
In Deutschland ist der Emergency Room den meisten wahrscheinlich durch die gleichnamige, preisgekrönte Fernsehserie bekannt, die zu den am längsten laufenden Fernsehserien der USA gehört und in der es angeblich attraktive Schauspieler geben soll.
Hier in den USA ist die Notaufnahme der Krankenhäuser aber inzwischen dafür berühmt, dass sie die einzige Möglichkeit für die 47 Millionen Amerikaner ohne krankenversocherungsschutz darstellt, eine kostenlose Behandlung zu bekommen. Die Emergency Rooms sind verpflichtet, auch einen bestimmten Anteil solcher Patienten zu behandeln. Gerade hat eine Studie in Washington DC gezeigt, dass aber dadurch die Emergency Rooms in vielen Fällen bei Krankheiten missbraucht werden, die eigentlich nur einen ganz normalen Arztbesuch benötigen.
Von den Folgen dieses Problems konnten wir uns diese Woche selbst ein Bild machen. Trotz einer starken Grippe mit hohem Fieber konnte man bei niedergelassenen Ärzten erst einen Termin in der nächsten Woche bekommen, so dass wir uns schweren Herzens entschieden, in den Emergency Room zu gehen. Zunächst gab es eine Erstaufnahme mit party-mäßigen Armbändchen.
Danach tat sich erst einmal 2,5 Stunden lang nichts, so dass wir genügend Zeit hatten, die ca. 30 anderen PatientInnen und den Sicherheitsdienst zu beobachten. Leider gibt es davon keine Fotos, weil es mir unangenehm war, die hauptsächlich Armen, Schwarzen und Obdachlosen zu fotografieren. Endlich erfolgte dann um 11 Uhr abends die Aufnahme durch einen Arzt mit anschließender Aufnahme der Patienten- und Versicherungsdaten. Schon nach einer weiteren Stunde ging es zum Röntgen, ohne dass vorher irgend eine andere Untersuchung stattgefunden hätte. Dass das Wieder-Anziehen verweigert wurde (trotz eines recht zugigen Warteraums) und die Klamotten in eine Tüte kamen, schien uns ein gutes Zeichen, dass es gleich weitergehen würde.
Kurz nach 3 verlies ich dann aber das Krankenhaus, um noch etwas zu Schlaf zu kommen. Peter wurde erst um 4 wieder aufgerufen, musste auf einem Krankenbett sitzend immer wieder warten bis ihm dann endlich nach einer weiteren Stunde die gewünschten Antibiotika verschrieben wurden - der eigentliche Grund für den Besuch - ohne dass die Röntgenbilder nocheinmal zur Sprache kamen.
Auch fast alle anderen PatientInnen mussten so lange durchhalten, weil alle parallel warten mussten und behandelt wurden bzw. teilweise nur verwahrt wurden. Jetzt ist uns einiges über die Diskussionen über das US-Gesundheitssystem klarer, vieles aber eigentlich unverständlicher.

Im Büro erlebte ich dann am nächsten Morgen eine andere Emergency: Braxtons Assistent, der auch Steuerberater ist und mit ihm gemeinsam alle Steuererklärungen am Computer macht, war in der Nacht wegen eines Gehirntumors ins Krankenhaus eingeliefert worden. Ein ziemlicher Schock für alle. Inzwischen ist er operiert, wird aber sicher einige Zeit ausfallen. Und mein Glück im Unglück: ich darf jetzt mit Braxton zusammen Steuererklärungen eingeben.