Während es am hässlichen neuen World War II Memorial für die 400.000 amerikansichen Gefallenen des 2. Weltkriegs relativ ruhig war, fand eine der Hauptveranstaltungen am bekannten Vietnamkriegs-Mahnmal statt, in dessen Wand die Namen der fast 60.000 Gefallenen eingeritzt sind und das den 25. Jahrestag seiner Einweihung beging.
Dass Krieg und Militärdienst in diesem Land eine andere Rolle spielen, habe ich in den letzten Monaten schon intensiv mitbekommen. Auch die Information, dass täglich 1.000 amerikanische Veteranen aus dem 2. Weltkrieg sterben, hat mich sehr beeindruckt. Aber jetzt eine Vielzahl von Veteranen an diesem Mahnmal zu sehen, war noch einmal ein anderes Erlebnis
Neben allem Patriotismus gab es zum Glück auch kritische Stimmen, ein Stand von den Veteranen gegen Krieg, die ja auch intensiv für ein Ende des Irak-Kriegs kämpfen, wäre an diesem Tag aber wahrscheinlich zu viel gewesen...
Und am Nachmittag dann ein weiteres eindrückliches Ereignis. Auf dem Congressional Cemetery in Capitol Hill gibt es das Grab eines schwulen Vietnamkriegsgefallenen mit dieser Inschrift
Auch hier gab es eine Gedenkveranstaltung für schwule Gefallene und Veteranen, die allerdings so klein war, dass ich meinen neutralen Beobachterstatus nicht aufrechterhalten konnte.
Nicht nur wegen der kritiklosen Würdigung von Kriegen bei solchen Veranstaltungen, sondern auch deshalb unangenehm, weil Schwulen der Militärdienst offiziell verboten ist. Unter Bill Clinton wurde zwar der Kompromiss "Don't ask, don't tell" eingeführt, der beduetet, dass Schwule so lange dienen können, wie es geheim bleibt. Sobald es aber öffentlich wird werden sie aus dem Militärdienst entlassen. Interessanterweise haben die Entlassungen in den letzten Monaten stark abgenommen. Hat das wohl mit den Rekrutierungsproblemen aufgrund des Irakkriegs zu tun?
Für mich trotzdem unverständlich, warum sich Schwule unter diesen Bedingungen freiwillig zum Kriegsdienst melden können. Alle demokratischen PräsidentschaftsbewerberInnen sagen, sie würden "Don't ask, don't tell" in ihrer Präsidentschaft abschaffen, aber genauso geschlossen sind die republikanischen Kandidaten: sie sind alle der Meinung, dass eine Änderung dieses Gesetzes in Kriegszeiten zu gefährlich ist...