| Rathaus von DC |
Das District of Columbia (DC) wurde entsprechend der Verfassung 1791 gegründet, indem es aus den Staaten Maryland und Virginia "herausgeschnitten" wurde. Da es zu keinem Bundesstaat gehört, erhielten die Einwohner kein Wahlrecht und die Stadt wurde unter die Verwaltung des (nationalen) Kongresses gestellt. Immerhin dürfen die Washingtonians seit 1964 an den Präsidentschaftswahlen teilnehmen und seit 1968 gibt es auch einen Bürgermeister, der allerdings das Budget vom Kongreß genehmigen lassen muss. Im Repräsentantenhaus gibt es zwar eine Abgeordnete aus DC, die aber kein Stimmrecht hat. Im Senat hat DC keine Vertretung, weil es ja keinem Staat angehört. Aufgrund dieser antidemokratischen Ungerechtigkeit sehen alle Nummernschilder in Anlehung an den historischen Spruch so aus:
Diese Woche nun soll das Repräsentantenhaus ein Gesetz verabschieden, das die Wahl eines stimmberechtigten Repräsentanten ins "Haus" ermöglicht. Der Trick dabei: Weil DC aufgrund seiner überwiegend schwarzen Bevölkerung mehrheitlich demokratisch wählt, soll das mehrheitlich republikanische Utah einen weiteren Abgeordneten ins Repräsentantenhaus schicken dürfen. Doch trotz dieses Kompromisses wird das Gesetz wohl von Senat und Präsident gekippt werden.
Die gestrige Demo hatten nun unter zwei Ereignissen zu leiden. Zum einen gab es hier heftige Stürme (mit den entsprechenden Sturmwarnungen u.a im Wetterkanal, der 24 Std. nur Wetternachrichten sendet). Die Demo war deshalb wesentlich kürzer, so dass wir sie verpasst haben und nur die Bilder aus der Zeitung sehen konnten:
Als wir dann im Fernsehen etwas dazu sehen wollte, gab es aber nur noch Berichte über das Massaker an der Uni in Virginia. Und zwar in sämtlichen Programmen, ohne Unterbrechungen, obwohl es gar nicht so viel zu berichten gab.
Ganz passend war es da am gestrigen Abend zu einer Diskussionsveranstaltung der American University zu gehen zum Thema: "How America Covers Itself: American News from a Foreign Perspektive." Die interessantesten Teilnehmer (die Korrespondenten von BBC und AlJazeera) waren allerdings schon in Virginia... Und zuerst gab es eine Schweigeminute.
Wie die Medien konkret arbeiten konnte ich dann heute im Laufe des Tages verfolgen: Um 5 Uhr früh meldete sich afp-Berlin. Die Washington Post heute natürlich mit seitenweisen Berichten, allerdings kaum etwas zur Frage, wie es zu Ammokläufen kommt und welche Rolle dabei die Waffengesetze spielen. Sehr angenehm also, dass die morgigen Ausgaben von taz und SZ mit ihren jeweiligen Schwerpunkten zu diesen Fragen eben schon im internet zu lesen waren.