Sunday, March 30, 2008

Bush's War?


In dieser Woche gab es noch einmal eine hochinteressante und schockierende Dokumentation im amerikanischen Fernsehen, die in vielen Interviews zeigt, welch eine Katastrophe die gesamte Bush-Präsidentschaft darstellt.

FRONTLINE: bush's war | PBS

Auch der Film "In the Valley of Elah", den wir ebenfalls diese Woche gesehen haben, zeigt auf - wenn auch recht "amerikanische" Art - in eindrücklicher Weise die dramatischen Folgen dieses Krieges.

Aber wie bereits erwähnt: Ein ernsthafte Diskussion, über die Zukunft der Irakpolitik ist hier nirgendwo zu finden. Und was tun die PräsidentschaftkandidatInnen? Während sich John McCain im Irak als Staastmann zeigt und mit falschen Aussagen zu AlQuaida die Bedrohungsmasche fährt, wird auf der demokratischen Seite nicht mehr über Inhalte diskutiert. Da die Programme von Hillary und Obama so ähnlich sind, ist das auch schwer möglich, so dass es nur noch um die Persönlichkeiten geht. Das große Thema diese Woche war: Sollte Hillary nicht lieber aufgeben, da ihre Chancen, Obama einzuholen sehr gering sind? Ich bin der Meinung ja, denn auch wenn ich ihr die Präsidentschaft gewünscht hätte, müssen die Demokraten aufpassen, ihre (auch gerade wegen des Irak-Kriegs und der Wirtschaftkrise) guten Chancen im Herbst nicht dadurch zu verspielen, dass sie sich gegenseitig schlecht machen. Und die derzeitigen Umfragen, lassen das befürchten.
Dass Hillarys Gedächtnis an eine Ankunft in Bosnien unter angeblichem Heckenschützenbeschuss flasch ist, ist nicht gerade vertrauenserweckend, dass sie davan aber mit einem stolzen Lachen erzählte, hat sie bei mir noch viel mehr in Misskredit gebracht.
Und auch wenn ich Obamas auf Rhetorik aufgebauter Kampagne kritisch gegenüberstehe, war es doch faszinierend zu sehen, wie er die Massen und vor allem auch junge Leute für politische Veränderungen begeistern konnte. Diese Begeisterung scheint m.E. zur Zeit unter dem "Clinton-Obama-Krieg" zu leiden und es wäre wünschenswert, wenn diese Begeisterung für die Wahlen im Herbst wiederkehren würde.

In dieser Woche gabe es immerhin den ersten sommerlichen Abend, den wir sofort genutzt haben.


Dass es jetzt am Wochenende wieder winterlich kalt geworden ist, hat auch Vorteile: So lässt sich die seit dieser Woche angesagte 7-Tage-Woche leichter ertragen... Während über 1 Million Besucher das National Cherry Blossoming stürmen (über 100 Kirschbäume, die DC 1912 von Japan geschenkt bekam, deren Blütenentwicklung man täglich auch in der Washington Post mit schönen Schaubildern verfolgen kann)

(in meinem zweiten Jahr hier weiderholen sich die Ereigniss, so dass ich auf die letztjährigen Fotos zurückgreifen kann...)
Habe ich das ganze nur aus der Metro gesehen. Das Highlight der täglichen Metro-Fahrt zur Arbeit ist das kurze Auftauchen aus der Erde bei der Fahrt über den Potomac. In Fahrtrichtung das Pentagon (nur für Kenner zu sehen)
Im Blick zurück das Stadtpanorama, auf dem Foto hier nur die Washington und Jefferson Memorials zu sehen, aber man sieht auch den Kongress, die National Cathedral...). Und an Wochentagen dann immer mit Befriedigung der Blick auf die verstopfte Autobahn, während am Wochenende die ökologische Überzeugung herausgefordert ist, die dreifache Fahrzeit in Kauf zu nehmen.


Der Höhepunkte dieser Arbeitswoche: Beim Bestätigen ihres Termins mit Braxton (eine meiner täglichen Aufgaben) und Vorbereiten ihrer Akte kam mir der Name schon vertraut vor. Als ich dann ihre Stimme hörte, war alles klar: Eine der wichtigsten politischen KorrespondentInnen bei CNN, über die wir uns an vielen Fernsehwahlabenden gefreut hatten, weil sie so erfrischend normal ist, brachte ihr Steuerunterlagen. Und auf diese Art und Weise einen Einblich in die Verdienstmöglichkeiten bei CNN zu bekommen war hochinteressant.
Auch wenn ich keinen fundierten Einblick ins amerikanische Steuerrecht habe und bei den Steuererklärungen nur zuarbeite, kann ich doch inzwischen viele Fragen der Kundinnen vor und nach ihren Terminen bzw. der Fertigstellung ihrer "tax returns" beantworten. Diese Herausforderung lässt die viele Zeit, die ich dort verbringe, immerhin ein bischen leichter ertragen. Und am 15. April soll es angeblich Champagner im Büro geben!

Saturday, March 22, 2008

Frohe Ostern

Das Ostern (auch was die Anzahl der Feiertage angeht) in Deutschland eine größere Rolle spielt, merkte ich daran, dass unseren (vielen) deutschen Kunden schon am Donnerstag anfingen, mir in ihren emails (die teilweise auch aus Deutschland kommen)Frohe Ostern zu wünschen, wärend die Amis das erst heute am Ostersamstag taten. Karfreitag und Ostermontag sind für alle ganz normale Arbeitstage, wenn man sich rechtzeitig Karten besorgt hat, kann man aber am Montag Ostereier im Garten den Weisen Hauses suchen.
Bereits am Palmsonntag hatten wir in der 1990 (!), natürlich historisierend fertiggestellten National Cathedral die Bach'sche Johannes-Passion gehört.

Dass die Qualität nicht herausragend war, mag wohl ein Zeichen sein, dass der Schwerpunkt bei klassischer Musik hier woanders liegt. Besonders schön, war, aber als wir ankamen und unsere Tickets abholen wollten. Kein Schild, dass man dazu (zuürck?) in die Tiefgararge gehen musste:

Auch in dieser Woche: Der St Patricks Day, der zumindest in der U-Bahn sehr auffällig war:


Weniger auffällig: Der 5.Jahrestag des Irakkriegs. Immerhin gab es einige Demonstrationen und medienwirksame Straßen- und Gebäudeblockadeaktionen, sowie natürlich die Pro-Kriegs-demos der Kriegsveteranen

Aber der Jahrestag wurde nicht zum Anlass genommen, über den Krieg und vor allem über eine Zukunft für den Irakkrieg zu diskutieren. Die Fronten im Präsidentschaftswahlkampf sind zwar klar: entweder noch 100 Jahre bleiben oder innerhalb der ersten 60 Tage der neuen Präsidentschaft den Abzug beginnen. Aber eine ernsthafte Auseinandersetzung über politische Perspektiven wird auf keiner Seite geführt.

Und ein schönes Ereignis diese Woche: Wir haben endliche ein bischen Ersatz für unsere (historisch wichtigen) Bingo-Abende im SO36 gefunden. Hier finden sie in der B-Bar statt, sind natürlich nicht ganz so gut, dafür technisch aber sehr gut ausgestattet!

Friday, March 7, 2008

Anniversary

Gestern vor einem Jahr bin ich hier angekommen und wo hätten wir diesen Tag besser begehen können als hier:

Und so wie ich viele unserer deutschen Kunden am Telefon sofort erkenne und ihnen auf Deutsch anworte, wurde meine Reservierung auch auf Deutsch bearbeitet. Passenderweise war gestern auch noch "food for friends" Abend, 25% unseres Rechnungsbetrags gingen an diese gemeinnützige Organisation, so dass das richtig deutsche Essen mit Hering, Jägerschnitzel, Wurstsalat und Hefeweizen noch besser schmeckte (es gab schon lange keine Essens-Fotos mehr im Blog, oder?)

Das Jahr kommt mir viel länger vor, wohl auch weil ich hier schon so viel erlebt habe. Und ich bin sehr zufrieden sein, wie gut alles bisher geklappt hat. Gerade haben wir wieder von PartnerInnen von Deutschen gehört, die frustriert sind, weil sie keine Arbeit gefunden haben und auch von einem Lesbenpaar, das nach einem Jahr wieder nach Deutschland zurückgegangen ist, weil es für die Partnerin unmöglich war, ein längerfristiges Visum zu bekommen. Und so bin ich noch zufriedener mit meiner Arbeit, deren hierarchische Strukturierung mich allerdings zuweilen an die Grenzen meiner Belastbarkeit bringt. Seit ich nach Stunden bezahlt werde (der Satz liegt mit $12,50 fast beim deutschen Mindeslohn für Postangestellte, gleichzeitig leide ich unter dem starken Euro, von dem wir aber sonst sehr profotieren), fällt es mir auch etwas leichter, mehr als 60 Wochenstunden an meinem Arbeitsplatz zu verbringen.

Ein weiterer Trost sind die vielen deutschen Journalisten, die ich über ihre Steuererklärungen kennenlerne. So wirke ich sowohl bei der Steuererklärung des neuen Spiegelchefredaktuers als auch bei der noch komplizierteren seines Konkurenten, der Spiegel-Chef in Washington geworden ist, mit.
Meine deutsches Eigentum hat mich diese Woche für ein deutsches Siegel auch in die deutsche Botschaft gebracht, wo der Botschafter sehr nett, gleich um die Ecke der Braxton'schen Villa residiert.

die sich erstaunlich mutig gegenüber amerikansichen Zahlungssitten abgrenzt.

Und immerhin sind wir endlich auch dabei, unser amerikanisches Sozialleben etwas auszubauen

Bei den Aufklebern am Kühlschrank ist noch keine Entscheidung gefallen, was die Journalisten mehr nervt als mich, der ich weiterhin Spaß an den Fernsehwahlabenden habe, oft das einzige wozu die Energie noch reicht, wenn ich um halb 9 von der Arbeit komme.

Aber die Aussichten sind gut. Nach dem 15. April werde ich wieder viel in der Sonne sitzen können und unsere Ausflugszielen können auch wieder weiter sein, obwohl wir auch an Sonntagnachmittagen Spaß an amerikanischen Zielen in der näheren Umgebung haben.

Und dann gibts auch wieder mehr Berichte im Blog...