Nur zufällig hatten wir uns das "Memorial Day" Wochenende für den Beginn unseres 10-tägigen Urlaubs ausgesucht, das in den USA den Beginn der Sommer-Ferien-Reise-Monate darstellt, die bis zum Labour Day Anfang September reichen. Am Memorial Day wird der Toten der Kriege gedacht, was hier ja ganz aktuell ist. Seit der Verstärkung der Offensive im Irak im März sterben mehr und mehr amerikanische Soldaten, im Mai waren es mit 127 so viele wie schon lange nicht mehr. Überall sah man Gedenkveranstaltungen und Blumen auf den Friedhöfen:

Für große Aufregung sorgte aber auch, dass die Benzinpreise genau zu diesem Wochenende extrem angestiegen sind. Für deutschen Verhältnisse aber immer noch sehr angenehme 70 (Euro) Cent pro Liter. Nur dumm dass die amerikanischen Autos fast doppelt so viel verbrauchen wie die deutschen.
Diesmal sind wir noch weiter in den Süden gefahren, über North Carolina nach South Carolina,
über 850 km, und dort zunächst in die für amerikanische Verhältnisse sehr alte und schöne Küstenstadt Charleston. 1670 gegründet und durch die Ausbeutung von Sklaven auf Reis- und Baumwollplantagen reich geworden entstanden hier prachtvolle Villen, die im Gegensatz zu den meisten amerikanischen Städten im Süden nicht im Bürgerkrieg zerstört wurden. Aber auch nicht im 20. Jahrhundert, in dem die meisten traditionellen Innenstädte der USA dem Autoverkehr zum Ofper fielen. So ist Charleston heute eines der großen touristischen Ziele in den USA und man kommt sich tatsächlich wie in einem südeuropäischen Land vor, wenn man abends durch die Straßen prommeniert.
Auf dieser Reise haben wir unser neues Zelt ausprobiert, was einfacher aufzubauen war als gedacht

und auch ohne BBQ mit Mashmellows haben wir gut gegessen

allerdings nicht so nobel gewohnt, wie viel Amerikaner, deren Campingbusse so groß wie richtige Busse sind, dass sie für Ausflüge noch einen PKW angehängt mitnehmen

Ein Ausflug auf eine ehemalige Plantage zeigte, wie schön die Weißen damals mit wunderbaren Parkanlagen gelebt haben

Erschreckend aber, dass die Sklaverei so gut wie nicht erwähnt wurde. Und das obwohl sich die einzelnen Staaten seit einigen Jahren nach und nach für die Sklaverei entschuldigen. Auch 150 Jahre nach ihrer Abschaffung ein schwieriger Prozess.
Von Charleston ging es weiter nach Savannah, bereits im Bundesstaat Georgia gelegen, das ebenfalls eine sehr schöne Altstadt hat

und auch viele Touristen anzieht, mehr allerdings durch seine umfangreiche Kneipenszene. Und ich vermute auch durch seine lockeren Alkoholgesetze, denn im Gegensatz zu Savannah bekommt man hier in DC z.B. auch abends keinen Alkohol in Cafés.
Wie auch in Charleston gibt es hier eine sehr alte jüdische Gemeinden, die sich anscheinend (in ihrem Baustil) sehr assimiliert hatte:

In Savannah besuchten wir auch ein kleines Civil-Rights-Museum mit einer sehr nett-engagierten Führung. Auch wenn die Geschichte bekannt ist, ist es doch beeindruckender die konkrete Diskrimierung und den harten Kampf dagegen an einem der wichtigen Schauplätze der Unterdrückung zu erfahren und z.B. zu wissen, dass der Strand, an dem wir campten und badeten, bis vor 40 Jahren nur für Weiße war und die Schwarzen sehr weit fahren mussten, um ans Meer zu kommen.
In den Südstaaten werden nicht nur viele Erdnüsse angebaut, sondern auch anders und sehr lecker mit der ganzen Schale zubereitet:

Der wohl bekannteste Erdnussfarmer war - bevor er Präsident wurde - Governeur von Georgia.
Nach den interessanten Städten fuhren wir auf eine der vielen Inseln, Hunting Island, die so urwaldmäßig ist, dass die Hollywood-Filminsdustrie mit ihrem Bedarf sowohl an Urwaldszenen aber auch an alten amerikanischen Landhäusern und Städten hier zu einer wichtigen Branche geworden ist.
Unser Campingplatz war so im Urwald, dass wir neben Eichhörnchen und Waschbären (und vielen kleinen unangenhmen Tierchen...) zum Frühstück auch schon diesen Besuch hatten

Besser aber als der vorherige Campingplatz, bei dem man nachts auf dem Weg zu den restrooms über diesen Steg gehen musste:

Unser Interesse galt aber eigentlich den Loggerheads, bekannt durch den gleichnamigen (m.E. sehr guten) Film. Loggerheads sind große Meerschildkröten, die einmal im Jahr am Anfang des Sommers an Land kommen um ihre Eier abzulegen, aus denen am Ende des Sommers die kleinen Schildkröten schlüpfen, die ihren Weg ins Wasser finden müssen, woher sie erst nach 10-15 Jahren wieder zurückkehren, um ihrerseits Eier zu legen. Sehr faszinierend. Da sie sehr empfindlich sind und sich nach dem Mondlicht richten, darf man abend am Strand kein Licht machen und sich ihnen nicht nähern.

Obwohl wir genau den Vollond abgepasst hatten, zu dem sie besonders häufig kommen, haben wir aber nicht das Glück gehabt, eine zu sehen. Dafür aber den Vollomond genossen

Und tatgsüber den wirklich traumhaften Strand


Auf den vielen entlegenen Inseln der Küste South Carolinas und Georgias betrieben die Sklavenhalter bis zum Bürgerkreig 1861-63 ihre Plantagen. Nach Abschaffung der Sklaverei blieben viele der Schwarzen auf diesen Inseln, während die Plantagenbesitzer flohen. Durch die Abgeschiedenheit der Inseln haben sie ihre afrikanische Kultur und Sprache bis heute zum Teil bewahren können, die sich Gullah und Geechie nennt. Inwieweit diese Kultur wirklich noch lebt, konnten wir nicht rausbekommen, aber in einem kleinen Restaurant die traditionelle Küche probieren:

und ein Museum besuchen, in dem wir einen sehr interessanten Film sahen, der die Suche nach den Vorfahren der Schwarzen in Afrika schildert. Forschern war es gelungen ein in den USA von Schwarzen gesungenes traditionelles Lied in einem Dorf in Sierra Leone wiederzufinden. Der Besuch einer schwarzen Amerikanerin in Sierra Leone und dem dortigen Dorf hat mich sehr beeindruckt und meine Sicht auf die Schwarzen nochmal sehr berreichert.
In den Lokalzeitungen lasen wir schon viel über die Vorbereitung der Hurricane-Saison, die offiziell am 1. Juni beginnt und bis November geht. Für dieses Jahr sind besonders viele Stürme vorausgesagt, von denen sich mehrere zu Hurricanes entwicklen sollen. Und dann stehen diese ganzen schönen Inseln unter Wasser, so dass es genaue Karten und Schilder an den Straßen für die Evakuierungsrouten gibt.
Und tatsächlich: nach einer sonnigen und klaren Woche, kam am Abend des 31. Mai ein starker Sturm auf und am Morgen des 1. Juni wussten wir, dass unser Zelt auch bei Regen dicht hält. Und der Urlaub wurde zum Glück nur um einen Tag verkürzt.
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| Leider wurde das schönere Foto von der Evakuierung zensiert, aber bei genauerem Hinsehen, kann man auch hier den Regenschirm erkenen |