Sunday, November 18, 2007

Veterans Day

Ein Feiertag folgt dem nächsten, so dass ich kaum nachkomme, sie alle zu erwähnen. Allerdings haben an den meisten Feiertagen nur die öffentlichen Bediensteten frei, eine komische Ungleichheit und diesmal gehörte ich auch zu den Arbeitenden. Die Veranstaltungen fanden aber zum Glück am Tag davor, dem Sonntag statt.

Während es am hässlichen neuen World War II Memorial für die 400.000 amerikansichen Gefallenen des 2. Weltkriegs relativ ruhig war, fand eine der Hauptveranstaltungen am bekannten Vietnamkriegs-Mahnmal statt, in dessen Wand die Namen der fast 60.000 Gefallenen eingeritzt sind und das den 25. Jahrestag seiner Einweihung beging.

Dass Krieg und Militärdienst in diesem Land eine andere Rolle spielen, habe ich in den letzten Monaten schon intensiv mitbekommen. Auch die Information, dass täglich 1.000 amerikanische Veteranen aus dem 2. Weltkrieg sterben, hat mich sehr beeindruckt. Aber jetzt eine Vielzahl von Veteranen an diesem Mahnmal zu sehen, war noch einmal ein anderes Erlebnis

Neben allem Patriotismus gab es zum Glück auch kritische Stimmen, ein Stand von den Veteranen gegen Krieg, die ja auch intensiv für ein Ende des Irak-Kriegs kämpfen, wäre an diesem Tag aber wahrscheinlich zu viel gewesen...

Und am Nachmittag dann ein weiteres eindrückliches Ereignis. Auf dem Congressional Cemetery in Capitol Hill gibt es das Grab eines schwulen Vietnamkriegsgefallenen mit dieser Inschrift

Auch hier gab es eine Gedenkveranstaltung für schwule Gefallene und Veteranen, die allerdings so klein war, dass ich meinen neutralen Beobachterstatus nicht aufrechterhalten konnte.

Nicht nur wegen der kritiklosen Würdigung von Kriegen bei solchen Veranstaltungen, sondern auch deshalb unangenehm, weil Schwulen der Militärdienst offiziell verboten ist. Unter Bill Clinton wurde zwar der Kompromiss "Don't ask, don't tell" eingeführt, der beduetet, dass Schwule so lange dienen können, wie es geheim bleibt. Sobald es aber öffentlich wird werden sie aus dem Militärdienst entlassen. Interessanterweise haben die Entlassungen in den letzten Monaten stark abgenommen. Hat das wohl mit den Rekrutierungsproblemen aufgrund des Irakkriegs zu tun?
Für mich trotzdem unverständlich, warum sich Schwule unter diesen Bedingungen freiwillig zum Kriegsdienst melden können. Alle demokratischen PräsidentschaftsbewerberInnen sagen, sie würden "Don't ask, don't tell" in ihrer Präsidentschaft abschaffen, aber genauso geschlossen sind die republikanischen Kandidaten: sie sind alle der Meinung, dass eine Änderung dieses Gesetzes in Kriegszeiten zu gefährlich ist...

John Philip Sousa

Auch wenn Washington DC weltweit bekannt ist, gibt es wenige bekannte aus Washington stammende Persönlichkeiten. Das angeblich bekanteste Kind der Stadt ist John Philip Sousa, der am 6. November in einer unserer Nachbarstraßen in Capitol Hill geboren

und in der benachbarten Kirche getauft wurde. Während sein Vater aus einer portugiesischen Famile stammte, kam seine Mutter, Maria Elisabeth Trinkhaus, aus Bayern.

In Deutschland hauptsächlich Blasmusikern bekannt, nicht nur weil er das Sousaphone (eine spezielle Tuba) erfunden hat, sondern weil er hauptsächlich Marschmusik geschrieben hat, hatte ich Glück, ihn auch als Streicher in meinem Berliner Orchester kennenzulernen. Um Musik zu finden, bei der auch alle Bläser mitspielen können, haben wir regelmäßige Sousa-Märsche gespielt. Und die haben uns und dem Publikum Spaß gemacht.
Hier in den USA hingegen wird hauptsächlich Blasmusik gemacht, was mir schon bei der Suche nach einem Orchester aufgefallen ist. Und so ist "The March King" hier allen bekannt, vor allem durch seinen vom Kongress zum "National March of the United States" erklärten Marsch "Stars and stripes forever", der zum Ende der meisten 4th of July-Veranstaltungen gespielt wird.
An seinem Geburtstag, dem 6. November spielt jedes Jahr eine Balskapelle an seinem Grab auf dem benachbarten Congressional Cemetery

Und in diesem Jahr gab es auch einen von der Capitol Hill Historical Society organisierten Vortrag über sein Leben mit sehr netten Fotos aus der Geschichte des Stadtteils, der in einem interessanten Freimaurertempel stattfand:

Und beim anschließenden Geburtstagstortenessen lernte ich aufgrund der amerikanischen Offenheit verschiedene Leute aus der Nachbarschaft kennen, auch ein schwules Paar, das Interesse hat, gemeinsam zu musizieren. Nicht zu Unrecht ist Capitol Hill in diesem Jahr zu einem der zehn lebenswertesten Stadtteilen der USA gewählt worden.