Sunday, March 22, 2009

Wochenende in der tax season

Sonntagabende sind eigentlich immer traurig, aber in der tax season ist es besonders hart, weil ich noch nicht das Gefühl habe, richtig frei gehabt zu haben. Und sie vergehen so schnell. Am Morgen zum Frühstück die Presse Sendungen im Fernsehen, die hier eine große Rolle in der politischen Diskussion spielen.

Dann Einkauf auf dem sehr netten Dupont Circle Farmers Marktet auf einem abgesperrte Straßenstück, der den Eastern Market ganz gut ersetzt.

Dann zum Kaffe trinken in unserer 17. Straße, in der heute sommerliches Treiben war.

Vor zwei Wochen waren wir sogar auch mal Wandern in Harpers Ferry in West Virginia.

Dann kommt aber immer der "schönste" Teil des Sonntags, bei dem man sich vorkommt wie in der Großstadt New York: An den Tagen mit Straßenreinigung darf man auf jeweils einer Straßenseite nicht parken, so dass wir zweimal in der Woche unser Auto umparken müssen, was bei den begrenzten Parkmöglichkeiten immer eine Herausforderung ist.

Aber immerhin lernt man so die verschiedenen netten Straßen der Nachbarschaft kennen, besonders die Riggs-Straße, in der man oft Glück hat, mag ich wegen ihrer alten Villa, die typisch ist für die Bauweise der Jahrhundertwende in Dupont Circle.

Und heute entdeckte ich auch einen sehr netten Garten hinter der z.Zt. (zum Parken!) sehr angesagten S Straße, der zu einem großen Freimauerertemple gehört.

Und zum krönenden Abschluss kommen dann die "Sonntagabendserien": Desparate Housewifes und Brothers and Sisters.

Monday, March 9, 2009

3. Jahr und 100. Blogeintrag

Passenderweise veranstaltet die Organisation "Foods&Friends" jedes Jahr am ersten Donnerstag im März ihren "Dining Out for Life - Dine Out, Fight AIDS" abend, bei dem viele Restaurants in DC (einen Teil) ihres Erlöses an diese Einrichtung spenden, die Essen auf Rädern für Menschen mit HIV/AIDS, Krebs oder anderen lebensbedrohenden Krankheiten organisiert. So begingen wir den 2. Jahrestag meiner Ankunft in DC diesmal in Freddie's Beach Bar.

Freddie's liegt im Washingoner Vorort Crystal City, einem Stadtteil von Arlington, Virginia, das wiederum an der U-Bahn zu meiner Arbeit liegt. Wir waren nicht nur erstaunt, dass es inmitten der häßlichen Betonklötze typsich amerikanisch eine kleine Straße mit Restaurants und etwas Atmosphäre gab, sondern auch, dass der Ansturm so groß war, dass man gebeten wurde zu gehen, sobald man seinen Teller leergegessen hatte.

Aber diese Art der in den USA immer so betonten Wohltätigkeit passt wohl gut in das System, wo das Spenden dazu gehört und immer betont wird, für viele aber nicht gerade weh tut (auch hier mal wieder ein Thema, zu dem ich gerne die Vergleiche zwischen Deutschland und den USA genauer recherchieren würde). Als letztes Jahr bekannt wurde, dass der Leiter von Foods & Friends ein Jahresgehalt von $300.000 hat, ging das zwar durch die Medien, aber Konsequenzen hatte es keine. Immerhin besteht eine der Steuererhoehungen, die Obama für Leute mit einem Jahreseinkommen von mehr als $250.000 plant, darin, den Steuersatz für Abzugsfähigkeit von Spenden auf die Höhe von weniger Verdienenden zu reduzieren. Wenn das mal nicht Auswirkungen auf die Spendenbereitschaft der Reichen (die sich selbst wahrscheinlich als "Mittelklasse" bezeichnen) haben wird...

Tuesday, March 3, 2009

Winterdrama II

Immer wieder dasselbe, am Freitag abend bei fast 20 Grad draußen gesessen, gestern wieder tagesschaureifer Winter im Nordosten der USA. Deshalb hier nur ein paar Fotos vom Weg zur Arbeit.

So leer habe ich die Straßen noch nie gesehen und das zur Rush-Hour. Die Metro aber pünktlich, selbst einer meiner Kollegen kam mit ihr zur Arbeit.

Und überall wurde wie verrückt Salz gestreut.

Und diesmal hatten es auch alle Kunden ins Büro geschafft, der einzige der fehlte: Braxton. Der machte sich eine gemütlichen Morgen zu Hause und meinte, die Kunden würden doch eh nicht kommen...

Was ich aber dann diesmal noch schockierender fand als sonst: Obwohl gestern 20cm Schnee fielen und es bis heute durchgehend Temperaturen unter 0 herrschten, war heute fast aller Schnee durch die Tonnen an Salz, dass auch grosszügig auf Beete gestreut wurde, weggeätzt. In den USA hat man die Natur im Griff.

Sunday, March 1, 2009

Discount und New Deal


Manche Dinge sind im Deutschland-USA Vergleich ja schwer zu verstehen. Während es Klamotten hier zu unglaublich günstigen Preisen gibt, sind Lebensmittel wesentlich teurer. Bei unserem Deutschlandaufenthalt waren wir beim Einkaufen jedesmal völlig überrascht, wie billig es ist. In den USA hingegen muss man schon froh sein, in der Innenstadt überhaupt einen Supermarkt zu finden und etwas günstiger einkaufen kann man dort nur, wenn man vorher fleißig (Super-) Coupons aus der Zeitung ausgeschnitten hat. Haben wir Anfangs noch über die Leute an der Kasse gelästert, die aufwendig ihre Gutscheine durchsuchen, machen wir das inzwischen selbst. Aber heute sind wir noch einen Schritt weitergegangen: In der Wirtschaftskrise ist WalMart eines der wenigen Unternehmen, das(zudem kräftige) Gewinne verzeichnen kann. Und wir haben herausgefunden, dass es in einem (eher ärmeren, Schwarzen/Latino)Vorort Washingtons inzwischen auch einen Aldi gibt.

Und da fühlten wir uns sowohl optisch als auch was die Preise angeht gleich zu Hause.

Die Produkte hingegen waren sowohl von den Marken als auch von ihrer Art eher amerikanisch, leider keine gute deutsche Schokolade und leider auch nicht wie (leise) erhofft günstige Qualitätsweine, weil in den Supermärkten in den USA kein Alokohol verkauft werden darf bzw. eine Alokohlizenz schwerer zu bekommen ist. Dann gab es aber zum Glück doch noch ein paar vertraute Produkte.

Dass Brot aus Deutschland etwas besonderes ist, war uns bewusst, auch wenn wir als Süddeutsche eher an anderen Brotsorten interessiert waren. Dass der Kaffe als guter deutscher angepriesen wurde überraschte allerdings, ich vergaß leider zu prüfen, ob es sich vielleicht um eine der deutschen Marken mit gutem Namen handelt.

Zwei Gründe, warum Aldi auch in den USA Waren günstiger anbieten kann als andere, konnten wir dann aber schnell erkennen. Während einem in den normalen US-Supermärkten alles in Tüten eingepackt wird, was immer ewig dauert, und man sich die Tüten auch zum Auto tragen lassen kann, gab es hier nicht die üblichen Schlangen an den Kassen. Und auch die Arbeitsplätze der Einkaufswageneinsammler auf den Parkplätzen spart sicht Aldi.

Um mit gutem Gewissen von unserem Autoausflug zurück zu kommen, haben wir dann noch einen Abstecher in den benachbarten Ort Greenbelt gemacht, einer Gartenstadtsiedlung die 1937 während der letzten großen Wirtschaftskrise im Rahmen des New Deals unter F.D. Roosevelt gabaut wurde.

Sehr nette 30er-Jahre Architektur, ein winziges engagiertes Museum und ein in den USA so selten anzutreffenden Konzept einer grünen Stadt, in der man alles zu Fuß oder mit dem Fahrrad erledigen kann und schon damals an Unterführungen für Fahrradfahren gedacht hat. (Heute wird allerdings auch dort hauptsächlich Auto gefahren)

Das nette Ortszentrum hat heute schwer gegen die Shopping Malls mit ihren Mgeakinos anzukämpfen, aber anscheinend gibt es noch Leute, die versuchen den kooperativen Gedanken aufrecht zu erhalten und im letzten Jahr hat das historische Kino ein "Utopia"-Filmfest veranstaltet mit Filmen über idealistsche Siedlungs- und Wohnprojekte.

Und bei aller Kritik, die staatliche Eingriffe in die Wirtschaft auch jetzt wieder erfahren, scheint diese Geschichte hier prositiv gesehen zu werden.

Mögen Obamas Investitionen ähnliche langanhaltende Witkung haben...