
In dieser Woche gab es noch einmal eine hochinteressante und schockierende Dokumentation im amerikanischen Fernsehen, die in vielen Interviews zeigt, welch eine Katastrophe die gesamte Bush-Präsidentschaft darstellt.
FRONTLINE: bush's war | PBS
Auch der Film "In the Valley of Elah", den wir ebenfalls diese Woche gesehen haben, zeigt auf - wenn auch recht "amerikanische" Art - in eindrücklicher Weise die dramatischen Folgen dieses Krieges.
Aber wie bereits erwähnt: Ein ernsthafte Diskussion, über die Zukunft der Irakpolitik ist hier nirgendwo zu finden. Und was tun die PräsidentschaftkandidatInnen? Während sich John McCain im Irak als Staastmann zeigt und mit falschen Aussagen zu AlQuaida die Bedrohungsmasche fährt, wird auf der demokratischen Seite nicht mehr über Inhalte diskutiert. Da die Programme von Hillary und Obama so ähnlich sind, ist das auch schwer möglich, so dass es nur noch um die Persönlichkeiten geht. Das große Thema diese Woche war: Sollte Hillary nicht lieber aufgeben, da ihre Chancen, Obama einzuholen sehr gering sind? Ich bin der Meinung ja, denn auch wenn ich ihr die Präsidentschaft gewünscht hätte, müssen die Demokraten aufpassen, ihre (auch gerade wegen des Irak-Kriegs und der Wirtschaftkrise) guten Chancen im Herbst nicht dadurch zu verspielen, dass sie sich gegenseitig schlecht machen. Und die derzeitigen Umfragen, lassen das befürchten.
Dass Hillarys Gedächtnis an eine Ankunft in Bosnien unter angeblichem Heckenschützenbeschuss flasch ist, ist nicht gerade vertrauenserweckend, dass sie davan aber mit einem stolzen Lachen erzählte, hat sie bei mir noch viel mehr in Misskredit gebracht.
Und auch wenn ich Obamas auf Rhetorik aufgebauter Kampagne kritisch gegenüberstehe, war es doch faszinierend zu sehen, wie er die Massen und vor allem auch junge Leute für politische Veränderungen begeistern konnte. Diese Begeisterung scheint m.E. zur Zeit unter dem "Clinton-Obama-Krieg" zu leiden und es wäre wünschenswert, wenn diese Begeisterung für die Wahlen im Herbst wiederkehren würde.
In dieser Woche gabe es immerhin den ersten sommerlichen Abend, den wir sofort genutzt haben.

Dass es jetzt am Wochenende wieder winterlich kalt geworden ist, hat auch Vorteile: So lässt sich die seit dieser Woche angesagte 7-Tage-Woche leichter ertragen... Während über 1 Million Besucher das National Cherry Blossoming stürmen (über 100 Kirschbäume, die DC 1912 von Japan geschenkt bekam, deren Blütenentwicklung man täglich auch in der Washington Post mit schönen Schaubildern verfolgen kann)

(in meinem zweiten Jahr hier weiderholen sich die Ereigniss, so dass ich auf die letztjährigen Fotos zurückgreifen kann...)
Habe ich das ganze nur aus der Metro gesehen. Das Highlight der täglichen Metro-Fahrt zur Arbeit ist das kurze Auftauchen aus der Erde bei der Fahrt über den Potomac. In Fahrtrichtung das Pentagon (nur für Kenner zu sehen)
Im Blick zurück das Stadtpanorama, auf dem Foto hier nur die Washington und Jefferson Memorials zu sehen, aber man sieht auch den Kongress, die National Cathedral...). Und an Wochentagen dann immer mit Befriedigung der Blick auf die verstopfte Autobahn, während am Wochenende die ökologische Überzeugung herausgefordert ist, die dreifache Fahrzeit in Kauf zu nehmen.

Der Höhepunkte dieser Arbeitswoche: Beim Bestätigen ihres Termins mit Braxton (eine meiner täglichen Aufgaben) und Vorbereiten ihrer Akte kam mir der Name schon vertraut vor. Als ich dann ihre Stimme hörte, war alles klar: Eine der wichtigsten politischen KorrespondentInnen bei CNN, über die wir uns an vielen Fernsehwahlabenden gefreut hatten,
weil sie so erfrischend normal ist, brachte ihr Steuerunterlagen. Und auf diese Art und Weise einen Einblich in die Verdienstmöglichkeiten bei CNN zu bekommen war hochinteressant.Auch wenn ich keinen fundierten Einblick ins amerikanische Steuerrecht habe und bei den Steuererklärungen nur zuarbeite, kann ich doch inzwischen viele Fragen der Kundinnen vor und nach ihren Terminen bzw. der Fertigstellung ihrer "tax returns" beantworten. Diese Herausforderung lässt die viele Zeit, die ich dort verbringe, immerhin ein bischen leichter ertragen. Und am 15. April soll es angeblich Champagner im Büro geben!