Saturday, May 17, 2008

Das Gute an der Wirtschaftskrise

Die Wirtschaftkrise ist hier Thema Nr. 1 und sie trifft natürlich besonders die ärmeren. Unglaublich mit welch günstig erscheinenden Krediten gering verdienende Leute zum Hauskauf verführt wurden und nun, nachdem das Kleingedruckte ihrer Kredite zu Tage kam, hochverschuldet und - nach der Zwangsversteigerung - ohne das in den USA so propagierte eigene Haus dastehen. Noch mehr als über die Problematik der Zwangsversteigerungen wird aber in den Medien mit großer Aufregung über den Benzinpreis berichtet, der dieser Tage die magischen $4-Grenze überschritten hat.

Zu beachten ist allerdings, dass die $4 für eine Gallone gezahlt werden, die 3,78 Liter enthält, so dass der Literpreis mit umgerechnet ca. 70 Euro-Cent immer noch sehr günstig ausfällt. Umgekehrt muss man wiederum bedenken, dass die großen amerikanischen Autos auch etwa doppelt so viel Benzin verbrauchen wie europäische Autos.
Aber das Gute ist: Seit die Benzinpreise so gestiegen sind, fahren die Amis zum ersten Mal seit 1979 wieder weniger Auto. Der Verkauf der benzinschluckenden SUVs (sport untility vehicle) ist zu Gunsten von sparsameren Autos dramatisch zurückgegangen und die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel ist in den ersten Monaten diesen Jahres um bis zu 10% gestiegen. (Eine gute Gelegenheit, ein paar der 1000 Bahnbilder zu zeigen...)

Und erfreulicherweise werden z.Zt. in vielen amerikanischen Städten Bahn- und Straßenbahnsysteme (aus-)gebaut, wobei über die Finanzierung oft lange gestritten wird. Ich fand die Idee der Grünen, den Benzinpreis auf 5€ anzuheben ja schon immer gut. Aber hier wird das wohl schon gar nicht möglich sein. Hillary versuchte ja schon zur Rettung ihrer Kandidatur vorzuschlagen, die Mineralölsteuer von 18 cent (!) pro Gallone den Sommer über auszusetzen.
Auch das Fahrradfahren ist im Kommen. Die Verkaufszahlen von Fahrrädern sind stark gestiegen und auch die Zahl derjenigen, die mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren stiegt. In den USA wird alles immer gleich als special event organisiert:

Die diesjährigen Aktionen, die in der vergangenen Woche stattfanden, sollen Rekordteilnehmerzahlen gehabt haben, trotzdem fahren weniger als 0,5% der Amis mit dem Fahrrad zur Arbeit. Dank eines Triatlon betreibenden Bürgermeister entwickelt sich Washington angeblich zur fahrradfreundlichsten Stadt der USA und wir werden auch die erste US-Stadt sein, die in den nächsten Wochen ein Call-a-Bike System bekommt. Ein Besuch hier wird jetzt also noch attraktiver!

Und als Nachtrag weil's noch zum Thema passt: Da durch die vielen Zwangsversteigerungen der Häuserbau und damit der Baulandbedarf stark zurück gegangen ist, ist es Naturschutzgruppen in den letzten Monaten in mehreren Bundesstaaten gelungen, Land zu kaufen, das eigentlich als Bauland vorgesehen war und jetzt in Parks oder Naturschutzgebiete umgewandelt werden kann.