Friday, October 12, 2007

L'Enfant Plaza

Auch seit der Rückkehr aus dem Sommerurlaub arbeite ich weiterhin einen Tag pro Woche im Holocaust-Museum, allerdings in einem ausgelagerten Büro. Ich bin immer noch in der gleichen Abteilung, der Survivors Registry tätig, aber an einem anderen Projekt.
Das Gebäude liegt an einem zentralen Platz nahe der National Mall mit einer großen Metrostation, der nach dem ersten und die Stadt prägenden Stadtplaner Washingtons benannt ist. Herr L'Enfant soll aber - so erzählt man - eine solche Diva gewesen sein, dass er schon nach kurzer von den Stadtvätern entlassen werden musste. Und sein französicher Name wird sehr schön englisch ausgesprochen. Der Platz besteht aus hässlichen Gebäuden, die der berühmte Architekt I.M.Pei wie so viele andere Gebäude in DC in den 50er und 60er Jahren in einem brutalen modernen Stil gebaut hat:

Immerhin erinnert der Platz an später viel berühmter gewordene Plätze:

Im neuen Büro habe ich jeden Donnerstag meinen eigenen "Cube", ein kleines Kästchen im Großraumbüro, wie das hier die Regel ist:

Das Projekt, an dem ich arbeite, gehört zum Victim List Project. Ähnlich und parallel zur Zwangsarbeiterstiftung in Deutschland gab es 2000 auch eine Einigung mit den Schweizer Banken, die Guthaben von Opfern des Naziregimes verwaltet haben, das sog. Swiss Banks Settlement. Nach einer Sammelklage und ausführlichen Gutachten zur Schätzung der Guthaben einigte man sich auf eine Summe von 1,25 Mrd $, die bisher an über 430.000 betroffene Juden, Roma, Zeugen Jehovas, Homosexuelle und Behinderte ausgezahlt wurden. Von der Gesamtsumme sind 10 Mio für das Victim List Project vorgesehen, mit dem sämtliche bestehenden Namenslisten von Holocaust-Opfern katalogisiert werden sollen. Gemeinsam mit Yad VaShem hat das Holocaustmuseum schon 20.000 Listen zugänglich gemacht, aber viele warten noch (meist microverfilmt) auf ihre Erfassung:

Mein sich sehr langsam fortbewegender Microfilm enthält die täglichen Veränderungsmeldungen aus dem Konzentrationslager Buchenwald, die die Nazis mit großer Akribie geführt haben. Leider ein etwas eintöniger Einblick in das Schicksal von 250.000 Häftlingen in einem der größten Konzentrationslager auf deutschem Boden, von denen ca. 56.000 umgekommen sind.
Aber das könnte sich bald ändern...