Thursday, October 25, 2007

Annapolis

Nachdem er fast 7 Jahre nichts für den israelisch-palästinensischen Frieden getan hat, möchte George W. nun noch schnell eine Konferenz einberufen, Ende November wohl, aber bis auf den Ort ist noch nichts klar. Nachdem die beiden letzten Konferenzen (noch unter Clinton) in Wye River (1998) und Camp David (2000) misslangen, möchte man dieses Mal einen neuen, noch unbeschadeten Ort nehmen und hat sich für die Naval Academy in Annapolis entschieden:


Ähnlich wie die beiden anderen Orte liegt Annapolis im Umland von Washington (25 Meilen entfernt), so dass wir uns den (vielleicht historisch bedeutend werdenden) Ort am Wochenende schon mal angesehen haben. Und wir waren begeistert. Die kleine und verschlafene Hauptstadt des Bundesstaates Maryland hat eine sehr nette und gut erhaltene Altstadt. Und als diese wie jede Staatshauptstadt ein eigenes Kapitol:

das wiederum auch einen eigenen Senat hat

Über den für die Bedeutung der Stadt wichtigen Hafen an der Chesapeake Bay sind ab dem 17. Jahrhundert auch viele afrikanische Sklaven angekommen. Unter ihnen auch die Vorfahren von Alex Haley, dessen Buch und Film "Roots" mir noch aus meinen Kindertagen in Erinnerung ist und dem in Annapolis ein Denkmal gewidmet ist.

Die Sklaven mussten u.a. auf den umliegenden Plantagen arbeiten, von denen noch einige schöne Gutshäuser zu sehen sind.

Nach einem Dürrerekord von 35 Tagen ohne Regen sieht der Mais, der hier überall für die Ethanol-Produktion angebaut wird und so kräftig gedüngt werden muss, dass die umliegenden Gewässer schon starkt verschmutzt sind, alledings nicht mehr gut aus.

Die für die Gegend typischen Crab-Cakes (Krebs-Frikadellen)im sehr amerikanischen Strandrestaurant haben aber trotzdem gut geschmeckt.

und der Reiseführer hat nicht zu viel verpsrochen, dass man hier die USA im Kleinen kompakt besuchen kann. Das sollte Anreiz, auch für Kurzbesucher sein...

Monday, October 22, 2007

Das Ende der Freiheit

Nicht nur der Sommer geht zu Ende (obwohl es immer noch fast 30 Grad warm ist, nur die Näcchte sind schon kälter und die Bäume bunter), sondern ich musste letzte Woche meine Hemden hierhin bringen:

Fast an jeder Ecke gibt es hier Wäschereien, alle fest in koreansicher Hand und Bügeleisen scheint es nicht zu geben. Aber das ist auch gut so, denn meine freie Zeit ist auf einmal sehr eingeschränkt: Seit heute mache ich ein Praktikum bei einem Steuerberater, in der Hoffnung, mehr über amerikanische Steuern und Buchhaltung zu erfahren. Und wie das im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist, weiss er auch, wie ich dafür Geld bekommen kann...
Leider ist das Büro in Alexandria, das auf der anderen Seite des Patomacs schon in Virgina liegt. Da der schöne Radweg über den Patomac und am Flughafen vorbei

zu lang ist, gehöre ich jetzt auch zu den Metro-Pendlern, die sich über die neuen langen Züge freuen:

Eine harte Umstellung also, nicht den körperlichen Ausgleich zum Büroarbeitstag zu haben, Hemden tragen zu müssen und eine stärkere Hierarchie und Arbeitsteilung zu erleben. Nach einem langen, schönen und erholsamen Sommer mit intensivem Kennenlernen von Land und Leuten, muss ich mich erst wieder an ein Arbeitsleben gewöhnen. Aber ich freue mich sehr, nun endlich an meiner beruflichen Perspektive in den USA zu arbeiten.

Wednesday, October 17, 2007

Rettungskampagnen

Die taz-Rettungskampagnen waren immer so einprägsam, dass viele Leute meinen, es würde sie jährlich geben, obwohl es sie meist nur alle vier Jahre gab und seit der letzten im Jahr 2000 sogar keine mehr notwendig war.
Hier gibt es sie noch und zwar sogar mehrmals im Jahr in Form von Membership Campaigns für NPR (National Public Radio), das hier glücklicherweise die vielen privaten Radiosender seit 40 Jahren durch ein sehr interessantes, kritisches und qualitativ gutes Programm ergänzt.

Neben den stündlichen nationalen Nachrichten aus Washington und Programmen mit Hintergrundberichten (Morning Editon, All things considered...), gibt es über die USA verteilt auch entsprechende lokale Sender, die auf der jeweiligen NPR-Welle in kleinen Fenstern ihre lokalen Nachrichten und Berichte unterbringen können.
Da dies aber kein öffentlich-rechtliches über die GEZ finanziertes Programm ist, muss sich NPR über Sponsoren und seine Hörer (die ein Drittel des Budgets aufbringen) finanzieren. Und um immer wieder genügend Spenden und Mitglieder zu bekommen, gibt es mehrmals im Jahr eine ganze Woche lang diese Mitgliedskampagnen.
Und die erinnern dann sehr and die taz-Rettungskampagnen, wenn auch nicht ganz so originell. Das Programm wird ständig durch lange Aufrufe, Berichte und Interviews unterbrochen, die zeigen, wie wichtig es ist, dass man spendet oder Mitglied wird. Es gibt natürlich auch Prämien in Form von Tassen, Regenschirmen, Büchern usw.
Und für die ganze Woche gibt es jeweils ein Ziel wieviel eingeworben werden soll und den Anreiz dass die Kampage einen Tag früher enden kann, wenn das Ziel vorher erreicht ist. Und das wird dann wiederum auf Tages- und Stundenziele heruntergebrochen und ständig berichtet, wieviele neue Mitglieder in der aktuellen Stunde noch fehlen oder um wie viele Spenden das Ziel der Vorstunde übertroffen wurde.
Und immer wieder die Frage, ob man auf die Nachrichten oder diese und jene Sendung verzichten wolle. Wenn nicht, dann solle man jetzt anrufen! (Das gleiche gibt es auch im Fernsehen für die entsprechenden PBS (Public Broadcasting Service) – Sender.)
Wer das einmal erlebt hat, wünscht sich eine relativ harmlose und originell taz-Kapagne zurück. Aber ich bin sehr froh, dass es diese Sender gibt und greife manchmal fast zum Spenden-Hörer. Und es zeigt, dass viele Bürger bereit sind, die finanziellen Leistungen zu übernehmen, die der Staat hier nicht gewährt. Und da ist der Rundfunk natürlich nur ein Bereich von vielen.

Friday, October 12, 2007

L'Enfant Plaza

Auch seit der Rückkehr aus dem Sommerurlaub arbeite ich weiterhin einen Tag pro Woche im Holocaust-Museum, allerdings in einem ausgelagerten Büro. Ich bin immer noch in der gleichen Abteilung, der Survivors Registry tätig, aber an einem anderen Projekt.
Das Gebäude liegt an einem zentralen Platz nahe der National Mall mit einer großen Metrostation, der nach dem ersten und die Stadt prägenden Stadtplaner Washingtons benannt ist. Herr L'Enfant soll aber - so erzählt man - eine solche Diva gewesen sein, dass er schon nach kurzer von den Stadtvätern entlassen werden musste. Und sein französicher Name wird sehr schön englisch ausgesprochen. Der Platz besteht aus hässlichen Gebäuden, die der berühmte Architekt I.M.Pei wie so viele andere Gebäude in DC in den 50er und 60er Jahren in einem brutalen modernen Stil gebaut hat:

Immerhin erinnert der Platz an später viel berühmter gewordene Plätze:

Im neuen Büro habe ich jeden Donnerstag meinen eigenen "Cube", ein kleines Kästchen im Großraumbüro, wie das hier die Regel ist:

Das Projekt, an dem ich arbeite, gehört zum Victim List Project. Ähnlich und parallel zur Zwangsarbeiterstiftung in Deutschland gab es 2000 auch eine Einigung mit den Schweizer Banken, die Guthaben von Opfern des Naziregimes verwaltet haben, das sog. Swiss Banks Settlement. Nach einer Sammelklage und ausführlichen Gutachten zur Schätzung der Guthaben einigte man sich auf eine Summe von 1,25 Mrd $, die bisher an über 430.000 betroffene Juden, Roma, Zeugen Jehovas, Homosexuelle und Behinderte ausgezahlt wurden. Von der Gesamtsumme sind 10 Mio für das Victim List Project vorgesehen, mit dem sämtliche bestehenden Namenslisten von Holocaust-Opfern katalogisiert werden sollen. Gemeinsam mit Yad VaShem hat das Holocaustmuseum schon 20.000 Listen zugänglich gemacht, aber viele warten noch (meist microverfilmt) auf ihre Erfassung:

Mein sich sehr langsam fortbewegender Microfilm enthält die täglichen Veränderungsmeldungen aus dem Konzentrationslager Buchenwald, die die Nazis mit großer Akribie geführt haben. Leider ein etwas eintöniger Einblick in das Schicksal von 250.000 Häftlingen in einem der größten Konzentrationslager auf deutschem Boden, von denen ca. 56.000 umgekommen sind.
Aber das könnte sich bald ändern...

Wednesday, October 10, 2007

Columbus Day

Schon wieder ein Feiertag diese Woche, dessen Bedeutung man nicht groß erklären muss. Immerhin habe ich dadurch im Vorbeifahren mitbekommen, wen das Denkmal vor dem Hauptbahnhof ehrt:



Aber leider kein Feiertag für alle: Für die Ureinwohner Amerikas war die Ankunft von Christopher Columbus kein Freudentag. Immerhin heisst der Feiertag auf Hawai "Discoverers' Day" und in Alabama "American Indian Heritage Day/Columbus Day". Ein jährlich zum Columbus Day eingebrachter bundesweiter Gesetzentwurf, der einen Native American Heritage Day einführen soll, um die Beiträge der amerikanischen Ureinwohner für die USA zu würdigen, ist aber bisher immer gescheitert. Bei den traditionellen Protesten gegen die Columbus Day Parade in Denver sind auch in diesem Jahr wieder 83 Blockierer der Parade festgenommen worden.
Sonst war wie bei den meisten Feiertagen in der Stadt nicht viel zu spühren, denn bis auf öffentliche Bedienstete (die in DC durch den Regierungssitz zahlreich sind)müssen alle normal arbeiten. Und die Geschäfte haben nicht nur normal offen, sondern scheinen der Hauptgrund für die Feiertage zu sein. Die zentnerschweren Werbeibeilagen hatten alle nur ein Thema:

Das bringt die Rabatt-geilen Amerikaner noch mehr als sonst zum Shoppen in die großen Malls vor den Toren der Stadt. Immerhin: im Nachbarstaat Virginia waren alle umweltfreundlichen Protukte wie z.B. Energiesparlampen über das Feiertagswochenende von der Mehrwertsteuer befreit.
Wir hingegen haben das letzte (Temperaturrekorde brechende) hochsommerliche Wochenende mit einem Ausflug zum traumhaften Atlantikstrand genutzt. Uns fiel im Straßenbild schon auf, dass so viele Windhunde zu sehen waren:

bis sich dann herausstellte, dass wir mitten ins "Greyhound Reach the Beach" Wochenende geraten waren mit tausenden teilweise international angereisten Windhunden. Und da diese dünnen Tiere so empfindlich sind, wurden extra Hundezelte für sie aufgebaut. Wie gut, dass sie sonst nicht an den Strand dürfen...

Friday, October 5, 2007

FAQ - wie bekomme ich einen JOB?


Seit vorgestern läuft sie wieder, die bekannte greencard-Lottery, bei der einmal jährlich 50.000 dauerhafte Aufenthaltsvisa für die USA verlost werden.
Bei 5,5 Millionen Teilnehmern im letzten Jahr ist die Gewinnchance mit ca. 1:100 gar nicht so schlecht und ich werde auch in diesem Jahr wieder mitmachen. Denn sonst sind die Chancen wesentlich schlechter: Die einzige Visumsmöglichkeit für mich ist ein Arbeitsvisum für qualifizierte Fachkräfte. Dieses Visum ist auf 65.000 pro Jahr begrenzt, man kann sich nur einmal im Jahr, nämlich ab dem 1. April für ein Visum ab dem 1. Oktober bewerben. In diesem Jahr war der Andrang wie immer so groß, dass die zuständige Behörde alle Anträge ab dem 2. April ablehnte, weil es schon zu viele Bewerbungen gab. Erschwerend kommt hinzu, dass das Visum in einem aufwändigen und teuren bürokratischen Prozess vom Arbeitgeber beantragt werden muss, so dass mir die deutsch-amerikanische Handelskammer diese Woche einmal wieder bestätigte, dass es eher unwahrscheinlich ist, eine Stelle zu finden. Auch die deutschen Institutionen und Firmen hier können nur sehr begrenzt deutsche Fachkräfte entsenden, alle Tätigkeiten, die auch von Amerikaner ausgeführt werden können, müssen mit lokalen Kräften besetzt werden. Leider ist meine berufliche Qualifikation eher für diese Stellen geeignet, bei denen in den Ausschreibungen aber immer schon steht: "wir setzen ein amerikaniches Arbeitsvisum voraus".
Die Anzahl der jährlichen Visa wurde nach dem 11. September 2001 stark reduziert und eine geplante Verdoppelung scheitert zur Zeit an der Angst, damit illegalen Einwanderern mehr Chancen zur Legalisierung ihres Zustandes zu ermöglichen.
Es gibt noch eine kleine Möglichkeit über ein "Trainee"-Programm leichter ein Visum zu bekommen, aber auch dafür muss man erst einen Arbeitgeber finden, der sich darauf einlässt. Und bei dem die Hoffnung besteht, aus dem einjährigen Trainee-Programm irgendwie in eine geeignete Stelle zu rutschen. Ein nur sehr kleiner Trost: auch ordentlich heterosexuell verheiratete Partner leiden unter diesen Bedingungen.

Tuesday, October 2, 2007

Oktoberfest

Als Deutscher bin ich schon in vielen Ländern der Welt auf das Oktoberfest angesprochen worden und musste mich sehr zum Unverständnis outen, dass ich kein Bier mag. Die Begeisterung für Oktoberfeste scheint hier aber so groß zu sein, dass jeder Ort, jeder Stadtteil und viele Kneipen und Restaurants ihre eigenen Oktoberfeste veranstalten und so war auch bei uns in Capitol Hill am Wochenende eines:

Wie man sich vorstellen kann, war das Biertrinken wieder nur eingeschränkt und hinter Gittern möglich, aber eine ganze Maß würden die Amis wahrscheinlich nicht schaffen

Die passenden kulinarischen Angebot wirkten allerdings sehr international, dafür gab's aber richtige Dirndl und orginal Musik

Aber woher kommt diese große Beigeisterung? Für mich überraschend war, dass die Deutschen mit 17% (50 Millionen) aller Amerikaner die größte Vorfahrengruppe darstellen, noch größer als die der Engländer und Iren. Und das macht sich auch bemerkbar, sehr oft treffe ich auf Amerikaner, deren Vorfahren aus Deutschland kamen. Der größte Teil von ihnen ist netterweise über das vertraute Bremerhaven ausgewandert. Bis zum 1. Weltkrieg wurde die deutsche Kultur und Sprache auch noch intensiv gelebt und gesprochen, nach 1917 wurde dann aber fast überall der deutsche Schulunterricht oder deutsche Gottesdienste eingestellt. Aber selbst in DC gibt es auch heute noch die Amerika Woche, eine deutsche Wochenzeitung, die - mit Hilfe von dpa - hauptsächlich über Deutschland berichtet. Am interessantesten sind aber darin die Berichte und Anzeigen über z.B. den Delaware Sängerbund, die Bauern-Stube in Orlando oder die Heidelberg Bakery.
Lästern auf Deutsch auf offener Straße ist auch gefährlich, erstaunlich viele Amerikaner haben in der Schule oder bei ihrem Militäraufenthalt in der BRD Deutsch gelernt und wir werden immer wieder auf Deutsch angesprochen.
Aber die Oktoberfestbegeisterung? Die habe ich auch in München noch nicht verstanden, aber ich muss zugeben, dass ich noch nicht an den entsprechenden Tagen in der Bräu Rosl oder bei der Fischer Franz war...