Sunday, February 17, 2008

Emergency Room


In Deutschland ist der Emergency Room den meisten wahrscheinlich durch die gleichnamige, preisgekrönte Fernsehserie bekannt, die zu den am längsten laufenden Fernsehserien der USA gehört und in der es angeblich attraktive Schauspieler geben soll.
Hier in den USA ist die Notaufnahme der Krankenhäuser aber inzwischen dafür berühmt, dass sie die einzige Möglichkeit für die 47 Millionen Amerikaner ohne krankenversocherungsschutz darstellt, eine kostenlose Behandlung zu bekommen. Die Emergency Rooms sind verpflichtet, auch einen bestimmten Anteil solcher Patienten zu behandeln. Gerade hat eine Studie in Washington DC gezeigt, dass aber dadurch die Emergency Rooms in vielen Fällen bei Krankheiten missbraucht werden, die eigentlich nur einen ganz normalen Arztbesuch benötigen.
Von den Folgen dieses Problems konnten wir uns diese Woche selbst ein Bild machen. Trotz einer starken Grippe mit hohem Fieber konnte man bei niedergelassenen Ärzten erst einen Termin in der nächsten Woche bekommen, so dass wir uns schweren Herzens entschieden, in den Emergency Room zu gehen. Zunächst gab es eine Erstaufnahme mit party-mäßigen Armbändchen.

Danach tat sich erst einmal 2,5 Stunden lang nichts, so dass wir genügend Zeit hatten, die ca. 30 anderen PatientInnen und den Sicherheitsdienst zu beobachten. Leider gibt es davon keine Fotos, weil es mir unangenehm war, die hauptsächlich Armen, Schwarzen und Obdachlosen zu fotografieren. Endlich erfolgte dann um 11 Uhr abends die Aufnahme durch einen Arzt mit anschließender Aufnahme der Patienten- und Versicherungsdaten. Schon nach einer weiteren Stunde ging es zum Röntgen, ohne dass vorher irgend eine andere Untersuchung stattgefunden hätte. Dass das Wieder-Anziehen verweigert wurde (trotz eines recht zugigen Warteraums) und die Klamotten in eine Tüte kamen, schien uns ein gutes Zeichen, dass es gleich weitergehen würde.

Kurz nach 3 verlies ich dann aber das Krankenhaus, um noch etwas zu Schlaf zu kommen. Peter wurde erst um 4 wieder aufgerufen, musste auf einem Krankenbett sitzend immer wieder warten bis ihm dann endlich nach einer weiteren Stunde die gewünschten Antibiotika verschrieben wurden - der eigentliche Grund für den Besuch - ohne dass die Röntgenbilder nocheinmal zur Sprache kamen.
Auch fast alle anderen PatientInnen mussten so lange durchhalten, weil alle parallel warten mussten und behandelt wurden bzw. teilweise nur verwahrt wurden. Jetzt ist uns einiges über die Diskussionen über das US-Gesundheitssystem klarer, vieles aber eigentlich unverständlicher.


Im Büro erlebte ich dann am nächsten Morgen eine andere Emergency: Braxtons Assistent, der auch Steuerberater ist und mit ihm gemeinsam alle Steuererklärungen am Computer macht, war in der Nacht wegen eines Gehirntumors ins Krankenhaus eingeliefert worden. Ein ziemlicher Schock für alle. Inzwischen ist er operiert, wird aber sicher einige Zeit ausfallen. Und mein Glück im Unglück: ich darf jetzt mit Braxton zusammen Steuererklärungen eingeben.

Monday, February 11, 2008

Potomac/Cheaspeak/Crab Cake Promaries

Wie bereits angekündigt, hatten wir Dank der morgen stattfindenen Potomac Primaries (benannt nach dem grauen Fluss der durch DC fließt, Maryland und Virginia voneinander trennt und über den ich jeden Morgen mit der Metro fahre) Gelegenheit, die (demokratischen) PräsidentschaftkandidatInnen aus der Nähe kennenzulernen. Nachdem man sich unter der Woche schon eine Stunde für eine Einlasskarte für ein sogenanntes "town hall meeting" mit Obama anstellen musste, gestern dann dieses Bild in Alexandria, Virginia:

Komischerweise sind die Amis ganz geduldig beim Schlange stehen, ob im Supermarkt oder auf der Post, und so auch gestern. Aber wo ist hier das Ende der Schlange?

Obama ist es auf jeden Fall gelungen, unglaubliche Massen und vor allem auch junge Menschen zu mobilisieren. Um mich herum in der Schlange meinten die (älteren, politisch wohl geübten) Leute, sie könnten sich nicht erinnern, so etwas schon einmal erlebt zu haben. Und auch die Fernsehübertragungen von seinen Reden lassen einen spüren, wie sehr das Publikum von ihm in Bann gezogen wird.
Nach einer Stunde in der - immerhin sonnigen - Kälte dann die Meldung, es gäbe "security issues". Und man sah auch schon die Sicherheitsleute auf dem Dach des modernen Schulgebäudes:

Sowohl Obama als schwarzer Kandidat, als auch Hillary als Ex-First Lady standen von Anfang der Kampagne an unter besonderem Sicherheitsschutz. Nach einer weiteren halben Stunde endlich im Saal angekommen, in dem komischerweise noch nicht so richtig Stimmung war:

Erst nach einer Weile kapierte ich, dass ich es nur in den overflow-Saal geschafft hatte, auch das hatte die anderen nicht sonderlich gestört, wie mir schien, von den Obama-Volunteers war niemand mehr zu sehen, die waren alle im Hauptsaal.
Dafür machte ich mich dann am Abend noch einmal ins 20 Meilen entfernte Bowie, Maryland, auf, wo Hillary im Prince George County (mit sehr hohem schwazen Bevölkerungsanteil) auf dem Campus der schwarzen Universität auftreten sollte. Nach einer halben Stunde Warten in klirrender Kälte, aber bei guter Stimmung, umringt von hauptsächlich älteren Frauen, Sicherheitskontrollen wie am Flughafen:

Auch hier mehrere tausend Menschen, die mit großer Begeisterung auf Hillary warteten:

Die halbstündige Rede war zwar engagiert, aber ich hätte sie fast auswendig mitsprechen können, so wie wir zu Hause vor dem Fernseher auch die Stichworte immer schon einwerfen können:

Und trotzdem war es ein anderes und auch schönes Gefühl, dies nun auch einmal live erlebt zu haben.
Wahrscheinlich noch wichtiger als die Rede, war aber das anschließende Hände Schütteln, Autogramme geben und mit Hille fotografiert werden.

Und dann der große Moment. Ganz unerwartet drehte sie sich um und wenn ich gewollt hätte, hätte auch ich ihr die Hand geben können:

Nachdem ich mittags bei Obama dachte, dass er meine krtische Haltung ihm gegenüber nicht anders verdient hat, wenn er mir die Teilnahme nicht ermöglichte, hätte ich nun doch gerne den Unterschied zwischen seinem und ihrem Auftritt kennengelernt.
Was mich aber am meisten bewegte: Auch wenn sich Hillary intensiv auf die einzelnen Anhänger eingelassen hat: es wirkte mehr wie ein ein unpersönlicher Automatismus, was kein Wunder ist nach einem Jahr, in dem sie täglich drei solcher Auftritte hatte. Und sie tut mir auch Leid, denn ihre Chancen scheinen immer schlechter zu werden und ich glaube, dass sie eine sehr fleißige und engagierte Frau ist, die es verdient hätte, die erste Präsidentin der USA zu werden.

Friday, February 1, 2008

Primaries

Endlich ist nicht nur das Wochenende erreicht, sondern auch der erste Polit-TV freie abend seit einer Woche. Angefangen mit den demokratischen Primaries in South Carolina, bei denen die Schwarzen Obama wählten, die weißen Männer den inzwischen ausgeschiedenen John Edwards und die weißen Frauen Hillary. Am Montag dann die letzte, jährlich stattfindende "State of the Union" - Rede Bushs, die unglaublich zelebriert wurde und bei der aus lauter Stolz auf ihre Nation auch die Demokraten dem schlechtesten Präsidenten aller Zeiten an vielen Stellen zujubelten. Am Dienstag dann die republikanischen Vorwahlen in Florida, die wie Wahlabende in Deutschland sind, nur dass sie z.Zt. eben wöchentlich stattfinden. Höhepunkt auch hier, wenn die Politiker vor die Kamera treten. Und wenn das gleichzeitig passiert, muss auch schonmal der laptop mit aushelen:

Am Mittwoch dann die 15. Fernsehdebatte der republikanischen Bewerber und am Donnerstag die 17. der demokratischen. Fast alle habe ich mitbekommen und trotz der vielen Wiederholungen hat jede wieder ihre eigene Dynamik. Inzwischen allerdings mit schwindender TeilnehmerInnenzahl. Bei den Republikanern geht es nur noch um den Militärmenschen McCain und den Wirtschaftsmenschen Romney. Und bei den Demokraten gestern ein historische Debatte, weil zum ersten Mal entweder eine Frau oder ein Afro-Amerikaner für die Demokraten in den Wahlkampf ziehen wird. Teilweise auch tatsächlich bewegend, weil sich die beiden nach tagelangem Streit untereinander, freundschaftlich gezeigt haben und so auch Begeisterung für die Demokratische Partei erzeugten, die bei den Vorwahlen bisher Rekordzahlen an Wählenden mobilisieren konnte. Aber die Entscheidung zwischen den beiden fällt weiterhin schwer, an unserem Kühlschrank sieht das so aus.

Bei den Republikanern wird die Entscheidung wahrscheinlich am Dienstag fallen, weil bei ihnen das "The winner takes it all"-Prinzip gilt. Heißt: Wer einen der (am Dienstag) zur Wahl stehenden Staaten gewinnt, erhält sämtliche Delegiertenstimmen des Staates. Und es sieht sehr danach aus, das McCain gewinnen wird. Er ist mir von den Republikanern zwar am sympatischsten, weil er keine soo konservative Dumpfbacke ist, wie alle anderen und in vielen Bereichen in der Verangenheit auch kompromissbereit gewesen ist (z.B. illegale Einwanderung, Wahlkampffinanzierung, Umweltschutz). Aber zum einen ist er ein großer Verfechter des Irakkriegs, zum anderen hat er wohl die besten Chancen gegen die Demokraten zu siegen.
Bei den Demokraten wird der Wahlkampf wohl noch länger gehen, weil bei ihnen die Delegiertenstimmen nach dem Verhältnis der Stimmergebnisse verteilt werden. Und obwohl Hillary in den Umfragen führt, hat Obama immer noch Chancen auf die Nominierung. Das gute an einem längeren Wahlkampf ist, dass wir dann auch noch in den Genuss von Auftritten der beiden in unserer Region kommen werden, denn am 12. Februar sind die sogenannten "Potomac Primaries" in DC, Maryland und Virginia.

Und vielleicht habe ich so auch noch die Möglichkeit, mich vom jugendlichen Schwung des neuen Kennedys überzeugen zu lassen, denn für die Wahlen im November hat er laut Umfragen die besseren Chancen gegen die Republikaner zu gewinnen, weil es so viele Leute gibt, die die Clintons nicht mögen. Die große Sorge ist, dass es bei einem Rennen Clinton gegen McCain wieder zu einem republikanischen Präsidenten kommen könnte.
Und so sieht man, dass ich nach fast einem Jahr Wahlbeobachtung, die mir sehr viel Spaß macht und mich mit dem Land und dem politischen Leben so vertraut gemacht hat, schon gar nicht mehr an die eigentlichen Frage denke: Wie sinnvoll ist dieses Wahlsystem? Müssen die Demokraten 300 Millionen Dollar ausgeben, um sich gegenseitig zu bekämpfen? Wo haben Minderheitenmeinungen oder radikalere Positionen in diesem System eine Chance und um welche Inhalte geht es überhaupt noch...