Nicht nur für mich überraschend, dass es schon zwei Jahre sind, denn vieles ist einfach sehr vertraut. Und doch macht sich nach so einer Zeit bemerkbar, dass der Kontakt nur über e-mail, blog und Telefon doch anders ist, als wenn man sich sieht. Und so hat sich der Schwerpunkt der Reise vielleicht eher auf die vielen Begegnungen konzentriert. Am schnellsten verändern sich natürlich die Kinder.
Noch vor Weihnachten habe ich es nach Bremen geschafft, wo ich schon so lange nicht mehr war und nicht nur im Hafen viel neues gebaut wurde.
Nicht nur getränkemässig eine super Versorgung, auch wenn es das Krass zum Saurentrinken leider nicht mehr gibt.
Die alten WG (und gleichtzeitig taz) Kontakte ermöglichten es mir auch, meine Katzenliebe endlich mal wieder richtig ausleben zu können.
In Leer gabs nach getaner Arbeit auf dem beneidenswert kleinen Laptop zum Glück nicht nur Wasser.
Wie gut, dass Karlsruhe und Stuttgart so nah beeinander liegen. In Karlsruhe gabs die Bruchstücke des (schon bekannten) Brandenbuger Tors. In Stuttgart die Kurzfassung (!) des Reisevideos der Amerikareise 1988.
Zur alten Tradition gehört auch, an den Weihnachtstage die schwul-lesbische Szene in Karlsruhe zu erkunden. Ob der norddeutsche Saure dort Fuß fassen wird ist ungewiss, aber die neue Kneipe Prinz S (für Kenner: im ehemaligen Gitannes!) ist (zumindest für Männer...) auf jeden Fall ein Gewinn
Einer der Höhepunkt war dann die Woche im Felseneck in Sasbachwalden, das sich mal wieder als idealer Treffpunkt für unterschiedlichste Freunde und Familie geeignet hat. Besonders beeindruckend das Nebeneinader der Kleinkindfamilien und der Kinderlosen.
Zu den vielen Bahngeschichten, die es zu berichten gäbe nur diese eine: Angeblich kann man als Familie ja nicht ohne Auto leben. Aber als ich die Münchner Familie vom Bahnhof abholte, passte das Gepäck kaum ins Auto, weil man im Zug viel mehr mitnehmen kann. Ganz abgesehn davon, dass die Kinder im selbsternannten IC-Kinderabteil beststens gespielt und geturnt hatten.
Die traditionellen Spaziergänge durch die Weinberge in diesem Jahr auch mit Eisweinproben (schmeckte eher vergammelt).
Und endlich konnten auch die Schnapsreste wieder aufgefüllt werden und wer hätte gedacht, dass der Schnapsbauer auch schon mit einem Cruise-Schiff in Alaska war.
Besonders schön aber der Spaziergang über den Wolken auf der Hornisgrinde mit angemessenem Souvenier Shopping.
Und schließlich der Silvesterabend, der je nach Schlafrhythmus zu unterschiedlichen Zeiten gefeiert wurde.
In Köln gabs dann die große und erfolgreiche Fotorettungsaktion. Und die Könige vor dem Dom. Alles andere fand wohl in den (leider wieder verrauchten) Kneipen statt.
Nach einer schönen Bahnfahrt durch das frisch verschneite Deutschland dann Berlin.
Endlich fand der lange geplante Rundgang durch den Bundestag statt und mein erster Besuch auf der Kuppel, vorbei an den in der Kälte frierenden Schlangen.
Schön zu sehen, wo überall die Walterstreet gelesen wird und dass auch die Bundestagskantine einen guten Weinlieferanten hat.
An den Abenden gabs dann (neben Bierhimmel, Olfe und Roses) hauptsächlich Quiche in der Bautzener Str. in unterschiedlicher Besetzung, aber immer mit tollem Hauseherrn.
Und dann gings auf zum zweiten Höhepunkt. Von der Försterin noch vor dem Lichttest empfohlen: die zum ersten Mal seit über 10 Jahren wieder zugefrorene Müritz. Das konnten wir uns nicht nehmen lassen und waren völlig begeistert, von der zweitägigen Umfahrung des größten Binnensees Deutschlands.
Manchmal gar nicht so einfach, weil das Eis so glatt und durchsichtig war, dass wir uns kaum trauten darüber zu fahren.
Am Witzigsten war es, abends die Schlittschuhe am Seerand auszuziehen und zu Fuß nach einer Unkunft zu suchen. Die Pensionen hatten einen sehr schönen ost-deutschen Charme und alle Leute waren unglaublich nett und hilfsbereit.
Als das Eis feuchter und vor allem meine Füße leidender wurden, ging es dann noch zum eigentlichen Programm. Drei Tage lang Crosscountry Ski auf der deutsch-tschechischen Skimagistrale auf dem Kamm des Erzgebirges entlang.
Und auch hier wieder tolle und nette Quartiere auf beiden Seiten der Grenze, die - Schengen sei Dank - kaum mehr zu spühren ist.
Der Platz reicht hier nicht aus, um über alle Erlebnisse zu berichten, vor allem auch die interessanten Fragen zur Geschichte dieser Region.
Nach so viel Erlebnissen und Begegnungen in vier Wochen Deutschland habe ich mich dann doch sehr auf mein zu Hause gefreut und im Gegensatz zum Vorjahr, als ich nach dem Berlinaufenthalt gar nicht wieder zurück wollte, geniese ich dieses Mal mein Leben hier wieder sehr und freue mich sogar auf die arbeitsintensive tax season.
Vielleicht noch eine Frage zum Abschluss: Warum sieht man in Deutschland so viele Flaggen der konföderierten Südstaaten hängen, die in den USA eindeutig als Affront gegen Schwarze verstanden wird?