Monday, August 9, 2010

Viva la Revolution (mit Überlänge!)

Auch wenn das Foto noch wie vor der Abreise aus Washington aussieht: Es ist das Kapitol in Havanna. Und zeigt, welchen großen Einfluss die USA auf Kuba hatte.

Im 19. Jahrhundert versuchte die USA mehrfach, Kuba den Spaniern abzukaufen. Auch als Kuba 1902 seine "Unabhängigkeit" erhielt, mischte sich die USA immer wieder, auch militärisch ein. Havanna war bis in die 50er Jaher eine beliebtes Reiseziel für Amis, hauptsächlich für Glücksspiel und Sextourismus liebende.
Kein Wunder, dass die Revolution vielen willkommen war.

Durch das seit über 50 Jahren bestehende US Embargo war Kuba auf Hilfe aus der Sowjetunion angewiesen. Über deutliche Spuren aus dieser Zeit haben wir uns immer sehr gefreut

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und Wegfall der Handelspartnern in Osteuropa konnte Fidel das völlig heruntergewirtschaftete Land nur noch durch das Ausrufen ein "Speziellen Periode" retten. Diese beinhaltete neben dem Zulassen kleiner selbständiger Wirtschaftsbetriebe die Einführung die Zulassung des Dollars der inzwischen durch die sog. convertierbaren Pesos ersetzt wurde. Gleichzeitig wurde internationaler Tourismus zugelassen, der heute dafür sorgt, dass Kuba Devisen erhält und einigermaßen überleben kann.

Den weiteren Verfall der unglaublich schönen und ehemals sehr reichen Gebäude konnte dadurch allerdings noch nicht wirklich aufgehalten werden. Aber diese alten Häuser machen natürlich auch gerade der Charme Havannas aus, auch wenn dieser manchmal doch recht grenzwertig und eher deprimierend ist.


So waren wir zunächst froh, dass unsere Unterkunft zwar in einer faszinierenden Straße lag:

sich aber in einem sehr schön renovierten Haus befand. Dieses sog. Casa Particulares ist auch ein Produkt der Speziellen Periode: Überall gibt es Privatleute, die bis zu drei Zimmer an Touristen vermieten dürfen und dies immer sehr liebevol machen.

Das ganze war gekrönte durch eine traumhafte Dachterasse, die für die beim heiß-feuchten Klima notwenige Siesta optimal war.

Und durch tolle Frückstücke mit unendlich viel frischem Obst und Obstsäften.

Und in der Altstadt Havannas kann man die Auswirkungen der Devisen-bringenden Touristen doch schon erkennen. Teilweise mit EU-Mitteln sind hier viele Häuser schon sehr gut renoviert. Angeblich kommt ein bestimmter Teil der Einnahmen aber auch immer der normalen Bevölkerung zu Gute.

Für Fotos immer wieder beliebt, die schöne Uferprommenade, an der auch kräftit renoviert wird. Viel ist noch zu tun und viles nicht mehr zu retten.

An der Malecon, der Uferprommenade entlang kommt man dann in den neueren Stadtteil, in dem sich in den 50er Jahren das US-Touristenleben abspeilte.

Eisessen spielt im kubanischen Leben eine große Rolle und dafür steht man auch gerne lange an, auch wenn es zur Auswahl nur Erdbeer und Schokolade gibt - wie im gleichnamigen Film, in dem diese Eisdiele eine wichtige Rolle spielt. An der Kreuzung treffen sich angeblich auch die Schwulen, für die es - weil illegal - keine offiziellen Treffpubkte gibt.

Am Platz der Revolution finden die großen Paraden statt. Fidel und Che sind natürlich immer gegenwärtig.


Das große Veranstaltungszentrum ist alledrings nicht mehr in gutem Zustand.

Und an den wenigen Zeitungsständen gibt es außer der völlig propagandistischen Parteizeitung nichts zu kaufen.

Unsere Freude über den Einkauf in der Bäckerei Berlin war leider schnell getrübt als wir merkten, dass die Kubaner das Brot hier auf Essensmarken bekommen und wir erst gar nicht bedient wurden. Wie unangenehm. Das Angebot in den anderen "Lebensmittelläden" war auch sehr reduziert bis gar nicht vorhanden.

Erstaunlicherweise gab es zwar eine Fußgängerzone, aber auch hier war das Angebot sehr begrenzt. Wie wenig es gab wurde uns erst zu Hause bei den übervollen Läden erst wieder richtig klar.

Und wenn es etwas gibt, sah man oft Schlangen.

Auch hier haben die alten Läden aber einen besonderen Charme.

Und mit den zwei Währungen ist es wohl ein bißchen wie in den Intershops der DDR. Es gab viele Läden, in denen man nur mit der harten, convertierbaren Währung bezahlen kann. Uns war aber nicht klar, wer sich das überhaupt leisten kann.

Am Abend dann immer der obligatorische Mojito, Cuba Libre oder Diquirie.

2007 gab es Dank der Chinesen wohl eine große Verbesserung für Havanna. Bis dahin fuhren als Stadtbusse alte Trucks mit Passagieraufsätzen, die die Stadtluft völlig verpestet haben müssen. Nun gibt es erstaunlich moderne chinesischen Busse.

Und da es für die Devisen bringenden Touristen für fast alles eine Doppelgesellschaft gibt, fuhren wir auch mit Ausflugsbussen, wie sie in DC fahren, durch die Gegend. Am Anfang fand ich diese Doppelgesellschaft sehr unangenehm. Aber irgendwann war klar, dass dies die einzige Möglichkeit ist, dieses System mit wohlhaben Touristen aufrecht zu erhalten. Und das beruhigende ist: Das Geld verdienen nicht irgendwelche privaten Halsabschneider sonder der Staat. Möge es es hoffentlich gerecht vertieilen...

Im Revolutionsmuseum im alten Präsidentenpalast gab es viele blutige Bilder zusehen. Sonst aber eher die gewohnten Parolen.

Währennd wir in Washington im Sommer aus der Hitze in die klimatisierten Museen fliehen, war es hier leider anders. Ohne Klimaanlage war das stickige Museum kaumauszuhalten und eine Limonade überlebensnotwendig.

Die Andenkenläden und Bücherstände hatten sich auch alle auf ein bestimmtes Thema konzentriert...

Wie zu erwarten, nahmen die vielen Plakate und Spruchbänder kein Ende, man könnte einen seitweisen Blog-Eintrag alleine damit füllen.

Ein Mekka für Hunde- und Katzenliebhaben, allerdings leben sie zum Glück etwas eigenständiger als ihre Artgenossen in den USA

Buena Vista Social Club hört man an jeder Ecke. Aber auch wenn das natürlich touristisch aufgemacht ist, merkt man den Musikern sehr an, dass die Musik ein wichtiger Bestandteil der Landeskultur ist.

Und natürlich der Rum...

Zum Thema Bahn könnte ich auch seitenweise schreiben, aber es ist eher ein trauriges Kapitel. Zur Blütezeit des Zuckerrohranbaus im 19. Jahrhunder hatte Kuba ein tolles Bahnnetz. Seit der Revolution sind aber kaum mehr neue Wagen und Lokomotiven gebaut bzw. gekauft worden. Und ist das Wagenmaterial irgendwann gar nicht mehr zu reparieren, wird der Zug gestrichen und somit ist das Ende des Eisenbahnverkehrs in Kuba leider absehbar.

Und so mussten wir leider Bus fahren. Auch national gibt es ein eigenes Busnetzt, das für die Toursiten da ist, die Busse der Einheimischen durften wir nicht benutzen.

Anfänglich fand ich es schade, nicht so zu reisen wie die normalen Kubaner, dann war aber klar, dass die Unterersorung mit Transportmitteln so dramatisch ist, dass die normalen Busse immer völlig überfüllt sind und wir niemandem einen Platz hätten wegnehmen wollen.

Die Sowjets hatten Kuba eine Autobahn quer durchs Land finanziert nur leider war sie 1991 erst zur Hälfte fertig. Und die acht Spuren sind meist leer, weil es in Kuba so gut wie keine Privatautos gibt.

In Ermangelung von Bussen, ist die einzige Transportmöglichkeit oft nur auf Lastwagen, die bestimmte Strecken fahren.

Zweite Station auf der Reise war Trinidad, wo die Uhren 1850 stehen geblieben sind und erst mit dem Tourismus der 80er Jahre wieder anfingen zu laufen.

Sehr nett wurde jeden Abend auf dem Dorfplatz getanz. Für die Touristinnen gab es tolle kubanische Tänzer. Wir waren neidisch.

Zum Strand gabs nur dieses dumme Touristenbähnchen, das noch langsamer fuhr als die kubanischen Züge. Aber für den Strand vor dem alten sowjetischen Hotel hat sich das gelohnt.


Auch hier gab es einen getrennten Strand für die normalen Kubaner mit entsprechenden Arbeitererholungsplattenbauten.

In den Privatunterkünften, in denen wir ausschließlich gewohnt haben, gab es auch Abendessen, was auch deshalb toll war, weil das Angebot in den Restaurants meist sehr beschränkt war.

Und dann gabs endlich doch eine Eisenbahnfahrt, wenn auch nur mit einem Touristen-Dampfzug.



Ziel war ein kleiner Ort in einem tollen Tal, das einst eines der größten Zuckerrohranbaugebiete Kubas war.


Den Zug der Einheimischen haben wir uns dann wieder nur von ausßen angesehen.

Eines der Hauptstransportmittel in Kuba

Mit schräg stehenden Reifen haben wir ja Erfahrung. Wir waren aber überrascht, dass schon nach zwei Stunden ein Erstazbus kam.

Mit so einer Verspätung fanden wir in Santiago de Cuba, das wegen des dortigen Carnevals völlig überlaufen war, nur noch eine illegale Unterkunft.

Zum Glück gabs am nächsten Tag einen tollen Trost und eine schöne Terasse im Grand Hotel zum Ausruhen.

Die ganze Stadt war voll mit Carneval. Am Nachnmittag die "Schul- und Veddelszüge"



Für die Kinder gab's ganz schön aufregend Fahrgeschäfte ohne Sicherheitsgurte

Und für die Erwachsénen viel billiges Bier, das man offen in große Plastikbecher ausgeschenkt bekam.

Abends dann so, wie man sich den Carneval in Lateinamerika vorstellt. Und immer viele, viele Leute mit viel Musik auf der Straße.


Besonders nett auch, dass jede Nachbarschaft ihr eigenes Straßenfest zum Carneval veranstaltet.

In der Markthalle getrauten wir uns leider nicht Fotos zu machen, weil das Angebot so ärmlich war.

Dies war mal die Baccardi-Fabrik. Nach der Revolution flog die Baccardi-Familie allerdings in die USA und unsterützte den CIA. Heute wird hier Havanna Club hergestellt, den wir leider nicht in die USA einführen durften.

Der Bahnhof auch ein Projekt aus der goldenen sowjetischen Zeit.

Für uns sind diese Autos ja toll. Aber es gibt sie nur, weil man keine neuen kaufen kann

Mit unserer neuen Freunden gings weiter in das kleine, erholsame Städtchen Baracoa.



Im Regenreichsten Gebiet Kubas gelegen ist die Vegetation sehr üppig.

Auch wenn nur winzig klein: so weißer Sand und klares Wasser!

Es gibt nicht nur private Unterkünfte sonder seit der speziellen Phase sind auch private Kleinrestaurants erlaubt, die oft sehr liebevoll gemacht sind. Und diese "Paladar" hatte auch sehr leckeres Essen mit Cocos-Soße.

Eifrig Blog-LeserInnen sind Humbold auch schon vorher begegnet. Hier ist ein Nationalpark nach im benannt worden, in dem es unzählige endemische Tiere und Pflanzen gibt, von denen wir auf unserer geführten Tour leider nur einige sehen konnten.

Die Lebensmittelversorgung ist in Kuba ein großer Engpaß, aber zum Glück gibt es viele leckere Früchte, wie z.B. Litschies.

Diese Hütte erinnert an die Freiheit des Ramon Acosta. In der anderen konnte man Kaffee kaufen.

Eine der wenigen Industrieanlagen, die wir gesehen haben. In dieser Form muss man ja leider zum Glück sagen.

Eine weitere tolle Kolonial-Stadt: Camaguey

Und endlich mal ein richtiger Zug. Der tolle große Bahnhof ist allerdings wegen Einsturzgefahr gesperrt.

Hier wird Walzer gelernt!

Und wie immer eine tolle Unterkunft.

Auch wenn es ein separates Toursiten-Bus-system gibt. Die Organisation ist sozialistisch-bürokratisch. Und so haben wir es trotz rechtzeitiger Ankunft nicht in den Bus geschafft...

...und haben zu viert ein kleines (illegales) Lada-Taxi genommen, das auf der 500km langen Strecke nur vierl mal liegen blieb. Das faszinierende war aber: Der Fahrer hat den uralten Motor wieder zum Laufen bekommen. In Deutschland hätte das niemand geschafft.

Noch ein kleiner Bahnausflug, aber die Gleise sahen so aus, als ob da nichts mehr fahren würde...

Letzte Blicke auf das wunderschöne, faszinierende Havanna

In einer halben Stunde ist man auch hier an einem wunderschönen Strand. Die Regen hat sich hier leider durch ständiges Regnen bemerkbar gemacht.


Unser Lieblingsrestaurant am Malecon.

Der Flughafen von 1998 sieht finde ich eher wie 70er Jahre aus, aber das lte Terminal sah noch älter aus.

Und Dank des Kuba-Reiseverbots für US-Bürger gabs auch auf der Rückreise einen Zwischenstopp in Cancun, Mexico. Was auf der Hinreise schon wie eine fremde Kultur wirkte, war jetzt auf der Rückreise durch sein kapitalistisches Warenangebot schon wieder viel näher an der USA. Aber der Fisch hat geschmeckt!