Friday, February 1, 2008

Primaries

Endlich ist nicht nur das Wochenende erreicht, sondern auch der erste Polit-TV freie abend seit einer Woche. Angefangen mit den demokratischen Primaries in South Carolina, bei denen die Schwarzen Obama wählten, die weißen Männer den inzwischen ausgeschiedenen John Edwards und die weißen Frauen Hillary. Am Montag dann die letzte, jährlich stattfindende "State of the Union" - Rede Bushs, die unglaublich zelebriert wurde und bei der aus lauter Stolz auf ihre Nation auch die Demokraten dem schlechtesten Präsidenten aller Zeiten an vielen Stellen zujubelten. Am Dienstag dann die republikanischen Vorwahlen in Florida, die wie Wahlabende in Deutschland sind, nur dass sie z.Zt. eben wöchentlich stattfinden. Höhepunkt auch hier, wenn die Politiker vor die Kamera treten. Und wenn das gleichzeitig passiert, muss auch schonmal der laptop mit aushelen:

Am Mittwoch dann die 15. Fernsehdebatte der republikanischen Bewerber und am Donnerstag die 17. der demokratischen. Fast alle habe ich mitbekommen und trotz der vielen Wiederholungen hat jede wieder ihre eigene Dynamik. Inzwischen allerdings mit schwindender TeilnehmerInnenzahl. Bei den Republikanern geht es nur noch um den Militärmenschen McCain und den Wirtschaftsmenschen Romney. Und bei den Demokraten gestern ein historische Debatte, weil zum ersten Mal entweder eine Frau oder ein Afro-Amerikaner für die Demokraten in den Wahlkampf ziehen wird. Teilweise auch tatsächlich bewegend, weil sich die beiden nach tagelangem Streit untereinander, freundschaftlich gezeigt haben und so auch Begeisterung für die Demokratische Partei erzeugten, die bei den Vorwahlen bisher Rekordzahlen an Wählenden mobilisieren konnte. Aber die Entscheidung zwischen den beiden fällt weiterhin schwer, an unserem Kühlschrank sieht das so aus.

Bei den Republikanern wird die Entscheidung wahrscheinlich am Dienstag fallen, weil bei ihnen das "The winner takes it all"-Prinzip gilt. Heißt: Wer einen der (am Dienstag) zur Wahl stehenden Staaten gewinnt, erhält sämtliche Delegiertenstimmen des Staates. Und es sieht sehr danach aus, das McCain gewinnen wird. Er ist mir von den Republikanern zwar am sympatischsten, weil er keine soo konservative Dumpfbacke ist, wie alle anderen und in vielen Bereichen in der Verangenheit auch kompromissbereit gewesen ist (z.B. illegale Einwanderung, Wahlkampffinanzierung, Umweltschutz). Aber zum einen ist er ein großer Verfechter des Irakkriegs, zum anderen hat er wohl die besten Chancen gegen die Demokraten zu siegen.
Bei den Demokraten wird der Wahlkampf wohl noch länger gehen, weil bei ihnen die Delegiertenstimmen nach dem Verhältnis der Stimmergebnisse verteilt werden. Und obwohl Hillary in den Umfragen führt, hat Obama immer noch Chancen auf die Nominierung. Das gute an einem längeren Wahlkampf ist, dass wir dann auch noch in den Genuss von Auftritten der beiden in unserer Region kommen werden, denn am 12. Februar sind die sogenannten "Potomac Primaries" in DC, Maryland und Virginia.

Und vielleicht habe ich so auch noch die Möglichkeit, mich vom jugendlichen Schwung des neuen Kennedys überzeugen zu lassen, denn für die Wahlen im November hat er laut Umfragen die besseren Chancen gegen die Republikaner zu gewinnen, weil es so viele Leute gibt, die die Clintons nicht mögen. Die große Sorge ist, dass es bei einem Rennen Clinton gegen McCain wieder zu einem republikanischen Präsidenten kommen könnte.
Und so sieht man, dass ich nach fast einem Jahr Wahlbeobachtung, die mir sehr viel Spaß macht und mich mit dem Land und dem politischen Leben so vertraut gemacht hat, schon gar nicht mehr an die eigentlichen Frage denke: Wie sinnvoll ist dieses Wahlsystem? Müssen die Demokraten 300 Millionen Dollar ausgeben, um sich gegenseitig zu bekämpfen? Wo haben Minderheitenmeinungen oder radikalere Positionen in diesem System eine Chance und um welche Inhalte geht es überhaupt noch...