
Nun ist es also doch soweit und nach so vielen Vorwahlabenden war gestern der letzte. Und der wurde natürlich richtig zelebriert, bei CNN überschlugen sich die Breaking News ab 4 Uhr nachmittags. Die TV-übliche Dramatisierung (die bei einem so langen Vorwahlkampf ohne wesentliche Ereignisse für die Einschaltquote sicherlich wichtig ist) lies etwas übersehen, dass es tatsächlich ein historischer Tag war. Und Hillary's taktisches Verhalten lies entsprechend leicht übersehen, dass es auch ein trauriges Ende für die Hoffnung auf eine baldige PräsidentIn war.
Und doch fängt der Wahlkampf nun erst richtig an und das bedeutet hier (neben elendigen Debatten mit den unangenehmen Republikanern) sich um die wahlentscheidenden Bevölkerungsgruppen zu bemühen. Und da hies es seit langem schon, dass Obama noch seine Hausaufgaben machen müsse: Frauen, Latinos, Arbeiter und Juden (die im wichtigen Wahlstaat Florida eine große Rolle spielen).
Am Wochenende gab es auch hier eine großes Fest zum 60. Geburtstags des Staates Israel.
Die Band "Maschina" habe ich 1991 schon in Israel gehört und Golda Meir und Moshe Dayan waren auch ganz witzig. Aber wie man das auch von deutschen Veranstaltungen dieser Art kennt: Dass es ein Problem mit Palästina und den Palästinensern gibt, dessen Lösung für die Zukunft Israels so wichtig ist, war bei den vielen Ständen nicht zu erkennen. Und so war Palästina nur in Form von Protesten präsent:
Eine nicht leichte Aufgabe also für Obama, der heute (wie Hillary und gestern schon McCain) bei der Jahreskonferenz der amerikanischen pro-Israel Lobby sprach. Und dort kommt eine harte, auf militärische Lösung ausgerichtete Haltung gegenüber dem Iran, wie sie John McCain vorsieht, leider viel besser an. Über die Diskussion um den Artikel der Professoren Mearsheimer und Walt, die den großen Einfluss der amerikanischen pro-Israel Lobby und christlicher Fundamentalisten auf die US-Außenpolitik kritisieren, ist auch in Deutschland viel berichtet worden. Glücklicherweise ist die jüdische Bevölkerung gerade in den USA vielseitiger. Vor einiger Zeit wurde deshalb die Lobby-Gruppe J-Street gegründet, die die Interessen der liberalen Juden in den USA insbesondere im Gegensatz zur Pro-Israel Lobby vertreten will und die sich mit der Foderung nach einer Friedenslösung für Israel einsetzen wollen. Man kann ihnen und vor allem Obama mit dieser Ausrichtung der Israel-Politik nur Erfolg wünschen. Aber die McCains werden sicherlich weiter auf die mögliche Hamas-Kontakte hinweisen, ein Berater Obamas musste wegen dieser schon zurücktreten.
Nach dem netten und unterhaltsamen Vorwahlkampf werden die nächsten 5 Monate bis zur Wahl sicher nicht mehr so angenehm sein.