiert wurde. Hier die Herren Geithner und Dashle.

Man kann sich sicher mit dem komplizierten Steuersystem herausreden, aber entscheidender sind glaube ich zwei andere Punkte: Das Bewusstsein, Steuern zahlen zu müssen, ist hier (sicher auch aus ideologischen Gründen) noch geringer als in Deutschland. Dies wird aber vor allem dadaurch gefördert, dass man bei seiner Steuererklärung kaum Nachweise erbringen muss und sowohl bei individuellen Steuererklärungen, insbesondere aber auch bei betrieblichen Steuererklärung so gut wie keine Prüfungen stattfinden. Trotzdem ist der Internal Revenue Service (IRS), das nationale Finanzamt, natürlich immer der Böse.

Schon im Wahlkampf spielte auch das Thema Steuern eine große Rolle, John McCain, der für Steuersenkungen eintrat und versuchte Angst zu schüren, dass sein Gegener Steuern erhöhen würde. Und Obama, der um gewählt zu werden, ebenfalls Steuersenkungen versprach, obwohl seine ehrgeizigen Reformprojekte sicherlich eher mehr Steuern zur Finanzierung benötigen. Und jetzt in der Krise auch hier die Diskussion ob man die Wirtschaft eher mit zusätzlichen Ausgaben oder mit Steuersenkungen ankurbeln kann. Leider sieht es so aus, dass der zur Stunde im Kongress entstehende Kompromiss zum "Stimulus-Gesetz" den Republikanern mehr Steuersnkungen zugestehen wird. Für mich völlig unverständlich und ärgerlich.

Aber Steuersenkungen hin oder her. Ich werde in den nächsten Wochen erstmal davon leben, dass die Steuergesetze so kompliziert sind und auch meine nächsten 10 Samstage intensiv der Hilfe anderer bei ihrer Steuererklärung widmen.

Sunday, February 1, 2009

Ski Liberty

Lange schon hatten wir geplant, auch hier einmal Ski fahren zu gehen, wenn schon uns viele Leute gewarnt hatten, dass man dazu entweder nach Neuengland oder in den Westen reisen müsse. Uns reichte aber (erstmal) der Versuch eines der in den Appalachen gelegenen Skigebiete, etwas über 100km entfernt, direkt hinter der Mason-Dixon Linie, die Maryland von Pennsylvania trennt. Natürlich fährt man hier nicht wie in Deutschland beuqeum mit dem Zug direkt an den Lift sondern landet - nachdem man das Skibegiet hinter Bauernhöfen schon aus der Ferne sehen konnte - erst mal im Stau vor dem Parkplatz.

Doch dann war alles gut organisiert, sowohl die Massen-Ski-Ausleihstelle als auch die sehr amerikanische Einweisung in den Lift, die keinen Sessel leer hochfahren lies.

Sehr schöne Pistenbezeichnungen und die Hänge doch länger und anspruchsvoller als erwartet.

Was ich allerdings noch nie so erlebt habe, war der sehr große Anteil an Anfängern. Bei der Beobachtung der Abfahrenden konnte man sich immer gut amüsieren und die Lifte blieben ständig stehen, weil die Leute es nicht rein oder raus schafften. Dies hing aber wahrscheinlich auch mit dem hohen Anteil an Snowboardfahrern zusammen - in Europa wahrscheinlich inzwischen auch nicht anders.

Die Snowboardfahrer in Kombination mit wahrscheinlich reinem Kunstschnee trugen allerdings dazu bei, dass die Hänge am Nachmittag fast nur noch aus Eisplatten bestanden. Wir waren froh, dass wir uns nicht für die Late night Karte entschieden hatten sondern lieber ins Motel ins benachbarte Hagerstown fuhren. Eine von Deutschen gegründete Stadt, in der heute aber nur noch die "Schmankerl-Stube" an diesen Teil der Geschichte erinnert, in der wir aber bestens Spätzle und Kartoffelsalat und vieles leckeres mehr aßen. (Die bayrische Deko und die Bedienungen im Drindel sind hier leider nur schwer zu erkennen.)

Nach optimaler Sonne und Temperaturen am ersten Tag war es dann am Sontag 15 Grad warm, die Eisplatten waren zwar nun weich, aber die Kurven im schweren Schnee wurden von Stunde zu Stunde anstrengender. Und manche Leute kamen ziemlich ins Schwitzen...

Und wo könnte man nach einem frühlingshaften Kaffee in der Sonne besser einkehren als hier?