Wednesday, October 17, 2007

Rettungskampagnen

Die taz-Rettungskampagnen waren immer so einprägsam, dass viele Leute meinen, es würde sie jährlich geben, obwohl es sie meist nur alle vier Jahre gab und seit der letzten im Jahr 2000 sogar keine mehr notwendig war.
Hier gibt es sie noch und zwar sogar mehrmals im Jahr in Form von Membership Campaigns für NPR (National Public Radio), das hier glücklicherweise die vielen privaten Radiosender seit 40 Jahren durch ein sehr interessantes, kritisches und qualitativ gutes Programm ergänzt.

Neben den stündlichen nationalen Nachrichten aus Washington und Programmen mit Hintergrundberichten (Morning Editon, All things considered...), gibt es über die USA verteilt auch entsprechende lokale Sender, die auf der jeweiligen NPR-Welle in kleinen Fenstern ihre lokalen Nachrichten und Berichte unterbringen können.
Da dies aber kein öffentlich-rechtliches über die GEZ finanziertes Programm ist, muss sich NPR über Sponsoren und seine Hörer (die ein Drittel des Budgets aufbringen) finanzieren. Und um immer wieder genügend Spenden und Mitglieder zu bekommen, gibt es mehrmals im Jahr eine ganze Woche lang diese Mitgliedskampagnen.
Und die erinnern dann sehr and die taz-Rettungskampagnen, wenn auch nicht ganz so originell. Das Programm wird ständig durch lange Aufrufe, Berichte und Interviews unterbrochen, die zeigen, wie wichtig es ist, dass man spendet oder Mitglied wird. Es gibt natürlich auch Prämien in Form von Tassen, Regenschirmen, Büchern usw.
Und für die ganze Woche gibt es jeweils ein Ziel wieviel eingeworben werden soll und den Anreiz dass die Kampage einen Tag früher enden kann, wenn das Ziel vorher erreicht ist. Und das wird dann wiederum auf Tages- und Stundenziele heruntergebrochen und ständig berichtet, wieviele neue Mitglieder in der aktuellen Stunde noch fehlen oder um wie viele Spenden das Ziel der Vorstunde übertroffen wurde.
Und immer wieder die Frage, ob man auf die Nachrichten oder diese und jene Sendung verzichten wolle. Wenn nicht, dann solle man jetzt anrufen! (Das gleiche gibt es auch im Fernsehen für die entsprechenden PBS (Public Broadcasting Service) – Sender.)
Wer das einmal erlebt hat, wünscht sich eine relativ harmlose und originell taz-Kapagne zurück. Aber ich bin sehr froh, dass es diese Sender gibt und greife manchmal fast zum Spenden-Hörer. Und es zeigt, dass viele Bürger bereit sind, die finanziellen Leistungen zu übernehmen, die der Staat hier nicht gewährt. Und da ist der Rundfunk natürlich nur ein Bereich von vielen.