Sunday, June 24, 2007

Bahnfahren

Diese Woche bin ich endlich einmal Bahn gefahren. Abgesehen davon, dass das Streckennetz sehr begrenzt ist, ist Bahnfahren hier leider auch viel teurer. Eine Fahrt nach New York kostet z.B. zwischen 95 und 150 €, je nachdem, wann man bucht und/oder fährt. Eine vergleichbare Strecke in Deutschland kostet 70 € (ohne Bahncard). Und eine Bahncard oder Sonderpreise gibt es leider nicht. Und "Grau"-Fahren ist hier leider nicht möglich, weil das Bahnfahren sehr aufwändig und mit vielen Angestellten organisiert ist, die sich Gedächtnisstützen machen, wer wann kontrolliert wurde:


Günstiger sind Pendlerzüge, die es in einigen wenigen Städten der USA gibt, die aber nur Montags bis Freitags fahren und normalerweise so, dass sie morgens in die Großstadt reinfahren und abend wieder raus.

Für Ausflüge also weder am Wochenende noch in kleinere Städte der Umgebung also ungeeignet. Dasgleiche gilt übrigens für die meisten Busverbindungen außerhalb der Städte. Die bekannte Greyhound-Busgesellschaft bietet nur sehr wenige Strecken und Ziele an und ist meist wegen vieler Zwischenhalte extrem langsam.

Bis in die 20er Jahre des 20.Jh. hatten die USA ein großes Eisenbahnnetz. Doch schon in den 30er Jahren hat sich das Auto so stark durchgesetzt, dass das Eisbahnsterben bereits in dieser Zeit intensiv begann. Gleichzeitig setzte eine große Welle des Auszugs der Menschen in die Vororte ein, die entsprechend nach den Bedürfnisses des Autoverkehrs gebaut wurden. Dass die Pendlerzuüge seit den 80er-Jahren wiederbelebt wurden und auch weiter ausgebaut werden, liegt nur daran, dass es im Berufsverkehr fast unmöglich ist, mit dem Auto in oder aus den Städten zu kommen.

Die Vorortzug oder -metrostationen bestehen meist aus rießigen Parkplätzen und -häusern, zu Fuß oder mit dem Fahrrad kommt man nicht dorthin. Und das heißt auch: sobald abends die breit ausgebauten Straßen wieder leerer sind, käme keiner auf die Idee, mit dem Zug zu fahren. Und somit gibt es wenig Hoffnung auf eine richtige Wiederbelebung des Zugfahrens. Und obwohl hier viele neue Dinge sehr schick gemacht sind, kommt man sich auf den Bahnhöfen eher wie in einer Tiefgarage vor:


Aber großes Glück: Zwischen Washington DC und dem 66 Meilen nördlich gelegenen Baltimore, das wesentlich älter und aufgrund seines großen Hafens eine wirtschaftlich viel größere Bedeutung spielt(e) , gibt es den ganzen Tag über Pendlerzüge (aber nur Montags bis Freitags).

So konnte ich eine Ausflug dorthin machen und mir neben der Stadt auch noch eine Straßenbahnlinie anschauen, die auf der Trasse einer alten Eisenbahnlinie gebaut wurde.

Meine kritische Begutachtung fand ich am Abend bei Wikipedia bestätigt: Obwohl es eine Vorrangschaltung der Straßenbahn gegenüber dem Autoverkehr gibt, ist diese aus politischen Gründen nicht freigeschaltet, was die Konkurrenzfähigkeit stark reduziert.

Zu Anfang war ich beim Reisen übers Land verwundert, dass es viel mehr befahrene Gleise gibt, als ich dies aus dem Kursbuch(heftchen) entnehmen konnte.

Aber während der Personenverkehr per Bahn hier kaum eine Rolle spielt, werden 40% der Güter in den USA per Bahn transportiert, in Deutschalnd sind das nur 13%. Und damit kann man Geld machen, die vielen verschiedenen Eisenbahnunternhemen sind alles börsennotierte Aktienunternehmen. Allerdings ist das mit Abstand am meisten transportierte Gut Kohle, die die Grundlage für 50% der Stromgewinnung in den USA ist. Umweltschutz durch Bahntransport?

Klimaanlagen

Als bisheriger großer Kritiker von energieverbrauchenden, unnatürlichen Klimaanlagen, geniese ich nun doch auch ihre Vorzüge. An immer mehr Tagen hat es hier 35 Grad und eine kaum auszuhaltende Luftfeuchtigkeit. Und im Juli/August soll es noch schlimmer werden. Es gibt kaum einen Ort, der nicht mit einer Klimaanlage gekühlt wird, jedes Auto und jede Wohnung hat natürlich eine, aber auch große Bahnhofshalle und ähnliches werden auf 19°C (!) gekühlt. Und das ist das Wahnsinnige: Die Welt ist so organisiert, dass man auch im Hochsommer einen Anzug tragen kann. Da kaum jemand zu Fuß geht, mit dem Fahrrad fährt oder sich in einem Café im Freien aufhält, lebt man im Sommer eben nur in einer abgekühlten Welt. Selbst wenn es nachts kühler wird, lassen unsere Nachbarn ihre Klimaanlagen durchlaufen, so dass wir wegen des Lärms der Anlagen nur schwer lüften können. Für die Arbeit im Holocaust-Museum muss ich mir einen Pullover mitnehmen und als ich letzte Woche in einem Vortragssaal die Temperatur endlich einmal angenehm fand (vielleicht 21°C), kam zur Begrüßung als erstes die Entschuldigung, dass die Klimaanlage leider nicht richtig funktioniere. Es wird hier (entgegen vieler Vorurteile) viel über Umweltschutz diskutiert, aber die Frage, wieviel CO2-Ausstoß man dadurch sparen könnte, die Temperatur um z.B. 2° weniger zu kühlen, habe ich noch nicht gehört.