Mit dem Zug sind die 226 Meilen (362 km) in 3 Stunden zu schaffen, da dies aber (auf der einzig intensiv und schnell befahrenen Bahnstrecke der USA) je nach Reisetag und -zug zwischen 67 und 199 $ für die einfache Fahrt kostet, haben wir uns für den Chinatown-to-Chinatown Bus für 35 $ hin- und zurück entschieden. Das dauert dann je nach dem wie gut man durch den Stau auf den bis zu 14-spurigen Autobahnen kommt 4-5 Stunden.
Als ich vor genau zehn Jahren zum letzten Mal in N.Y. war, gab es gerade große Proteste gegen den neu gewählten Bügermeister Rudolph Giulianie, der jetzt zu den aussichtsreichen republikanischen Präsidentschaftkandiaten gehört. Mit großer Härte, aber auch mit dem Glück des wirtschaftlichen Aufschwungs der 90er-Jahre in den USA, hat er New York von einer der gefährlichsten zu einer der sichersten Städte der USA gemacht, in der keine Armen mehr zu sehen sind. Dass diese nur in andere Gegenden vertrieben wurden, war vor kurzem in einem interessanten taz-Artikel zu lesen.
Auch das heruntergekommene Theater Distric um den Times Square hat er wieder zu einem leuchtenden Aushängeschild des Kapitalismus gemacht.
| Broadway am Times Square |
Wenn man Glück hat kann man hier kostenlos in die Late Nigt Show von David Lettermann kommen, deren Kopie in Deutschland als Harald Schmidt Show bekannt ist.
Richtig zu Ehren gekommen ist Giulianie aber durch sein "heldenhaftes" Verhalten am 11.September 2001. Man muss schon zugeben, die beiden Türme fehlen sehr beim vertrauten Bild Manhattens.
| Lower Manhatten von der Staten Island Fähre aus gesehen |
Ground Zero ist weiterhin eine große Baustelle, an deren Rändern mühsam versucht wird, der "Helden" zu gedenken.
Aber bald wird es mit dem Freedom Tower, der z.Zt. gebaut wird, ein noch höheres Gebäude geben.
| Alt Café in der Avenue A, Thompkins Square |
Cafés lassen sich wg. der hohen Mieten nur noch mit Sturbucks-Preisen finanzieren. Und das Konzept geht auf: auch ich freue mich inzwischen, bei Starbucks einzukehren, weil es relativ gesehen eben doch die netteste und oft einzige Möglichkeit für einen gemütlichen Kaffee ist.
Direkt neben den schicken Stadtteilen existiert aber weiterhin Chinatown, das sich sogar immer mehr auf benachbarte Stadtteile ausdehnt. Schnell ist man hier in einer anderen Welt.
Und wo man billig einkehren kann und ungewohnte Speisen zu unglaublich günstigen Preisen kennenlernen kann, die selbst für mich an der Grenze des geschmacklich verträglichen waren. Die Schweinohren gehörten noch zu den leckeren Speisen...
| Der Hackbraten täuscht, der schmeckt eklig |
Auch von den vielen Juden, die einst in der Lower East Side lebten, ist nur noch das touristische, aber dennoch leckere und sehr originale Katz Delicatessen übrig geblieben.
| Herr Katz im Gespräch mit den Gästen und vor der Fotowand, die ihn zusammen mit allen möglichen Stars zeigt. |
Die Orthoxen Juden leben schon lange in Brooklyn, wo wir aber in einigen Straßen Williamsburgs fast nur schwarz gekleidete Männer, Frauen mit Perrücken und Kinderscharen gesehen haben.
| Hier hat die handy-Kamera versagt: auf diesem Pessach-Jahrmarkt sind nur orthodoxe Juden zu sehen. |
Gleich nebenan hat sich in Brooklyn die coolere Künstler- und Alternativszene niedergelassen. Aber auch hier ist sie schon so hip geworden, dass die Mieten das Manhatten-Niveau anstreben und die weniger wohlhabenden weiter ziehen lassen.
Die schwule Szene hat mir diesmal auch richtig Spaß gemacht, vielleicht auch weil sie insbesondere im Vergleich zu den Washingtoner Kneipen viel bunter, lebendíger und von interessanter aussehenden Menschen bevölkert ist. (Also von Berlin aus lieber erst nach Washinton kommen...)
Die Rückkehr nach DC war dann ein bischen so, wie wenn ich von Berlin nach Bremen (die Bremer mögen es mir verzeihen) komme: viel niedrigere Häuser, weniger Leute auf der Straße und viel ruhiger. Zum Ankommen in den USA aber sicher die bessere und einfacherere Stadt. Und New York ist ja nicht weit...