Da wir im sozialen Leben etwas träge sind, waren wir zu keiner Familienfeier eingeladen, haben aber trotzdem ein sehr schönes Festessen kreiert, mit den traditionellen Süßkartoffeln, Pumpkin Pie und mit frischem Fisch vom Markt.
Thanksgiving, das immer am letzten Donnerstag im November gefeiert wird und auf eine alte Tradition englicher Siedler zurückgeht, ist in der Bedeutung vergleichbar mit dem deutschen Heiligen Abend. Da viele zu ihrer Familie reisen, ist das Thanksgiving-Wochenende das reiseintensivste in den USA. Schon seit Wochen gab es dramatische Fernsehberichte, welches Verkehrschaos zu erwarten sei. Die Bahn hat ein spezielles Fahrplanheft (!!!) für dieses Wochenende gedruckt, aber die meisten Reisen finden mit dem Flugzeug statt. Das Chaos im - auch an normalen Wochenenden - völlig überlasteten Flugverkehr ist zwar ausgeblieben, aber gestern abend gab es am Flughafen lange Schlangen am Taxistand, so dass der öffentliche Bus zum Flughafen, der nur stündlich fährt, endlich einmal gut genutzt wurde.
Und tatsächlich: zum ersten Mal seit ich hier bin, haben am Donnerstag abend die Läden geschlossen und es wurde spürbar ruhiger auf den Straßen. Noch überraschender für uns: auch das ganze Nachtleben war zum Erliegen gekommen. Schon die U-Bahn hatte so wenig Fahrgäste, dass der Fahrer extra auf uns warten konnte. Und dann waren sämtliche Kneipen geschlossen, obwohl wir erwartet hatte, dass es auch hier Menschen geben muss, die nach dem Thanksgiving-Dinner, das schon am Nachmittag stattfindet, der Familie entfliehen wollen. Aber zum Glück war auf unsere Stammkneipe "J.R.'s" Verlass.
Aber nur eine kurze Pause. Am Freitag öffneten die ersten Kaufhäuser schon um 4 Uhr morgens um den Ansturm am umsatzstärksten Tag des Jahres, dem Black Friday, zu bewerkstelligen. Und ein Fest jagt das andere: auf einmal ist alles auf Weihnachten ausgerichtet
Und so sind wir zum Feiern ins vertraute Rehoboth an der Atlantikküste gefahren und haben dort wieder ein traumhaftes Sonnenwochenende verbracht
Und während es in der kleinen schwulen Community-Kneipe eine sehr witzige Drag-Show gab (die Fotos folgen noch), wurde draußen der Weihnachtsbaum bei amerikanischen Weihnachtsliedern des Methodist Church Choir entzündet. Allersings waren weder der Gesang noch der Baum so schön, dass es eine Fernsehliveübertragung gerechtfertigt hätte. Aber das amerikanische Selbstbewusstsein ist eben stark ausgeprägt.