Thursday, July 24, 2008

McCain in Berlin

Abgesehen von der mittäglichen Zeit war es fast wie immer, vor CNN zu sitzen und von Kommentatoren des "best political on television" bequatscht auf eine weitere Rede Obamas zu warten. Dann war ich aber doch fasziniert, die größte Wahlkampfverantaltung Obamas (in den USA waren bei seiner bisher größten in Portland, Oregon nur 75.000 Fans) gerade im vertrauten Berlin zu sehen und den unglaublichen Jubel zu hören.

Doch meine Begeisterung schlug schnell wieder in Verwunderung um, warum so viele Deutsche so auf Obama abfahren. Denn seine Rede war ja für den US-Wahlkampf gedacht und da konnte man schon raushören, dass er eben nicht nur Ami ist, sondern seinen Wahlkampf auch in der Mitte führt. Insbesondere was die Konfliktlösung durch militärische Mittel angeht, sind von ihm nur begrenzt kritsiche Worte zu hören. So stellt sich für mich wieder vermehrt die Frage, ob ich Obama's Wahlkampf unterstützen oder ihm gar zujubeln darf.
Glücklicherweise bin ich inzwischen (endlich) zum Leser der linken Wochenzeitung "The Nation" geworden, die vielleicht ein bischen mit der taz in Deutschland vergleichbar ist.

Und auch The Nation, die sich für ein schnelles Ende des Irak-Kriegs ausspricht, hat Probleme mit Obamas Position. Doch sie schreibt in einem Kommentar, dass als erster Schritt für einen Politikwechsel die Wahl Obamas notwendig ist, begleitet aber von innerparteilichen und außerparlamentarischen Diskussionen und Forderungen, den Krieg zu beenden. Das ist zumindest ein Weg, wie man mit dem schwierigen amerikanischen Zweiparteiensystem umgehen kann.

Während der wirklich gut organsierte und vom Glück verfolgte (wieviel so schöne Sonnenabende gibt es in Berlin?) Obama jeden Tag tolle Bilder von seiner Auslandstournee fürs Fernsehen produziert, wirkt sein Gegner eher peinlich, vielleicht auch gerade, weil die US-Medien bemüht sind, ihn in diesen Tagen auch zu Wort und Bild kommen zu lassen. Immerhin hatte McCain für heute die (originelle) Idee, in einem deutschen Restaurant zu essen und in einigen Berlins in der USA einen (Anti-Obama)Werbespot laufen zu lassen.

Und trotz aller Obama-Begeisterung muss man sich doch Sorge machen, dass die Stimmung bis zum November noch kippen kann und der derzeitige nationale Umfrage-Vorsprung von 6% noch aufzuholen ist. In einigen der entscheidenden "Swing-States" hat McCain Obama wohl schon aufgeholt. Und wenn Bush zweimal gewählt werden konnte, kann McCain erst Recht gewählt werden...

Monday, July 21, 2008

Familienbesuch

Zum ersten Mal Besuch aus der Familie und auch mit Familie in unserem 0ne-Bedroom-Appartment. Aber das Problem war eher die große sommerliche Hitze mit Temperaturen über 35 Grad Celius und vor allem einer Luftfeuchtigkeit von bis zu 90%. Wie gut, dass die Absperrungen des Capitols erst hinter dessen Brunnen anfangen.

Eine andere Möglichkeit der Abkühlung: Die vielen interessanten Museen, die in der Hauptstadt fast alle kostenlos sind. Und ich habe wieder neue kennengelernt, wie das Museum für Air and Space, das die grösste Masse anzieht, die dann im McDonalds Museumsresturant "verköstigt" wird.

Ein kritischer Blick auf die enge Verknüpfung von ziviler und militärischer Raumfahrt ist sicher von den meisten nicht gewünscht, aber auch schwer möglich, wenn Ausstellungsteile von der NASA und Raumfahrtunternehmen finanziert werden.

Ganz anders im National Museum for Women in the Arts. Nicht staatlich finanziert kostet es Eintritt und ist entsprechend schlecht besucht. Inhaltlich sicher verbesserungswürdigt, regt es aber sehr gut an, sich mehr mit der Frage zu beschäftigen, warum Frauen in der offiziellen Kuntsgeschichte so wenig vorkommen und welche Rolle sie gespielt haben und spielen.


Und auch wenn die nahe gelegene Chesapeake Bay wegen Überfischung und Umweltverschmutzung (Überdüngung der Mais-Felder für den Ethanolanbau und Spül- und Waschmittel, wie es sie in Deutschland schon lange nicht mehr gibt) nur noch wenige Krebse und Austern enthält, ist der DC Seafood Markt für alle immer wieder ein Erlebnis.

Sunday, July 13, 2008

Und zurück aus Alaska

Mit 650.000 Einwohnern, einer Fläche, die 1/5 der USA ausmacht und einer Ausdehung, die eigentlich vier Zeitzonen umfasst, ist Alaska der am schwächsten besiedelte Staat der USA und eine der am wenigsten besiedelten Gegenden der Erde.

Und von den Einwohnern leben über die Hälfte in der einzig großen Stadt Anchorage (280.000 Einwohner) und ihrer Umgebung, so dass Alaska hauptsächlich aus Natur besteht, die zum großen Teil auch noch richtige Wildnis ist. Und voll mit Superlativen: Der höchste Berg Noramerikas, Mt. McKinley, die größten Gletscher, die längste Küste und die meisten wilden Tiere


Was weiss man von Alaska? Dass die ersten Bewohner vor 30-40.000 Jahren von Sibirien kamen, als während einer Eiszeit der Meeresspiegel niedriger war und es eine Landbrücke gab. Und dass die USA Alaska den Russen abgegauft haben. Die Russen kamen 1741 und haben Pelzhandel betrieben. Es lebten aber nie mehr als 900 Russen in Alaska, so dass es heute schwierig ist, russische Spuren zu finden. Wir fanden welche in der ehemaligen russichen Hauptstadt Sitka

Aber meist nur in der Form von touristichen Einrichtungen

Die Hauptspur der Russen aber ist die russ.-orthodoxe Kirche. Trotz feindlicher Auseinandersetzungen mit den urpsrünglichen Bewohnern Alaskas haben die Russen eine geschickte Missionspolitik betrieben. Unter anderem haben sie Schulen errichtet und Schriften für die Sprachen Natives (u.a. um die Bibel zu verbreiten) und den russ.othodoxen Glauben wohl so geschickt mit den Religionen der Ureinwohner verbunden, dass die orthodoxe Kirche bis heute die größte Religionsgemeinschaft unter den Natives ist. Und so waren wir verwundert, auf dem Friedhof in Sitka keine russichen Inschriften, aber nur Namen der Native fanden.

Nachdem die Russen die Pelztiere stark dezimiert hatten und die Unterhaltung der weit entfernten Gebiete zu aufwändig geworden war, verkauften sie Alaska an die USA. Dort stark umstritten, damals ahnte man noch nicht von der strategischen Bedeutung und den Ölfunden. Die Übergabe fand auf diesem Hügel in Sitka statt:

Zunächst beschäftigten sich die wenigen US-Siedler mit Wahlfang und den Unmengen Lachs, der auch heute noch eines der wichtigsten Exportprodukte Alaskas ist.

Ende des 19.Jahrhunderts wurde Gold entdeckt, was zum sagenumwobenen Gold-Rush geführt hat und zu einem großen Bevölkerungswachstum geführt hat. Auch werden Gold und andere Mineralien noch gefördert, aber die meisten der damals aufblühenden Städte sind zu Geisterstädten oder kleinen Dörfern geworden. Oder zu Touristenmagneten wie Skagway:

Die zeitweilige Besetzung Alaskas durch die Japaner im zweiten Weltkrieg hat zur verstätkten Militäransiedelung geführt und zum Bau des 1520 Meilen langen Alaska Highways, eine Straßenverbindung, deren von auftauendem Permafrost holprigen Strassenbelag wir über 1000 km geniesen konnten.
Erst 1959 ist Alaska zum 49. Staat der USA geworden, die Hauptstadt Juneau, in der unsere Reise begann hat 30.000 Einwohner und liegt im Südosten 1000ende Meilen von den meisten Einwohnern entfernt.

1968 wurde ein rießies Ölfeld im Arktischen Meer entdeckt und eine Pipeline zur südlichen Küste in Valdez gebaut. Die Kritikier der Ölförderung wurden leider bestätigt als dort 1989 die Exxon Valdez auf Grund lief und 11 Millionen Gallonen Öl die Lebensgrundlage vieler Fischer zerstörte. Die Folgen sind bis heute zu spüren, trotzdem wird gerade jetzt auf Grund der hohen Ölpreise diskutiert, auch im Naturschutzgebiet Arctic National Wildlife Refuge Öl zu fördern.

Und das obwohl Alaska sowieso schon besonders stark unter den Folgen der globalen Klimaerwärmung leidet. Das Aussterben des Polarbären ist bekannt. Auch der rasante Rückgang der Gletscher spielt in Alaska eine große Rolle. Durch eine schon jetzt spürbare Temperaturerhöhung verändern sich die Permafrostzonen, was z.B. zur Folge hat, dass Strassen durch auftauende Böden zerstört und nur schwer in befahrbarem Zustand zu halten sind. Außerdem geht man davon aus, dass schon bald das Eis im arktischen Meer soweit zurück gegangen ist, dass die Nordwestpassage für Schiffe nutzbar wird. Mit noch unklaren Folgen für die Natur. Schon jetzt tritt eine verstärkte Erosion an den nördlichen Küsten auf, so dass mehrere Dörfer der Ureinwohner ins Meer zu stürzen drohen und umgesiedelt werden müssen.

Trotz der großen Kälte, vor allem im Winter, haben die Ureinwohner Alaskas über Jahrtausende gute Lebensbedingungen gehabt. Die Vielzahl von Fischen (Lachse, Whale...), wilden Tiere (Bären, Elche...) und Beeren im Sommer haben für eine leichte Nahrungsversorgung und für gute Bekleidung gegen die Kälte gesorgt. Bis 1940 haben sie die Mehrheit der Bevölkerung gestellt, heute mit 102.000 nur noch 16%. Und nur noch ein Teil von ihnen lebt in den weit entlegenen Dörfern von Subsitenzwirtschaft, nur noch 36% sprechen ihre eigene Sprache und leben ihre ursprüngliche Kultur. Auch wenn sie im Straßenbild auffallen, findet man ihre Kultur nur noch in Museen. Immerhin konnten sie im Zuge des Pipelinebaus in den 70er Jahren Rechte und Entschädigungen auf ihr Land einklagen, aber soziale und wirtschaftliche Probleme und oft die Abwanderung in die Städte sind dadurch nicht aufzuhalten.


Nur ein Bruchteil des Landes ist an Strassen angebunden, der Rest nur durch Fähren, Flugzeuge und im Winter mit Schneemobilen zu erreichen. Auch aufgrund der ungeheuren Entferungen konnten wir deshalb nur einen kleinen Teil des Gebiets bereisen und haben viele Meilen zurückgelegt und viele Dollar für den öffentlichen Personenverkehr ausgegeben. Und haben trotzdem sehr viel gesehen und erlebt.
In der ersten Woche sind wir im südöstlichen Landzipfel gereist, hauptsächlich mit den sehr netten Alaska Marine Higway ferry, die die verrückte, aber sehr angenehme Einrichtung eines Solariums haben. Auf einem überdachten Außendeck gibt es Heizstrahler, so dass man auch bei Regen und Kälte draussen sitzen kann.

Neben der schönen Landschaft war das tollste an diesen Fahrten die vielen Whale, die wir gesehen haben und die auf den Fotos leider nicht so beeindruckend zu sehen sind, wie sie waren.

Einer der schönsten Fährausflüge war in ein kleines Fischerdorf, in das die 7-stündige Fähre nur zweimal im Monat fährt und wichtige Verbindung zur Aussenwelt für die recht arm wirkenden Fischer ist.

Vom Südwesten aus ging es dann weiter mit der für die Goldgräber gebauten Yukon & Whitehorse Eisenbahn, die seit 1988 wieder für Toursiten fährt und dann weiter über den schon genannten Alaska Higway, immer von tollen Bergen umgeben bis nach Fairbanks.

Fairbanks war unser nördlichster Punkt, eine ungeteerte Straße führt noch einmal weitere 800 km bis an die Küste des arktischen Meeres, Mietwagen darf man auf ihr auf Grund der Gefahren aber nicht nutzen und der städtische Bus fährt auch nur scheinbar dorthin.

Auch wenn die Sonne unterging, hell war es eigentlich immer und wenn man nachts aufwachte, konnte man nicht wissen, ob es schon Morgen war. Auch um 1 Uhr nachts bei Heligkeit aus dem Kino zu kommen ist überraschend. (Das Foto ist kurz vor 12 aufgenommen)

Im Winter ist Alaska kalt und verschneit, Durchschnittstempearturen von -10 bis -20 Grad Celsius sind normal, aber immer kurzen Sommer (schneefrei von Mitte Mai bis Mitte September) kann es relativ warm werden, die angeblichen Rekorde von 30 Grad haben wir allerdings nicht erlebt und auch im Sommer wird an der großen University of Alaska über Permafrost getagt.

Viele Urlauber kommen nach Alaska, weil sie hier die Wildnis so richtig erleben wollen, was gut möglich ist. Aber nicht nur wegen meiner Angst vor Bären, auf die man oft trifft, war mir klar, dass das nicht mein Ding ist. Trotzdem haben wir eine Tagestour in die Wildnis gemacht, nicht ohne uns vorher gut im Wilderness Center beraten und mit Karten ausgesattet zu haben. Am Anfang war es ein gutes Gefühl und auch gleich mit "wilden" Erlebnissen.

Doch dann war die Landschaft auf einmal nicht mehr so, wie wir sie uns vorgestellt hatten und der Weg auch immer mühsamer...

So haben wir am nächsten Tag gerne den Bus benutzt, mit dem man 90 Meilen in den großen Wilderness Denali National Park fahren kann und von dem aus man alle möglichen wilden Tiere wie auf einer Safari sehen kann. Einerseits etwas komisch, aber andereseits auch faszinierend, dass, obwohl jährlich fast 1 Million Besucher in den Park kommen, die Wildnis noch fast vollständig erhalten ist. Man darf zwar im Park wandern, aber es gibt weder Wanderwege noch Wanderführer, damit keine von Menschen eingetretenen Pfade entstehen.

Und so haben wir tatsächlich viele Tiere gesehen, wenn auch die Bären nur aus Enfernungen, die schwierig zu fotografieren waren, deshalb hier Ersatzbilder, die einfacher zu machen sind, denn diese Bären stehen an jeder Ecke.

In Alaska leben über 40.000 Braunbären, 900.000 Caribou, 80.000 wilde Bergschaafe, die Hälfte der weltweiten Adler usw. usw. Wirklich beeindruckend.

Auch schwierig zu fotografieren: Der über 6000 m hohe Mount Mc.Kinley, der fast immer in Wolken ist. Während wir an den meisten Tagen viele Wolken, zum Glück selten Regen hatten, was für Alaska aber normal ist, sahen wir den eisigen Gipfel an vier aufeinander folgenden Tagen. Eine große Seltenheit, wie alle bestätigten. Viele Touristen bekommen in nämlich gar nicht zu sehen.

Ein schwieriger Gipfel, für dessen Aufstieg man - obwohl man per Flugzeug auf eine Gletscher gebracht wird - wegen notwendigen Anpassung an die Höhe 2-3 Wochen benötigt. Im Hostel im Bergsteigerort Talkeetna trafen wir bärtige und höhenverannte erfolgreiche Bergsteiger und besuchten auch den Friedhof mit den vielen Abgestürtzten.

In der Dorfkneipe in Talkeetna lernten wir auch Leute kennen, die in den 70er Jahren nach Alaska ausgewandert sind. Damals wie heute gibt es viele Leute, die es in die Natur und Einsamkeit zieht, zum Fischen oder Jagen oder einfach auch um ihre Unabhängigkeit von der großen Gesellschaft zu haben. Manche leben heute vom Tourismus wir z.B. in diesem Laden, der sich auf deutsche Schokolade spezialsiert hat und die Aldi-Schokolade zum gleich (hohen) Preis wie Hachez verkauft.

Der Tourismus stellt inzwischen eine große Einnahmequelle für Alaska dar. Von den über 1 Million Touristen kommen allerdings die meisten mit Kreuzfahrtschiffen, Gruppenreisen oder vorgebuchten Rundreisen, auf die man ständig trifft, dank derer es aber immerhin eine gewisse Infrakstruktur gibt, die es uns ermöglicht hat, die gesamte Reise mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu machen.

Weil die Touristensaison mit drei bis vier Monaten pro Jahr sehr kurz ist und nicht nur die meisten Lebensmittel weit nach Alaska transportiert werden müssen, ist alles sehr teuer. So haben wir oft Hostels genutzt, bei denen man manchmal mithelfen mussten, die aber dafür oft sehr viel Charme hatten.

Kurz vor der Abreise gab's dann noch einmal eine von vielen Wanderungen zu einem großen Gletscherfeld, mit Bären am Wegrand.

Während einer der Busfahrten saß ich neben einer Frau, die - wie die wenigsten in Alaska in einem kleinen Dorf geboren - in ihrem Leben erst einmal außerhalb Alaskas war, um ihre aus Deutschland eingewanderten Großeletern in Michigan zu besuchen. Nie wieder wird sie dorthin fahren, das waren viel zu viele Menschen. Damit uns das nicht auch passierte, verbrachten wir die letzten Tage in der "Großstadt" Anchorage, die sich in Häßlichkeit und Autozentriertheit von keiner anderen US-Stadt unterscheidet. Der Barkeeper in der schwulen Kneipe freute sich aber, mich zu treffen. Er war in (Karlsruhe-) Hagsfeld geboren.