Auch die Erste Familie hat diese Woche schon den National Christmas Tree erleuchtet. Sehr passend zu Obamas Eisenbahnplänen wird er von einem Amtrak-Zug umrundet. Dies ist um so wichtiger, da Obamas Eisenbahnausbaupläne mit den Wahlen am 2. November auch einige Rückschläge erleiden mussten: Die neuen republikansichen Gouverneure in Wisconsin und Ohio haben sehr sinnvolle Streckenausbaupläne in ihren Staaten sofort gestrichen. Immerhin hat ihnen Obama nun die Eisenbahngelder aus dem Wirtschaftsförderungsgesetz, die sie stattdessen für Straßenbau benutzen wollten, auch gestrichen.
Wie auch in den Vorjahren habe ich mich wieder gefreut, das jüdische Channukah-Fest in der öffentlichen Erwähnung zu erleben. Neben dem National Christmas Tree steht vor dem Weißen Haus z.B. auch ein Channukah-Leuchter.
Am nettesten war aber ein Channukah-Puppenspiel, das ich bei Freunden erlebte. Das Kind der Veranstalter hatte sich vor Jahren darüber beklagt, dass Weihnachten bei den christlichen Freunden so toll sei, Channukah dagegen so langweilig. Daraufhin nahmen sich die Eltern vor, eine richtig geile Channukah-Party zu veranstalten, was ihnen auch im siebten Jahr wieder gut gelungen ist.
Aber auch politisch ist in der "lame duck" Zeit bis Januar, wenn der Kongress mit neuen republikanischen Mehrheiten seine Arbeit antritt, noch einiges los. Um einige der demokratischen Vorhaben wie z.B. die Verlängerung des Arbeitslosengeldes durchzusetzen, hat sich Obama mit den Republikanern auf einen Kompromiss geeinigt, der beinhaltet, dass die Steuererleichterungen, die unter W. Bush erlassen wurden, auch für die Superreichen um zwei Jahre verlängert wurden. Ein m.E. unglaubliches Zugeständnis in einer Zeit der hohen Staatsverschuldung, in der die größte Last der Wirtschaftskrise von den Armen getragen werden muss. Und gleichzeitig eine verlogene Forderung der Republikaner, die im Wahlkampf die Reduzierung des Defizits als Hauptforderung genannt hatten. Der Kompromiss ist unter den Demokraten so umstritten, dass der 44. Präsident am Freitag den 42. Präsidenten zu Hilfe holen musste.

Ein anderes frustrierendes Ereignis: Die von Obama versprochene, von einer breiten Masse der Bevölkerung und der Militärs unterstützte Abschaffung von "Don't Ask, don't tell", der Regelung dass Schwule und Lesben in der Armee nur dienen dürfen, wenn sie ihre Homosexualität verschweigen. Auch die drei letzten republikanischen SenatorInnen, die die Abschaffung eigentlich unterstützen, konnten sich in dieser Woche nicht durchringen, ihre Stimme für die notwendige 60% Mehrheit im Senat abzugeben. So wird diese Regelung wohl noch über viele Jahre bestehen bleiben, denn ab Januar sind die Mehrheitsverhältnisse im Kongress ja noch ungünstiger.
