Komischerweise sind die Amis ganz geduldig beim Schlange stehen, ob im Supermarkt oder auf der Post, und so auch gestern. Aber wo ist hier das Ende der Schlange?
Obama ist es auf jeden Fall gelungen, unglaubliche Massen und vor allem auch junge Menschen zu mobilisieren. Um mich herum in der Schlange meinten die (älteren, politisch wohl geübten) Leute, sie könnten sich nicht erinnern, so etwas schon einmal erlebt zu haben. Und auch die Fernsehübertragungen von seinen Reden lassen einen spüren, wie sehr das Publikum von ihm in Bann gezogen wird.
Nach einer Stunde in der - immerhin sonnigen - Kälte dann die Meldung, es gäbe "security issues". Und man sah auch schon die Sicherheitsleute auf dem Dach des modernen Schulgebäudes:
Sowohl Obama als schwarzer Kandidat, als auch Hillary als Ex-First Lady standen von Anfang der Kampagne an unter besonderem Sicherheitsschutz. Nach einer weiteren halben Stunde endlich im Saal angekommen, in dem komischerweise noch nicht so richtig Stimmung war:
Erst nach einer Weile kapierte ich, dass ich es nur in den overflow-Saal geschafft hatte, auch das hatte die anderen nicht sonderlich gestört, wie mir schien, von den Obama-Volunteers war niemand mehr zu sehen, die waren alle im Hauptsaal.
Dafür machte ich mich dann am Abend noch einmal ins 20 Meilen entfernte Bowie, Maryland, auf, wo Hillary im Prince George County (mit sehr hohem schwazen Bevölkerungsanteil) auf dem Campus der schwarzen Universität auftreten sollte. Nach einer halben Stunde Warten in klirrender Kälte, aber bei guter Stimmung, umringt von hauptsächlich älteren Frauen, Sicherheitskontrollen wie am Flughafen:
Auch hier mehrere tausend Menschen, die mit großer Begeisterung auf Hillary warteten:
Die halbstündige Rede war zwar engagiert, aber ich hätte sie fast auswendig mitsprechen können, so wie wir zu Hause vor dem Fernseher auch die Stichworte immer schon einwerfen können:
Und trotzdem war es ein anderes und auch schönes Gefühl, dies nun auch einmal live erlebt zu haben.
Wahrscheinlich noch wichtiger als die Rede, war aber das anschließende Hände Schütteln, Autogramme geben und mit Hille fotografiert werden.
Und dann der große Moment. Ganz unerwartet drehte sie sich um und wenn ich gewollt hätte, hätte auch ich ihr die Hand geben können:
Nachdem ich mittags bei Obama dachte, dass er meine krtische Haltung ihm gegenüber nicht anders verdient hat, wenn er mir die Teilnahme nicht ermöglichte, hätte ich nun doch gerne den Unterschied zwischen seinem und ihrem Auftritt kennengelernt.
Was mich aber am meisten bewegte: Auch wenn sich Hillary intensiv auf die einzelnen Anhänger eingelassen hat: es wirkte mehr wie ein ein unpersönlicher Automatismus, was kein Wunder ist nach einem Jahr, in dem sie täglich drei solcher Auftritte hatte. Und sie tut mir auch Leid, denn ihre Chancen scheinen immer schlechter zu werden und ich glaube, dass sie eine sehr fleißige und engagierte Frau ist, die es verdient hätte, die erste Präsidentin der USA zu werden.