Im Gegensatz zu den Amerikanern, die tatäschlich alle nur zwei Wochen Urlaub im Jahr haben, geht es uns Europäern richtig gut und mir natürlich noch viel besser: Ich fliege heute nach Seattle, wo ich zehn Tage bei einer Freundin und ihrer Familie verbringen werde und zwei Tage eine Wanderung um den Mount Rainier machen werde. Zu zweit werden wir dann eine Rundreise über Vancouver, Whistler, Vancouver Island und die Olympic Peninsula bis ins schöne Portland, Oregon machen. Von Seattle werde ich dann (alleine) mit dem Zug zuürck fahren. Nur einmal umsteigen, dafür aber 72 Std. Fahrtzeit. Nach fünf Wochen werde ich dann zur heißer werdenen Phase des Wahlkamps wieder zurück kommen. Der Blog wird so lange wohl pausieren.
Monday, July 30, 2007
Urlaub
Im Gegensatz zu den Amerikanern, die tatäschlich alle nur zwei Wochen Urlaub im Jahr haben, geht es uns Europäern richtig gut und mir natürlich noch viel besser: Ich fliege heute nach Seattle, wo ich zehn Tage bei einer Freundin und ihrer Familie verbringen werde und zwei Tage eine Wanderung um den Mount Rainier machen werde. Zu zweit werden wir dann eine Rundreise über Vancouver, Whistler, Vancouver Island und die Olympic Peninsula bis ins schöne Portland, Oregon machen. Von Seattle werde ich dann (alleine) mit dem Zug zuürck fahren. Nur einmal umsteigen, dafür aber 72 Std. Fahrtzeit. Nach fünf Wochen werde ich dann zur heißer werdenen Phase des Wahlkamps wieder zurück kommen. Der Blog wird so lange wohl pausieren.
Tuesday, July 24, 2007
Newsstunde
Wer mich kennt, kann sich vorstellen, dass ich auch hier diese wichtige Stunde am Tag habe, in der ich ungern gestört werde. Nicht wie in Bremen mit der WG und Tappsi und den schönen Lokalnachrichten Buten un Binnen und auch nicht wie in Berlin mit der trutschigen Abendschau, eigebettet zwischen heute und tagesschau. Sonder so:
Hier beginnt die Newsstunde schon um 6 pm mit der Sendung, die den passenden Namen Newshour (mit Jim Lehrer) trägt und tatsächlich eine Stunde lang geht. Sie kommt auf PBS, einem Zusammenschluss von 354 nicht-kommerziellen lokalen TV-Stationen, die von öffentlichen Einrichtungen, politischen Stiftungen, Universitäten und einzelnen Firmen finanziert werden. Sie versucht, möglichst objektiv und seriös zu berichten. Am Anfang steht ein 5-10 minütiger recht trockener Nachrichtenüberblick dem ca. 5 Themenblöcke folgen, die meist aus recht zähen Interviews bestehen und nur teilweise interesant sind. So kommt es, dass wir meist schon um 6.30 zu ABC World News mit Charles Gibson umschalten. Für einen Privatsender eine recht gute Nachrichtensendung, sie ist auch die meist gesehene Nachrichtensendung in den USA (7,30 Mio täglich). Mit zunehmender Sendezeit werden allerdings die Werbepausen immer häufiger und die Themen immer unterhaltender.


Und so ist es schön, dass man um 7 auf einen anderen PBS-Sender umschalten kann, auf dem eine BBC-World Nachrichtensendung kommt, die im Gegensatz zu den amerikanischen Nachrichtensendungen auch intensiver über das europäische und weltweite Geschehen berichtet. Der gute Ruf, den BBC hat(te) ist teilweise aber nicht mehr berechtigt.
Mein Bedürfnis nach Lokalnachrichten könnte ich den ganzen Tag über befriedigen. Da diese Sendungen auf den verschiedensten kommerziellen Sendern aber hauptsächlich aus Morden, Bränden und Unfällen bestehen (die dann meist auch noch als breaking news aufgemacht werden), wie man sich amerikanisches Fernsehen eben vortsellt, mache ich das erst um 11 zum Ausklang des Abends mit Kopfhörer. In einer seltsamen Themenzusammenstellung kommen zwischendurch aber auch einige lokalpolitisch interessante Themen, manchmal unvermutet auch nationale oder sogar internationale Themen. Der Höhepunkt ist aber eindeutig der Wetterspezialist, auf dessen Vorhersage die ganze Sendung über hingearbeitet wird. Wie bei allen Nachrichtensendungen ist auch hier doe "anchor"-Person wichtig, bei meiner Sendung ist es Maureen Bunyan, die von den vielen tragischen Ereignissen (wie auch vom Wetter) meist persönlich ganz erschüttert ist.

Nach 7.30 gibt es (ausgenommen von den Wiederholungen der BBC-Nachrichten um 10 und um 12) keine ernstzunehmenden Nachrichtensendungen mehr und auch die vorher erreichen bei weitem nicht das Informationsniveau der deutschen Nachrichten, so dass wir oft zum internet greifen. Seit einiger Zeit ist die ARD technisch auch so weit, dass wir nicht immer nur das heute-journal anschauen müssen. Und ein besonderer Höhepunkt war dann die Wahlberichterstattung nach der Bürgerschaftswahl in Bremen, dessen Marktplatz man bei genauem Hinsehen im Fenster erkennen kann:
Monday, July 23, 2007
No end in sight
Diese Woche läuft in den Kinos in New York und Washington der Dokumentarfilm "No end in sigth" an, der eindrücklich und schockierend die fehlende Planung der USA für einen Nachkriegsirak und die katstrophalen Fehler schildert, die die USA in den ersten Monaten im Irak gemacht haben, die mit zum jetzigen Zustand im Irak beigetragen haben. Wir haben ihn bereits bei einer Preview gesehen und auch der trailer ist schon eindrucksvoll: www.noendinsightmovie.com
Der Irak-Krieg ist hier das beherrschende politische Thema, es gibt keinen Tag, an dem der Irak nicht auf der Titelseite der Zeitungen oder als eine der ersten Meldungen in den Nachrichten auftaucht. Jeden Tag sterben im Irak durchschnittlich drei amerikanische Soldaten, was von den Medien entsprechend berichtet wird.

Immerhin werden ab und zu auch die Zahlen der irakischen Toten genannt, die man auf das 20fache der bisher über 3.600 gefallenen Amerikaner schätzt.
Die Diskussionen, die in Deutschland jetzt nach dem Tod der zwei Deutschen über eine Änderung der Strategie in Afghanistan aufkommen, bekommen hier täglich entsprechende Nahrung.
Seit ihrem Sieg bei den Wahlen für Senat und Repräsentantenhaus im November sorgen auch die Demokraten durch immer wieder neue Gesetzesvorlagen dafür, dass die Forderung eines Abzugs der US-Truppen auf der Tagesordnung bleibt. Aber entweder fehlen ihnen die entsprechenden Mehrheiten oder ihre Gesetze scheitern am Veto des Präsidenten, der trotz seiner fehlenden Beliebtheit (er wird als der schlechteste Präsident in der Geschichte der USA gesehen und erhält nur die Unterstützung von 29% der Bevölkerung) unbeirrt an seiner (Irak-)Politik festhält.
Auch die Vorschläge der "Irak Study Group", einer überparteilichen Beratungsgruppe, die nach den Wahlen im November eingesetzt wurde und deren Vorschläge u.a. das stärkere diplomatische Engagement mit Syrien und dem Iran und eine Schwerpunktverlegung der amerikanischen Truppen hin zur Ausbildung der irakischen Truppen vorsieht, wurden bisher nicht umgesetzt.
Die einzige Chance für eine tatsächliche Änderung, nämlich die Verweigerung des Krigeshaushaltes, fand auch bei den Demokraten keine Mehrheit, weil viele die Truppen nicht im Stich lassen wollen.

Und bei allem spielen natürlich die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen (und parallel dazu laufenden Kongreßwahlen) eine große Rolle. Die Demokraten müssen sowohl die Kriegsgegner zufriedenstellen, als auch die moderaten, kriegs- und militärfreundlichen Kräfte bedienen. Bei den Republikaneren ist es umgekehrt: sie müssen natürlichen den "Krieg gegen Terror" unterstützen (wie dies die Demokraten auch müssen und wollen), müssen sich aber auch von der fehlgeschlagenen Bush-Strategie distanzieren. So gibt es inzwischen auch einzelne republikanische Senatoren, die für einen Abzugsplan aus dem Irak stimmen.
Auf die Dauer sind diese Diskussionen sehr ermüdend, weil es meist um taktische Fragen, gegenseitige Beschuldigungen und immer weider die gleichen Fragen geht. Trotz der nachrichtlichen Öffentlichkeit spielt der Irakkrieg finde ich in der sonstigen Öffentlichkeit keine wahrnehmbare Rolle. Die meisten mit den ich spreche, hassen zwar Bush, aber erregen sich nicht auffällig über den Irakkrieg. Und eine wahrnehmbare Friedensbewegung gibt es nicht,

was auch daran liegt, dass im Gegensatz zum Vietnamkrieg eine Freiwilligenarmee im Einsatz ist. Diese hat allerdings zunehmend Probleme, neue Rekruten zu finden, obwohl sie überall mit Rekrutierungsbüros präsent ist.

Dies könnte zumindest den Druck auf die Kriegsführenden verstärken.
Es gäbe noch viel zur Irak-Diskussion zu sagen und ich lese täglich viele und neue interessante Details. Der Gesamteindruck aber ist, dass sich kaum etwas bewegt. Oder eine Veränderung vielleicht erst mit einer neuen Präsidentin kommt. Die allerdings 2002 auch für den Irakkrieg gestimmt hat, was ein weiteres Problem zeigt: Die Frage, was die friedenspolitischen Alternativen zum "Krieg gegen Terror" und für eine Politik im Nahen Osten sind, spielen nicht wirklich eine Rolle. No end in sight.
Der Irak-Krieg ist hier das beherrschende politische Thema, es gibt keinen Tag, an dem der Irak nicht auf der Titelseite der Zeitungen oder als eine der ersten Meldungen in den Nachrichten auftaucht. Jeden Tag sterben im Irak durchschnittlich drei amerikanische Soldaten, was von den Medien entsprechend berichtet wird.
Immerhin werden ab und zu auch die Zahlen der irakischen Toten genannt, die man auf das 20fache der bisher über 3.600 gefallenen Amerikaner schätzt.
Die Diskussionen, die in Deutschland jetzt nach dem Tod der zwei Deutschen über eine Änderung der Strategie in Afghanistan aufkommen, bekommen hier täglich entsprechende Nahrung.
Seit ihrem Sieg bei den Wahlen für Senat und Repräsentantenhaus im November sorgen auch die Demokraten durch immer wieder neue Gesetzesvorlagen dafür, dass die Forderung eines Abzugs der US-Truppen auf der Tagesordnung bleibt. Aber entweder fehlen ihnen die entsprechenden Mehrheiten oder ihre Gesetze scheitern am Veto des Präsidenten, der trotz seiner fehlenden Beliebtheit (er wird als der schlechteste Präsident in der Geschichte der USA gesehen und erhält nur die Unterstützung von 29% der Bevölkerung) unbeirrt an seiner (Irak-)Politik festhält.
Auch die Vorschläge der "Irak Study Group", einer überparteilichen Beratungsgruppe, die nach den Wahlen im November eingesetzt wurde und deren Vorschläge u.a. das stärkere diplomatische Engagement mit Syrien und dem Iran und eine Schwerpunktverlegung der amerikanischen Truppen hin zur Ausbildung der irakischen Truppen vorsieht, wurden bisher nicht umgesetzt.
Die einzige Chance für eine tatsächliche Änderung, nämlich die Verweigerung des Krigeshaushaltes, fand auch bei den Demokraten keine Mehrheit, weil viele die Truppen nicht im Stich lassen wollen.
Und bei allem spielen natürlich die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen (und parallel dazu laufenden Kongreßwahlen) eine große Rolle. Die Demokraten müssen sowohl die Kriegsgegner zufriedenstellen, als auch die moderaten, kriegs- und militärfreundlichen Kräfte bedienen. Bei den Republikaneren ist es umgekehrt: sie müssen natürlichen den "Krieg gegen Terror" unterstützen (wie dies die Demokraten auch müssen und wollen), müssen sich aber auch von der fehlgeschlagenen Bush-Strategie distanzieren. So gibt es inzwischen auch einzelne republikanische Senatoren, die für einen Abzugsplan aus dem Irak stimmen.
Auf die Dauer sind diese Diskussionen sehr ermüdend, weil es meist um taktische Fragen, gegenseitige Beschuldigungen und immer weider die gleichen Fragen geht. Trotz der nachrichtlichen Öffentlichkeit spielt der Irakkrieg finde ich in der sonstigen Öffentlichkeit keine wahrnehmbare Rolle. Die meisten mit den ich spreche, hassen zwar Bush, aber erregen sich nicht auffällig über den Irakkrieg. Und eine wahrnehmbare Friedensbewegung gibt es nicht,
was auch daran liegt, dass im Gegensatz zum Vietnamkrieg eine Freiwilligenarmee im Einsatz ist. Diese hat allerdings zunehmend Probleme, neue Rekruten zu finden, obwohl sie überall mit Rekrutierungsbüros präsent ist.
Dies könnte zumindest den Druck auf die Kriegsführenden verstärken.
Es gäbe noch viel zur Irak-Diskussion zu sagen und ich lese täglich viele und neue interessante Details. Der Gesamteindruck aber ist, dass sich kaum etwas bewegt. Oder eine Veränderung vielleicht erst mit einer neuen Präsidentin kommt. Die allerdings 2002 auch für den Irakkrieg gestimmt hat, was ein weiteres Problem zeigt: Die Frage, was die friedenspolitischen Alternativen zum "Krieg gegen Terror" und für eine Politik im Nahen Osten sind, spielen nicht wirklich eine Rolle. No end in sight.
Friday, July 20, 2007
screen on the green
und damit es auch noch was zum Anschauen gibt, hier noch ein aktueller Bericht zu den Freilichtkinos.

Ich hatte Anfangs beklagt, dass es diese hier nicht gibt, natürlich etwas verwöhnt aus Berlin, wo man jeden abend zwischen fünf oder mehr Kinos wählen kann, in denen man in Liegestühlen liegend die Filme aus dem letzten Jahr sehen kann, die man im Kino verpasst hat.
Aber auch hier haben wir im Sommer nun viele Möglichkeiten im freien Filme zu sehen, allerdings meist ältere Filme, was für meine Filmallgemeinbildung teilweise ganz hilfreich war und ist. Und das fast immer bei freiem Eintritt. Und nicht immer unter Alkoholverbot.
Dokumentation eines Neil Young-Konzertes in der neuen, "privaten" Fußgängerzone im Vortort Silver Spring

Hier läuft eine wöchentliche Reihe von Western mit Clint Eastwood. Wir freuen uns schon auf die James Bond Reihe im nächsten Jahr...

Bevor hier Casablanca auf einem klapprigen Filmvorführgerät wie man es aus der Schulzeit kennt gezeigt wurde, durfte die Bauchtanzgruppe des "gehobenen" Vororts in Virginia noch auftreten

Hier lief Woody Allen's "Annie Hall", der 4 Oscars bekommen hat:

wie günstig, dass der Eistee die Farbe eines anderen Getränkes hat...

Und dies mit Abstand die schönste Filmvorführung, organisiert von der Filmgruppe des schwul-lesbischen Filmfestivals in einem traumhaften Park: Bettgeflüster

mit entsprechendem Rahmenprogramm
Ich hatte Anfangs beklagt, dass es diese hier nicht gibt, natürlich etwas verwöhnt aus Berlin, wo man jeden abend zwischen fünf oder mehr Kinos wählen kann, in denen man in Liegestühlen liegend die Filme aus dem letzten Jahr sehen kann, die man im Kino verpasst hat.
Aber auch hier haben wir im Sommer nun viele Möglichkeiten im freien Filme zu sehen, allerdings meist ältere Filme, was für meine Filmallgemeinbildung teilweise ganz hilfreich war und ist. Und das fast immer bei freiem Eintritt. Und nicht immer unter Alkoholverbot.
Dokumentation eines Neil Young-Konzertes in der neuen, "privaten" Fußgängerzone im Vortort Silver Spring
Hier läuft eine wöchentliche Reihe von Western mit Clint Eastwood. Wir freuen uns schon auf die James Bond Reihe im nächsten Jahr...
Bevor hier Casablanca auf einem klapprigen Filmvorführgerät wie man es aus der Schulzeit kennt gezeigt wurde, durfte die Bauchtanzgruppe des "gehobenen" Vororts in Virginia noch auftreten
Hier lief Woody Allen's "Annie Hall", der 4 Oscars bekommen hat:
wie günstig, dass der Eistee die Farbe eines anderen Getränkes hat...
Und dies mit Abstand die schönste Filmvorführung, organisiert von der Filmgruppe des schwul-lesbischen Filmfestivals in einem traumhaften Park: Bettgeflüster
mit entsprechendem Rahmenprogramm
ITS
Die lange Pause in meinem Blog ist unter anderem dadurch entstanden, dass mich das Holocaust-Museum gebeten hatte, möglichst in Vollzeit an der Übersetzung des 20.000 Titel umfassenden Katalogs des International Tracing Service (ITS) aus Bad Arlosen zu arbeiten. Gestern abend nun habe ich den letzten Titel übersetzt und freue mich auf ruhigere Tage, an die ich mich ja schon so gewöhnt hatte.
Es war eine sehr interessante Erfahrung einen Einblick in diese umfassendste Sammlung von Dokumenten über die Verfolgung und Ermordung von 17 Millionen Menschen zu erhalten. Da die Aufgabe des schon 1943 begonnen Suchdienstes des Roten Kreuzes ist und war, Auskunft über den Verbleib der Opfer des Nationalsozialismus, aber z.B. auch über mögliche Rentenansprücke zu geben, wurde versucht, alle nur möglichen Listen und Dokumente zu erhalten, was auch sehr umfassend gelungen ist. Neben Belegungslisten der KZs, Listen über Zwangsarbeiter gibt es auch viele Listen aus DP(displaced persons)-Lagern, in denen die Holocaustüberlebenden bis in die 50er-Jahre auf ihre Ausreise in eine neue Heimat warteten mussten. Aber auch viele Unterlagen von Meldeämtern aus der zweiten Hälfte der 40er-Jahre, mit denen versucht wurde, den Aufenthalt von Ausländern und deren Rückführung nach 45 nachzuvollziehen. Oder Gräberlisten, die die Heinrich Böll-Stiftung in den 90er Jahren zusammengestellt hat, um das Schicksal einzelner Opfer nachzuvollziehen. Beeindruckend, dass bis in die 90er-Jahre neue Daten hinzukamen, insbesondere aus osteuropäischen Archiven, die bis dahin nicht zugänglich waren.
Für mich ein hochinteressanter Überblick sowohl über das umfassende Verfolgungs- und Vernichtungssystem (z.B. unzählige mir bekannte aber auch unbekannte Orte, in denen Zwangsarbeiter beschäftigt waren), aber auch über die bis heute andauernde Suche nach Informationen über das Schicksal von Angehörigen.
Das Holocaust-Museum hat seit zehn Jahren für die Freigabe dieser Daten gekämpft, die bisher nur für formalisierte Suchanfragen, nicht aber für historische Forschung oder das eigene Nachvollziehen von Schicksalswegen zugänglich waren. Nun ist eine Freigabe in Sicht. Bisher gibt es nur den o.g. Katalog, Ende des Jahres sollen dann alle Unterlagen übergeben werden. Neben Fragen zur digitalen Verwertbarkeit der Daten (nur 5% sind maschinenlesbar) gibt es viele Diskussionen um den Datenschutz, der hier wesentlich lockerer ist als in Deutschland, dessen Einhaltung aber mit zur Freigabe der Daten gehört. Von Opfergruppen der noch ca. 120.000 im hohen Alter in den USA lebenden Holocaustüberlebenden wird Druck auf das Museum ausgeübt, die Daten umgehend freizugeben, weil die Zeit verständlicherweise davon läuft. Auch wenn viele Daten bereits bekannt sind, geht man davon aus, dass es auch viele neue Informationen über das Schicksal von Opfern geben wird, insbesondere auch aus der Zeit nach 45.
Das Holocaust-Mueseum bereitet sich aber bereits strukturell auf einen großen Anstrum von Anfragen vor. Dafür stehen allerdings (zum Glück/leider) viele Freiwillige zur Verfügung, so dass meine Hoffnung, einen richtigen Arbeitsplatz zu bekommen, gering sind...
Es war eine sehr interessante Erfahrung einen Einblick in diese umfassendste Sammlung von Dokumenten über die Verfolgung und Ermordung von 17 Millionen Menschen zu erhalten. Da die Aufgabe des schon 1943 begonnen Suchdienstes des Roten Kreuzes ist und war, Auskunft über den Verbleib der Opfer des Nationalsozialismus, aber z.B. auch über mögliche Rentenansprücke zu geben, wurde versucht, alle nur möglichen Listen und Dokumente zu erhalten, was auch sehr umfassend gelungen ist. Neben Belegungslisten der KZs, Listen über Zwangsarbeiter gibt es auch viele Listen aus DP(displaced persons)-Lagern, in denen die Holocaustüberlebenden bis in die 50er-Jahre auf ihre Ausreise in eine neue Heimat warteten mussten. Aber auch viele Unterlagen von Meldeämtern aus der zweiten Hälfte der 40er-Jahre, mit denen versucht wurde, den Aufenthalt von Ausländern und deren Rückführung nach 45 nachzuvollziehen. Oder Gräberlisten, die die Heinrich Böll-Stiftung in den 90er Jahren zusammengestellt hat, um das Schicksal einzelner Opfer nachzuvollziehen. Beeindruckend, dass bis in die 90er-Jahre neue Daten hinzukamen, insbesondere aus osteuropäischen Archiven, die bis dahin nicht zugänglich waren.
Für mich ein hochinteressanter Überblick sowohl über das umfassende Verfolgungs- und Vernichtungssystem (z.B. unzählige mir bekannte aber auch unbekannte Orte, in denen Zwangsarbeiter beschäftigt waren), aber auch über die bis heute andauernde Suche nach Informationen über das Schicksal von Angehörigen.
Das Holocaust-Museum hat seit zehn Jahren für die Freigabe dieser Daten gekämpft, die bisher nur für formalisierte Suchanfragen, nicht aber für historische Forschung oder das eigene Nachvollziehen von Schicksalswegen zugänglich waren. Nun ist eine Freigabe in Sicht. Bisher gibt es nur den o.g. Katalog, Ende des Jahres sollen dann alle Unterlagen übergeben werden. Neben Fragen zur digitalen Verwertbarkeit der Daten (nur 5% sind maschinenlesbar) gibt es viele Diskussionen um den Datenschutz, der hier wesentlich lockerer ist als in Deutschland, dessen Einhaltung aber mit zur Freigabe der Daten gehört. Von Opfergruppen der noch ca. 120.000 im hohen Alter in den USA lebenden Holocaustüberlebenden wird Druck auf das Museum ausgeübt, die Daten umgehend freizugeben, weil die Zeit verständlicherweise davon läuft. Auch wenn viele Daten bereits bekannt sind, geht man davon aus, dass es auch viele neue Informationen über das Schicksal von Opfern geben wird, insbesondere auch aus der Zeit nach 45.
Das Holocaust-Mueseum bereitet sich aber bereits strukturell auf einen großen Anstrum von Anfragen vor. Dafür stehen allerdings (zum Glück/leider) viele Freiwillige zur Verfügung, so dass meine Hoffnung, einen richtigen Arbeitsplatz zu bekommen, gering sind...
Thursday, July 5, 2007
A Capitol Fourth
Eine Umfrage ergab diese Woche, dass 69% der US-Bürger ihre Häuser zum Unabhaängigkeitstag, dem 4. Juli (1776) mit Flaggen schmücken. Bei uns sah es allerdings nicht überall so aus wie hier

so dass wir davon ausgehen, dass es Gegenden in den USA gibt, in denen die 100% erreicht werden.
Im Holocaustmuseum durften am 3. Juli alle schon 2 Stunden früher nach Hause und bei meiner Läufergruppe wünschte man sich abends schon einen "Happy Fourth!" Die meisten Leute haben am 4. Juli frei, Läden, Museen... sind aber wie immer geöffnet.
Wir waren zu Freunden nach Takoma Park, einem Vorort von DC, eingeladen, der als relativ alternativ gilt. Traditionell gibt es in vielen Orten und Stadtteilen zum 4. Juli kleine Paraden, mit den üblichen Gruppen wie z.B. diesen:


In Takoma gab es aber auch viele kleine politische Gruppen, die gegen den Krieg, den Straßenverkehr, für bessere Bildung, gesünderes Essen und Umweltschutz mitmarschierten:

Bezeichnend: auch beim Umzug haben es sich die Amis in ihren nie fehlenden Campingstühlen bequem am Straßenrand eingerichtet.

Danach ging es dann zum ebenfalls traditionellen Nachbarschaftsstraßenfest, bei dem man die Offenheitheit der Amerikaner auf eine sehr nette Art und Weise erleben konnte

mit Band,

Tanz

und BBQ

Und das alles in einem politischen Umfeld, das den sonst so nationalistischen Feiertag sehr angenehm gemacht hat. Diese Schilder sind aus den umliegenden Gärten:



Aber abends wollten wir dann das mainstraem-Leben auch noch miterleben und gingen auf die National Mall, auf der ein Konzert mit anschließendem Feuerwerk stattfand. Nicht nur wegen der Anschläge in Großbrittanien musste man zuerst nach langem Schlangestehen durch Sicherheitsschleusen:

Das Konzert hatte dann schon nationalistischere Töne mit Nationalhymne und Gedenken an die gefallenen und sich im Einsatz befindenden Soldaten und ihren Familien. Aber das National Symphonie Orchestra durfte West Side Story, Country Music und vieles andere begleiten

Und im Anschluss ein nicht enden wollendes Feuerwerk, bei dem unsere jugendlichen Nachbarn versuchten "U - S - A, U - S - A" - Massenrufe zu starten. Aber die anderen 500.000 wollten dann doch schnell nach Hause, in der Hoffnung, nicht zu lange im Stau zu stehen, denn der war schon vorausgesagt.
so dass wir davon ausgehen, dass es Gegenden in den USA gibt, in denen die 100% erreicht werden.
Im Holocaustmuseum durften am 3. Juli alle schon 2 Stunden früher nach Hause und bei meiner Läufergruppe wünschte man sich abends schon einen "Happy Fourth!" Die meisten Leute haben am 4. Juli frei, Läden, Museen... sind aber wie immer geöffnet.
Wir waren zu Freunden nach Takoma Park, einem Vorort von DC, eingeladen, der als relativ alternativ gilt. Traditionell gibt es in vielen Orten und Stadtteilen zum 4. Juli kleine Paraden, mit den üblichen Gruppen wie z.B. diesen:
In Takoma gab es aber auch viele kleine politische Gruppen, die gegen den Krieg, den Straßenverkehr, für bessere Bildung, gesünderes Essen und Umweltschutz mitmarschierten:
Bezeichnend: auch beim Umzug haben es sich die Amis in ihren nie fehlenden Campingstühlen bequem am Straßenrand eingerichtet.
Danach ging es dann zum ebenfalls traditionellen Nachbarschaftsstraßenfest, bei dem man die Offenheitheit der Amerikaner auf eine sehr nette Art und Weise erleben konnte
mit Band,
Tanz
und BBQ
Und das alles in einem politischen Umfeld, das den sonst so nationalistischen Feiertag sehr angenehm gemacht hat. Diese Schilder sind aus den umliegenden Gärten:
Aber abends wollten wir dann das mainstraem-Leben auch noch miterleben und gingen auf die National Mall, auf der ein Konzert mit anschließendem Feuerwerk stattfand. Nicht nur wegen der Anschläge in Großbrittanien musste man zuerst nach langem Schlangestehen durch Sicherheitsschleusen:
Das Konzert hatte dann schon nationalistischere Töne mit Nationalhymne und Gedenken an die gefallenen und sich im Einsatz befindenden Soldaten und ihren Familien. Aber das National Symphonie Orchestra durfte West Side Story, Country Music und vieles andere begleiten
Und im Anschluss ein nicht enden wollendes Feuerwerk, bei dem unsere jugendlichen Nachbarn versuchten "U - S - A, U - S - A" - Massenrufe zu starten. Aber die anderen 500.000 wollten dann doch schnell nach Hause, in der Hoffnung, nicht zu lange im Stau zu stehen, denn der war schon vorausgesagt.
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