Thursday, September 16, 2010

Primaries auch in DC

Während über die Primaries für die "Midterm-Elections" im November auch in Deutschland berichtet wurde (vor allem wegen der Siege der durch Sarah Palin tweets unterstützen konservativen tea-party Kandiaten), hatte die Vorwahl, die am Dienstag in DC stattfand keine internationale Bedeutung. In einer Stadt mit 85-95%iger demokratischer Wählerschaft wird der Bürgermeister nicht bei der eigentlich Wahl gewählt (die auch am 2. November stattfinden wird) sondern bei der demokratischen Vorwahl. Würde man nicht davon ausgehen, dass der junge, dynamische, gutaussehende Amtsinhaber, der in den letzten Jahren viele langjährige drängende Probleme wie z.B. das katastrophale oeffentliche Schulsystem und die hohe Kriminalitätsrate effektiv angegangen hat, und zudem mit wesentlich mehr Wahlkampfspenden ausgestattet war, gewinnen sollte?

Erstaunlicherweise hat sein Herausforderer Vinecent Gray gewonnen, der die Unterstützung der schwarzen Bevoelkerung hatte, die einen (zwar zurückgehenden aber immer noch mehrheitlichen) Anteil von 54% der Bevoelkerung stellt. Dem ebenfalls schwarzen Amtsinhaber Adrian Fenty ist es einerseits nicht gelungen, der schwarzen Bevoelkerung zu vermitteln, dass die Loesung des Schulproplems und der Kriminatlitätsproblematik wichtige Voraussetzung für die Verbesserung ihrer Situation sind. Anderseits kann ich auch gut verstehen, dass die Bewohner der schwarzen Stadtteile, in denen die Arbeitslosenrate bis zu 30% beträgt und ein Grossteil unterhalb der Armutsgrenze lebt, sich vernachlässigt fühlten und ungeduldig sind. Dass sie deshalb vielleicht etwas mehr Aufmerksamkeit und Zusprache bedürfen, konnte nicht nur der Bürgermeister nicht verstehen sondern auch alle Menschen in meinem Umkreis, mit denen ich darüber gesprochen habe und die als Weisse (natürlich) Fenty gewählt haben. Mit Obama sind hier also noch lange keine "post-racial" Zeiten angebrochen.

Sunday, September 12, 2010

11. September



Naja, so sind sie halt die Amis... Für uns wars doch mehr der Abschied von Strand und Sommer, am zweiten Tag waren die Temperaturen dann doch nur noch etwas über 20 Grad, das Wasser aber immer noch bei 22 Grad.

Die eigentliche Attraktion war aber der Kleinwagen, der uns als billigster Mietwagen netterweise zugewiesen wurde.

Monday, September 6, 2010

Labor Day

Bei Temperaturen um die 30 Grad kann man eigentlich nicht vom Ende des Sommers sprechen, aber wie jedes Jahr endet der offizielle Sommer in den USA mit dem ersten Montag im September, die Schule fängt wieder an, das politische Leben wir wieder intensiver und auch für mich fängt nach vielen Urlauben die Arbeit mit der kleinen Herbst-tax-season wieder an. Oft bedeutet Labor Day auch lange Rückreisestaus, die wir auch auf unsrer Reise an der Westküste und zum Grand Canyon und anderen Nationalparks erlebt haben (Bericht folgt noch).

Auch Obama ist wieder aktiv und hat heute den Walkampf für die Mid-Term-Elections, bei denen die Demokraten ihre Mehrheiten in beiden Häusern verlieren könnten, mit einer Rede in (der deutschen Beer und Golda-Meir-Jugendstadt) Milwaukee, Wisconsin, eröffnet. Bei meinem gestrigen Umstieg am Flughafen Milwaukee hätte ich ihn fast treffen können.

Da die Wirtschaft trotz des großen Konjunkturprogramms, auf dessen Projekte man überall hingewiesen wird, in weiterhin schlechtem Zustand ist, wird sie das Hauptthema im Wahlkampf sein. Gemeinerweise wird der Zustand Obama angelastet, während der einzige Lösungsvorschlag der Republikaner Steuersenkungen sind.
Aber auch einige echte ArbeiterInnen waren am Labor-Day aktiv, der seit 1882 begangen wird und (von den Gewerkschaften organisiert) eigentlich die Stärke und gesellschaftliche Bedeutung der ArbeiterInnen betonen soll.

Das Verschwinden der Gewerkschaften macht sich nicht nur in weniger Labor Day Demonstrationen bemerkbar, sondern auch im Verhältnis von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Worüber nur in wenigen Medien berichtet wird: Die Unternehmen haben die Krise genutzt, um Arbeitskräfte abzubauen und so die Produktivität der verbliebenen zu steigern. Aber während die Unternehmen ihre Gewinne seit dem Tiefpunkt der Krise um $388 Mrd. steigern konnten, stiegen die Löhne um nur $68 Mrd. Bei den Banken sieht es noch schlimmer aus. Noch deutlicher wird die Machtlosigkeit der ArbeiterInnen aber bei den Krankenversicherungskosten, die ja auch hier zu einem Teil von den Arbeitgebern getragen werden: Während die Prämien der ArbeitnehmerInnen seit der Krise um 13,7 Prozent stiegen, sanken die Anteile der Unternehmer um 0,9%. Fast ohne Gewerkschaften und Arbeitnehmerrechte kann man hier sowas einfach machen. Leider wird das wohl kein Thema bei den Wahlen sein.