Friday, September 28, 2007

Little Rock 9

Eigentlich habe ich noch viele andere Themen, über die ich schreiben moechte, aber ich muss noch einmal auf die Rassendiskriminierung zurück kommen. Diese Woche jährte sich zum 50. Mal der Tag, an dem Präsident Eisenhower die US-Armee nach Little Rock, der Hauptstadt des Bundesstaates Arkensas (wo die Clintons vor ihrer ersten Präsidentschaft Gouverner waren) schickte, um neun schwarzen Schülern den Zutritt zu einer weissen High-School zu ermoeglichen. Obwohl der Oberste Gerichtshof in einem Urteil 1954 entschieden hatte, dass die Rassentrennung in den Schulen nicht rechtmässig ist, hatte der damalige Guverneur von Akensas die Nationalgarde geschickt, um den schwazen Schülern jenes Recht zu verwehren. Mit der Begründung, die Bevoelkerung müsse geschützt werden. Dieses Ereignis gilt als ein Schlüsselerlebnis in der Bürgerrechtsbewegung und macht bis zum heutigen Tage Schwarzen Mut, dass Veränderung moeglich ist, wenn sie sich wehren. Dies konnte ich gestern bei einer Diskussionsveranstaltung mit zwei der damaligen neun Schülern eindrücklich erleben. Vorausgegangen war der Diskussion ein oscar-prämierter Dokumentarfilm aus dem Jahr 1964 über diese Ereignisse, der aber vom amerikanischen Informationsdienst damals nur fürs Ausland gedreht und dort gezeigt wurde, was eine der Schülerinnen sehr bedauerte.
links ist der Oscar zu sehen, rechts u.a. der Sohn des Regiesseurs, Davis Guggenheim, der für seinen Film über Al Gore "An inconvenient truth" ebenfalls einen Oscar bekommen hat.

Schon am Montag war ich aus gleichem Anlass bei einer Veranstaltung mit zwei schwarzen Kongressabgeordneten. Der Tenor beider Veranstaltungen war, dass man zwar dankbar (und sehr emotional) auf die Errungenschaften des civil rights movements zurückblickt, aber bei weitem noch nicht alles erreicht hat, ein langer Kampf noch bevorsteht und die Gefahr von Rückschlägen nicht gebannt ist.
in der Mitte die beiden Kongressabgeordneten

Kein Wunder, die Schulen sind heute wieder wesentlich rassengetrennter, als sie das schon einmal waren, was ja durch aktuelle Rechtssprechungen auch noch unterstützt wird. über die sozialen und oekonomischen Ungleichheiten habe ich ja schonmal geschrieben. Und passend zum Jahrestag haben die führenden republikanischen Präsidentschaftkandidaten die Teilnahme an einer gestrigen Präsidentschaftsdebatte in einer schwarzen Universität zu "schwarzen" Themen abgesagt, mit der Begründung "Terminüberschneidungen".