Der Schwerpunkt der Kanzlei liegt auf ausländischen Steuerzahlern, vor allem solchen mit einem Journalistenvisum. Mit anderen Worten: ich beschäftige mich mit den Steuererklärungen aller (nicht nur deutscher) Journalisten in DC und lerne die meisten auch kennen, wenn ich sie nicht sowieso schon kenne.
Von den Firmen, die vom Büro betreut werden, sind viele aus dem kulturellen oder Medien-Bereich. Der 63-jährige Braxton hat wohl Spass mit interessanten KundInnen und diese umgekehrt auch mit ihm, denn er ist schon ein Original und interessiert sich nicht nur für Steuern. Auch meine Bewerbung hat ihn besonders wegen meiner Isreael-Erfahrung als Deutscher angeprochen. Mehrmals im Jahr gibt er große Partys in seiner Privatvilla in Georgetown und angeblich kifft er jeden Abend.
Neben Braxton arbeiten noch zwei weitere geprüfte Steuerberater im Büro, von denen der eine so etwas wie Braxtons persönlicher Referent ist und neben den steuertechnischen Sachen auch alle mail- und Computerdinge fuer ihn erledigt. Man kann also auch heute noch ohne Computerkenntnisse ein Steuerberatungsbüro führen.
Neben den 3 Buchhalterinnen, von denen zwei insbesondere die (auch hier komplizierte) Lohnbuchhaltung für diverse Firmen machen, gib es noch das Front-Office mit drei Kollegen plus mir, dem Praktikanten. Einer von diesen ist sowas wie der Büroleiter, seit 10 Jahren im Büro tätig und der Meinung, dass ohne ihn nichts läuft.
| Vordereingang mit Braxtons Büro |
Meine Aufgaben bestehen in erster Linie in praktikanten-typischen einfachen Aufgaben: Die vielen Akten pflegen und (für) Termine vor- und nachbereiten, Telefondienst u.ä. Die größte Herausforderung für das Frontoffice besteht allerdings im "Collating", dem Verschicken der fertigen Steuererklärungen. Wenn die Steuerberater eine Erklärung fertig haben, müssen wir diese kopieren und mit den entsprechenden Belegen, Zahlungsscheinen an die richtigen staatlichen und nationalen Steuerbehörden schicken. Eine nicht ganz einfache Aufgabe, die einige Einblicke in das amerikanische Steuersystem gibt.
Während die meisten mich wie einen normalen Praktikanten behandeln, versucht Braxton mir immer wieder anspruchsvollere Aufgaben zu übertragen, so z.B. die Beantragung der Verlängerung der Gemeinnützigkeit von "Reporters without Borders", Korrekturen in der Buchhaltung einer kleinen kulturellen Einrichtung u.ä.
Auch wenn ich unter den starken hierarchischen Strukturen und meiner Position als Praktikant leide, lerne ich doch auch viel über amerikanische Steuer- und Arbeitstrukturen und habe Spaß daran, wieder zu arbeiten. Und aufgrund meiner guten "Führung" habe ich auch schon meine erste 20%ige Lohnerhöhung bekommen (was bei dem niedrigen Lohn allerdings nicht viel ist).