Thursday, November 27, 2008

Oh, wie schön ist Panama

Wie der kleine Bär und der kleine Tiger sind wir wieder zufrieden zu Hause (und vor dem nächsten Urlaub werde ich mich im Blog abmelden!). Wir waren zwar nicht auf der Suche nach dem Land unserer Träume, sondern haben den günstigsten Flug in ein warmes Land genommen, um uns vom Wahl(kampf)stress zu erholen. Aber wir waren mehr als zufrieden, denn Panama ist mehr als der Kanal, der für das Land aber natürlich eine herausragende (vor allem wirtschaftliche) Bedeutung hat und bis 2014 auch noch weiter ausgebaut werden soll, um dem zunehmenden internationalen Verkehr mit immer größeren Schiffen gerecht zu werden.

Und für den ersten Urlaub seit zwei Jahre außerhalb der USA hätte das Land nicht besser gewählt sein können, war (und ist) seine Geschichte doch eng mit der der Vereinigten Staaten verbunden. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts fuhren viele (US-) Amerikaner von der Ostküste der USA nach Panama, überquerten dort den Isthmus (80 km) und fuhren auf der Pazifikseite mit dem Schiff an die Westküste, weil es noch keine transamerikanische Eisenbahn gab. Die erste war die 1855 fertiggestellte Panama Railway, die auch heute wieder einer US-amerikanischen Eisenbahngesellschaft gehört. Der berühmte Kanal wurde erst 1914 von den US-Amerikanern fertig gestellt (größtes Bauwerk der Weltgeschichte) und die Zone um ihn herum gehörte bis zum 31.12.1999 auch noch den USA. In ihr wurde John McCain geboren, dessen Vater dort als Soldat stationiert war.
Das direkt an die Kanalzone angrenzende Panama-City profitiert nicht nur vom intensiven Handel und den Service-Leistungen rund um den Kanal, sondern ist auch das wichtigste Finanzzentrum Lateinamerikas und sieht deshalb anders aus, als wir es erwartet hätten.

Aber glücklicherweise gibt es auch eine kleine, koloniale Altstadt, die zwar sehr heruntergekommen ist, dadurch aber einen besonderen Charme hat und uns vermuten lies, dass es in Havanna ähnlich aussehen könnte.

Wir waren allerdings froh, viele Polizisten auf den Straßen zu sehen, denn die Kriminalitätsrate muss in Panama-City sehr hoch sein, was sicherlich auch mit der Armut des größten Teils der Bevölkerung zusammenhängt. Panama ist einer der Welt-Spitzenreiter was soziale Ungleichheit angeht. Und so sind die touristischen Gegenden (im Gegensatz zum Nachbarland Costa-Rica fängt der Tourismus in Panama erfreulicherweise erst langsam an) eher in den Strand- und Inselregionen der Karribik und Pazifikküste, die wir mit dem super funktionierenden Kleinbussystem erreichen konnten. Ein immer interessanter Einblick in die Gesellschaft (viele Schüler, einmal ein Hahn neben mir...)

Und dann unglaublich schöne Strände und nette kleine Orte mit sehr schöner und entspannter Strandatmosphäre (wobei ich die karribische Entspanntheit beim Service manchmal doch etwas zu lagsam fand...)

Bisher konnte ich die Begeisterung fürs Schnorcheln nicht nachvollziehen, aber nach diesem Urlaub kann ich dies nun nachvollziehen. Neben unsähligen Fischen in den tollsten Farben haben wir vor allem unglaublich tolle Korallen gesehen, sowohl von den Formen als auch von den Farben teiweise fast künstlich aussehend (leider hatten wir keine Unterwasserkaméra). Dramatisch leider aber auch hier die Folgen der Erwärmung und Verschmutzung der Meere.

Aber auch die anderen Tiere haben uns sehr beeindruckt. Die Whale und Delphine, die wir im Sommer in Alaska gesehen haben, waren nun hier, wir haben sogar eine Wasserschildkröte gesehen, besonders toll aber waren die Einsiedlerkrebse.

Neben den Bilderbuchsstränden waren auch die Berge mit Regenwald ein Highlight der Reise. Den 3500 m hohen Vulkan Baru haben wir leider nicht bestiegen, dafür aber einen tollen Höhenweg (fast wie beim GTA) mit Gepäck von einem Tal ins nächste gemacht.

Wir hatten ja schon Regenwald an der US-Westküste erlebt, aber hier in den Tropen war er nun noch viel üppiger und auch wenn wir die vielen bunten Vögel, die es dort gibt, nicht gesehen haben, so war es doch unglaublich, so viele, große, grüne un bunte Pflanzen zu sehen.

Aber der dafür notwendige Regen hat auch seinen Preis: An vielen Tagen war es so wie angekündigt, dass es nur einmal kürzer, dafür aber sehr intensiv geregnet hat. An vielen anderen Tagen hat es aber über Stunden, fast etwas beunruhigend viel geregnet. Aber mit Schirm ausgerüstet war das zu ertreagen, zumal es weiterhin warm ist und irgendwann die Sonne weider rauskommt.

Wir sind ja einiges an Luftfeuchtigkeit aus DC gewöhnt, aber kein Vergleich mit den Tropen. Unsere Klamotten waren immer feucht und klebrig, auch wenn gerade frisch gewaschen und trockneten erst hier wieder. Und ich habe noch nie so viel Wäsche auf den Leinen gesehen, wie in Panama.

Auch wenn nur noch 6% der Panamesen Ureinwohner sind, haben einige Stämme es geschafft, autonome Regionen einzurichten, in denen sie teilweise noch sehr urspünglich leben. Auch wenn wir nicht in die ganz entlegenen Regionen gefahren sind, haben wir doch an vielen Stellen Indianer in sehr traditionellem Lebensstil gesehen.

Gleichzeitig sind sie auch stark mit der modernen Welt konfrontiert. Als Erwerbsmöglichkeit sicher positiv, werden sie auf den Bananen- und Kaffeplantagen ausgebeutet und der Kaffee, den wir mitgebracht haben ist eindeutig nicht fair gehandelt.

Ein anderes Problem, das man an vielen Stellen in seinem Ausmaß nur erahnen kann, ist die weiter fortschreitende Abholzung der Regenwälder. Zunächst noch als Gemüseanbauflächen nutzbar, sieht man an vielen Stellen nur noch Rinder weiden.


Um wieder auf das Verhältnis Panama-USA zurück zu kommen: Nicht nur die Währung in Panama ist der Dollar, sondern die USA haben ihren Einfluss auf Panama immer mehr oder weniger direkt ausgeübt. Der letzte große Eingriff war 1989 der Sturtz Noriegas, eines der vielen panamesischen Diktatoren. Beim militärischen Angriff auf Panama-City und andere Teile des Landes wurden nicht nur viele Gebäude zertsört, sondern auch über 2000 Zivilisten getötet. (In den Ruinen, wie in der gesamten Altstadt Panama-Citys wurde der neuste James Bond gedreht)

Aber die aktuellste Invasion von US-Amerikanern sind die Retirement-Siedlungen, die um Panama-City herum, an den Küsten und vor allem in den Bergen entstehen und die durch viele steuerliche Vergünstigungen gefördert werden. Und so wirkt Panama an manchen Stellen wie Miami.