Das (zunächst) sehr gute Call-Center der aus der Werbung so bekannten Versicherungsgesellschaft GEICO war sehr freundlich und bot mir entweder einen Reparaturtermin in einer nahe gelegen Werkstatt in einer Woche an oder einen am nächsten Tag, allerdings im armen, schwarzen und etwas gefährlichen Stadtteil Annacostia. Ich entschied mich für die schnelle Variante, was sich aber als unerträgliches Warten und vielfaches Telefonieren mit immer weniger hilfsbereiten Call-Centern herausstellte. Das einzige was ich erfuhr war, dass es möglicherweise ein Totalschaden sei. Irgendwann gab es dann auch Bilder im Internet vom Auto, ohne dass sich weiter etwas getan hätte.

Ich könnte noch viele Details erzählen, aber nach zwei Wochen konnte ich endlich das Auto wieder abholen nur komischerweise hatte sich mein Eigenanteil von $200 auf $500 erhöht, weil die Versicherung einfach meinen Unfallbericht geändert hatte: Angeblich hatte auf einmal ein Fahrrad den Unfall verursacht. Zum Beweis gab es neue Fotos im Internet, auf denen ich endlich die Nagellackfarbe meiner Betreuerin Stacy und ihre Essgewohnheiten erkennen konnte.

Nun kam also der interessanteste Teil, endlich einmal wieder in den Schwarzen-Stadtteil zu fahren, von dem einem sonst abgeraten wird.
An manchen Ecken etwas unheimlich, aber die Atmosphäre bei Murphy's Autoshop war dann sehr nett, besonders als ich die ganzen Kunden mit Obama T-Shirts sah, die ich leider nicht fotografieren konnte.
Und nachdem ich der Versicherung den Polizeibericht gefaxt habe, schicken sie mir jetzt angeblich auch einen Scheck. Aber die Vorstellung, dass die USA ein tolles Service-Land sei, ist damit noch einmal wiederlegt worden.
Noch unangenehmer war aber die Erfahrung, wie eingeschränkt man in diesem Land ohne Auto ist. Eigentlich hatten wir mit dem Besuch Ausflüge ins Umland vor, die so nicht möglich waren. Nicht einmal ein Konzertbesuch in einem Vorort, der nicht an der Metro liegt, war möglich. Ganz zu Schweigen von unseren vielen Urlaubsfahrten, die ohne Auto so nicht möglich wären.
So ging ich zum Trost zu einer Veranstaltung zur Förderung des Fahrradfahrens in den USA. Diese fand allerdings im Goethe-Institut statt, zwar auch mit amerikanischen, aber recht wenigen TeilnehmerInnen.